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Texte von Arn Strohmeyer

Omri Boehm ein antisemitisches Buch?
Zionistenschreiben vor, wie an Holocaust zu erinnern.
Tragödie des Zionismus
Palästinenser dürfen in Erinnerungspolitik nicht vorkommen
Genozid wäre besser gewesen
Deutsche Erinnerungspolitik ohne Palästinenser
Plädoyer Ungleichheit der Menschen
Deutschland eine Bananenrepublik?
Situation derPalaestinenser unter zionistischer Besatzung
Ist Banksy ein Antisemit?
Streit um die Kasseler Documenta
Israel ein Apartheidstaat wie Südafrika?
Streit um die Kasseler Documenta
Rezension - Abraham Melzer-  Ich bin (k)ein Antisemit!
Afghanische Sanndalentraeger besiegten USA
Gemeinsame Werte mit einem Apartheidstaat?
Der Welt droht ein neuer Kalter Krieg
Die Antideutschen
Chefs des Springer-Konzerns Mathias Döpfner
„Apeirogon“ des irischen Autors Colum McCann
Lapid - Imagpflege, neue Einsichten?
„1984“ - israelische Cyber-Software“
BDS -  Hoffnung der Palästinenser“
Das Ende einer Illusion
Kampf gegen Windmühlenflügel
Die grüne Kanzlerkandidatin
Palästina in israelischen Schulbüchern
Die Nakba soll zu Ende gebracht werden
Westliche Propaganda - Aufteilung der Welt in Gut+ Böse
Die Jerusalemer Erklärung - Antwort auf die IHRA
Werder Bremen übernimmt die IHRA-Definition
Joseph Melzer - Ich habe neun Leben gelebt.
Holocaustgedenktag 2021
Inhalt der BDS-Resolution nicht erwähnen
Bücher - Positionen zum israelbezogenen Antisemitismus
Kariere von Sawsan Chebli
Martialisches Erinnern
Das zynische Angebot
Omri Boehms - liberaler und humaner Zionismus!
Omri Bohm - Israel - eine Utopie
Darstellung des Zionismus  für Israels Politik Problem
Zionismus untergräbt Werte des Judentums
Gaza ist Überall!
Israel und das Apartheid-Südafrika
Fall Achille Mbembe kein Einzelfall
Eine deutsche Debatte im Jahr 2020
Achille Mbembe - Eigentor von Felix Klein
Was trägt Israel  zum Judenhass bei?
Antideutsche - Antisemitismus und Nahostkonflikt
Nirit Sommerfeld - Stimme des anderen Israel
Symbol für den Freiheitskampf
Krieg gegen das palästinensische Volk
Treueschwüre für einen Besatzerstaat
Zur Kriegsgefahr im Nahen Osten
Der  ideologische Blick auf Israels Geschichte
Kein Friedensstern über Bethlehem
G. Hanloser - Abgesang auf die Antideutschen
Bundesregierung will Hisbollah verbieten
Jürgen Todenhöfer - Die große Heuchelei
Spiegel - zu Israel-kritischer Positionen kein Wort
Gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“
Hungert sie aus!
Das Beispiel Dr. Dr. Marcus Ermler
Hans-Jürgen Abromeit sagt die Wahrheit
Israel zieht belastende Dokumente aus dem Verkehr
Definiert Israels Regierung was Antisemitismus ist
Der Kushner-Plan -Totgeburt
Israels Politik -  zynisch, autoritär und reaktionär
Bremen verweigert Kritik an Israel
Wahlen ohne Opposition und Alternative…
Man unterscheidet zwischen "guten" und "bösen" Juden
BDS-Aktivisten auf „Krawall“ reduziert
Israel Siedlungen auf dem Mond?
Die Mauer als Symbol des Scheiterns
Wider den Mainstream
Triumph des moralischen Nihilismus
Mythos - Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern
Frieden auf Erden“ –  nicht in Palästina
Zensur der evangelischen Kirche
Lehrer nach Yad Vashem
Evangelische Kirche und Israels Unrechtspolitik
Hysterie bis zur Paranoia
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Bremer Innensenator Mäurer hat Recht
Die „Israelisierung der Welt“
Trumps "Deal" Verrat an Palästina
Wikipedia ist der Manipulation überführt
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Juden und Muslime in Auschwitz
Israels Sanktionen - Iran
Zum Tod von Felicia Langer
„WerteInitiative“  - Schlag gegen Bettina Marx
Stopp gegen Antisemitismus-Hysterie
Palästina - Realität wird zum Tabu
Tom Segevs Ben Gurion-Biographie
Deutschland, Israel + der Antisemitismus:
Präsident Abbas‘ missverständliche Rede
Unterstützung Arbeit Antisemitismus-Beauftragten
Die inszenierte Hysterie
Entstehung Israels als Heldenepos
70 Jahre Israel – 70 Jahre Siedlerkolonialismus
Skandalöse Geschichtsklitterung
Heiko Maas  in Israel
Was für ein Staat!
Heiko Maas - Kniefall nach Israel
Meinungsfreiheit für Palästinenser in Bremen
Rolf Verleger - Hundert Jahre Heimat_Land
Israel hat den Frieden nie gewollt.
Weihnachten 2017
Gefängnisstrafen und Sippenhaft
Nimmt der Antisemitismus zu?
Stramm hinter Trump
Hermann Kuhn demonstriert  Nichtwissen
Deutsche Kampfflieger über Israel
„Sie weichen den wirklichen Problemen aus“
Rezension - Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher
Rezension - Abraham Melzer: Mit Feuer und Blut
Die kopernikanische Wende
Martin Schulz Kotau vor der Israel-Lobby
„1984“ auf israelisch
Rückfall in die Vormoderne
Michael Wolffsohn hat sich disqualifiziert
Rezension - M. Peled - Der Sohn des Generals
Analysen des antizionistischen Isaac Deutscher
Film - Der Hass auf Juden in Europa
14. Dokumenta - Ahlam Shibli
Michael Lüders Buch „Die den Sturm ernten“
Jenseits aller Wirklichkeit
„Im Gefängnis, weil  Palästinenser“
Das Lehrbeispiel BDS
DIG Aufruf gegen Kritiker
Broder - BDS + die Endlösung
Zwischen „Lügen- “ und „Lückenpresse“
Frieden auf Erden... nicht im Heiligen Land
Ist Deutschland eine Bananenrepublik?
Hat Jakob Augstein der Mut verlassen?
Israel-Berichterstattung - doppelte Standards
Propaganda-Lügen gegen den Frieden
Antisemitismus – „Missverständnis der Geschichte“?
Wann ist Kritik an Israels antisemitisch
Die Lobby schlägt zu
Geheimsache Heron TP
Claude Lanzmann -  Palästina-Konflikt
Die Israel-Lobby und die HAWK
Ein Humanist?
„Die Hamas ist an allem schuld“
Ein Krieger und Verächter des Völkerrechts
Proteste und Demonstrationen nicht Antisemitisch
Der Streit um Israels „Existenzrecht“
„Journalismus“ á la Benjamin Weinthal
„Methodisch betriebener Wahnsinn“
Dank an Benjamin Weinthal
Albert Einstein muß als Zeuge herhalten
Wenn Weinthal wieder einmal zuschlägt ...
Rezension von  Kurt O. Wyss
Noch mehr Israel-Kritiker geschafft
Interview mit Abdallah Frangi
Benjamin Weinthal verhindert Vortrag Arn Strohmeyer
„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?
Ein Weihnachtswunsch
Abraham Melzers Buch „Israel vor Gericht“
Rezension - Petra Wild: Die Krise des Zionismus
Gipfel der Absurdität
Daniel Killy diffamierte seinen früheren Arbeitgeber
Rezension - Die Hölle von Gaza - Spiewak
Rote Karte für Israel!
Der Antisemitismus-Vorwurf als Rufmord
Ist Israel ein verrückter Staat?
„Oslo war ein Kapitulationsabkommen“
Rezension - Ilan Pappe -  „Die Idee Israel"
Wenn eine Jüdin den Zionismus kritisiert...
Leseprobe 3 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 2 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 1 - Antisemitismus – Philosemitismus
Inhalt - Antisemitismus – Philosemitismus
Buch - Antisemitismus – Philosemitismus
Kontrolle über Israels Atomwaffen?
Rezension - Sven Severin: Shalom ist nicht Frieden.
Werte der USA und Europas Doppelmoral
Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba
Rezension - Israel – Im permanenten Kriegszustand
Zwischen Doppelmoral und Lebenslügen
Die Herren über Leben und Tod
Dauerbrenner Antisemitismus
Weglassen, vertuschen und manipulieren
Napoleoni - Die Rückkehr des Kalifats.
Presseboykott gegen  Nakba-Ausstellung Bremen?
Der Streit um die historische Wahrheit
Am besten das Völkerrecht abschaffen.
Anschläge Paris - Stunde der Heuchler
Die Legenden von den vertriebenen Juden
Linkspartei und die Verletzer der Völkerrechte
Für Israel Frieden unmöglich.
Zionismus vor seinem historischen Ende?
Antisemitismus-Gefahr als politische Waffe
Eine genau kalkulierte Kampagne
„Ein Massaker schlimmsten Ausmaßes!“
Dieter Graumann und die westlichen Werte
Willkommener Anlass
Die EU als zahnloser Papiertiger
Antisemiten überall
Uri Avnery relativiert die Nakba
H. Baumgarten - Kampf um Palästina
Ein bedeutender Schritt zur Versöhnung
Bremer Evangelische Kirche -  Frieden Nah Ost
„Warum provoziert Ihr Israel immer so?“
Interview mit  Reuven Moskowitz
Israels große Propagandainszenierung
Unkritische Unterstützung Israels.
Tumulte in der Knesset
Rezension - Israel kontrovers
Ariel Sharons brutale Gewaltpolitik
Neuerscheinung Ilan Pappes Buch?
Ilan Pappe - „Eethnische Säuberung Palästinas
Schweigen der Christen im Nahen Osten
Feldmans Film „The Lab“
Mythos - Vertreibung der Juden
Rezension - Viktoria Waltz -  „Monopoly“
Shlomo Sand - Ich steige aus.
Palästinenser Testpersonen für Rüstungsindustrie
Israel steht unter Verdacht
Rezension - Buch Ekkehart Drost
3. Israelkongress in Berlin
Die Angst vor der Wahrheit
Was kommt nach dem Zionismus?
Führt Obama Israels Krieg?
Haben nur Palästinenser „Blut an den Händen“?
Ein Bantustan-Staat für die Palästinenser?
Zionismus + arabischer Antisemitismus
Ethnische Säuberungen
Juden unerwünscht?
Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen!“
Nachruf auf Stéphane Hessel
Streit um Augsteins „Antisemitismus“ geht weiter
Zerstört Israel sich selbst?
Broders taktischer Rückzieher
Solidarität mit Jakob Augstein!
Sollen Patriot-Raketen Israel schützen?
Von der Macht der Denunzianten
Rezension Rudolph Bauer - Wer rettet Israel
Netanjau in Berlin zum völlig falschen Zeitpunkt
Mit der UNO auf Kriegsfuß
Generalangriff auf die Mythen des Zionismus
Gaza - Schweigen die Waffen?
"Sicht der Armee  kein ethisches Problem“
Erwiderung auf Charlotte Knobloch
Atmosphäre der Angst
Keine Chance für die Vernunft?
These vom Mord an Arafat
„Hier wird Israel pauschal diffamiert“
D. Barenboim:„Nur ein Psychiater kann  helfen!“
In Nibelungentreue an Israels Seite?
Merkels abenteuerlicher Kriegskurs
Der Dichter, Israel und die Denkverbote
Genug der Heuchelei! - Günther Grass
Auf Mythen keinen Frieden aufbauen
Brief an Ralph Giordano
Ilan Pappe -  Wissenschaft als Herrschaftsdienst
Nazi-Analogien in Israel
Interview mit Abdallah Frangi
Abdallah Frangi - Der Gesandte
Israeltag 2011 - Bremer Schulen
Ein Akt historischer Gerechtigkeit
Israel-Propaganda an deutschen Schulen ?
„Boykott ist eine absolute Notwendigkeit“
Rezension - Finkelstein „Israels Invasion in Gaza“
Die Partei „Die Linke“ + das Existenzrechts Israels
„Wir wollen die ganze Region befreien“
Ergänzung - Brief Bürgermeister Jens Böhrnsen
Offener Brief - Bürgermeister Jens Böhrnsen
Helmut Schmidt + R. von Weizsäcker Antisemiten?
Sind Boykottaktionen antisemitisch?
Boykott gegen Früchte aus Israel
Stéphane Hessel - Empört Euch!
Todenhöfer - Warum tötest Du, Zaid?
Arabische Aufstände düpieren den Westen + Israel
Verzweifeln an Israel
In der Falle der Stammesideologie
Wer glaubt an Friedensbotschaften
Kotau vor Merkels Nahost-Politik
Wie man Antisemiten produziert
Im Gleichschritt mit Israel?
Was ist Antisemitismus
Gibt es  "neuen" Antisemitismus? - Klug Brian
Was sind "jüdische Gene"? - Thilo Sarrazin
Zionistischer Angriff auf Wikipedia
Moshe Zimmermann: Angst vor Frieden
Verwirrung der Begriffe?
Offener Brief  Weser-Kurier-Artikel - 16. 06. 2010
Iris Hefets gewann Prozess gegen Lala Süsskind
Mordaktion nach Piratenmanier
Israel will keinen Frieden
Solidarität mit Iris Hefets!
Sieg der Spermien und Gebärmütter
Hajo Meyer - Radikale Kritik am Zionismus
Interview mit Norman G. Finkelstein
Gespräch mit Yehuda Shaul
Interview mit Yahav Zohar
Broder - Aufklärung + Untergang
„Israel streut der Welt Sand in die Augen“
„Hitler besiegen“
Interview mit Moshe Zuckermann
Bethlehem 2008
Volk ohne Hoffnung
Brief Präsidium J. G. Bremen
Interview Felicia Langer

 

TRANSLATE

 

Wissen die Genossen überhaupt, was sie da beschließen?

 Die Partei „Die Linke“ will die Anerkennung des Existenzrechts Israels in ihr Parteiprogramm aufnehmen

 Von Arn Strohmeyer

 

Die Linkspartei will die Anerkennung des Existenzrechts Israels in ihrem Parteiprogramm festschreiben. Das klingt zunächst ganz harmlos und sehr einleuchtend. Denn Israel ist seit 63 Jahren ein wirklich existierender Staat, der 1947 von der UNO ins Leben gerufen und von vielen - wenn auch nicht von allen - Staaten der Welt anerkannt wurde. Und nicht zuletzt: Der Staat Israel ist nicht nur eine starke Regionalmacht im Nahen Osten, er ist mit seiner High-Tech-Armee und seinen Atomwaffen sowie den USA im Rücken - eine kleine Supermacht. Aber wenn Israel eine so überaus starke Realität ist, ergibt sich ja von selbst die Frage: Warum sollte man dann seine „Existenz“ anerkennen? Allein diese Fragestellung ist schon absurd, denn warum soll man etwas zweifellos Existierendes als „existent“ anerkennen?

 

Niemand zweifelt doch an Israels Realität, und die Völker um diesen Staat herum bekommen sie bisweilen sehr schmerzhaft zu spüren. Auch wenn dieser Staat vielen Menschen wegen seiner zügellosen Aggressivität unheimlich vorkommt und Angst macht, Israel abschaffen zu wollen, würde eine unendliche neue Tragödie über die Menschen im Nahen Osten heraufbeschwören, was niemand wünschen kann. Also wohlgemerkt: Es geht hier nicht um Israels Existenz, die ist unbestritten, sondern um die Frage der Anerkennung seiner Existenz, das ist etwas ganz anderes.

 

 

Die Linkspartei hat ein Problem. Sie hat ein paar Realisten und renommierte Experten in ihren Reihen, die das Nahost-Problem so sehen, wie es ist, und das auch aussprechen. Und das bedeutet in Deutschland, sich dem Vorwurfs des Antisemitismus auszusetzen. Lassen wir also einen Israeli, den Anthropologen Jeff Halper, den Kern des Nahost-Konflikts benennen: „Der exklusive Anspruch meines Volkes auf das gesamte Land Israel [d.h. ganz Palästina] und die sowohl implizite als auch praktisch durchgesetzte Negierung der natürlichen Ansprüche, Rechte und sogar der Existenz der Palästinenser können in der Tat so lange nicht versöhnt werden wie die [jüdische] Ethnokratie in dieser Form existiert.“ Oder um mit einem Satz Ben Gurions zu sprechen: „Wir wollen, dass das Land uns gehört, die Araber beanspruchen es auch für sich (...) Deshalb gibt es keine Lösung! Es gibt keine Lösung!“ Das ist die Realität der Status-quo-Politik, die Netanjahu heute noch betreibt, die jeden Kompromiss in Bezug auf das Land ausschließt - und deshalb existiert keine Perspektive für den Frieden.

 

Nun gibt es in der Linkspartei neben den Nahost-Realisten auch die kritiklosen Israel-Freunde, ja sogar einen starken Flügel der sogenannten „Antideutschen“. Für diese Leute ist alles, was Israel tut, offenbar ein höheres Gesetz, dem man blind folgen muss. Und es gibt auch Leute in der Partei, die Israels Politik durchaus durchschauen und verstehen, die aber große Angst vor der eigenen Courage haben und den Antisemitismus-Vorwurf so sehr fürchten, dass sie sich opportunistisch dem Mainstream anpassen und nun dafür sind, das Existenzrecht Israels in ihr Parteiprogramm zu schreiben. Haben die führenden Köpfe überhaupt verstanden, was sie da machen?

 

Der amerikanisch-jüdische Politologe und Sprachforscher Noam Chomsky schrieb schon 2003 in seinem Buch „Offene Wunde Nahost. Israel, die Palästinenser und die US-Politik“ über diese Frage: „Wenn man über diese keineswegs ungewöhnlich klingende Wortwahl etwas nachdenkt, wird man erkennen, dass sich dahinter eine weitere Finte amerikanischer und israelischer Hardliner verbirgt, mit der sie die Möglichkeit friedlicher politischer Lösungen blockieren. In diplomatischen Beziehungen und dem internationalen Recht gibt es keinen relevanten Begriff von staatlicher ‚Legitimität‘ oder dem ‚Recht auf Existenz‘. Staaten werden anerkannt, weil sie existieren und funktionieren, nicht weil sie ‚Legitimität‘ oder ein ‚Existenzrecht‘ besitzen.“ Also: Ein „Existenzrecht“ gibt es im Völkerrecht nicht, auch nicht seine Anerkennung. Und warum Israel dies fordert, ist auch klar: um eine unannehmbare Bedingung für Verhandlungen zu stellen. Da man weiß, dass sie nicht erfüllt wird, verhindert man damit eben Verhandlungen.

 

Noch deutlicher wird Brian Klug, ein britisch-jüdischer Philosoph von der Universität Oxford. Auch er weist darauf hin, dass es im Völkerrecht keinen solchen Begriff „Existenzrecht“ gibt. Dort gelte für souveräne Staaten, dass sie einer gegenüber dem anderen gewisse Rechte haben, von denen sich die meisten auf Prinzipien zurückführen lassen, die in Artikel 2 der Charta der Vereinten Nationen niedergelegt sind. Diese Rechte setzten aber die Existenz des Staates, um den es geht, voraus - ein nicht existierender Staat können eben keine Rechte haben, wobei man die Frage, ob ein Staat zu Recht existiere, offenlassen müsse. Klug weist daraufhin, dass es zur Zeit auf der Welt 192 Staaten gebe, von denen viele eine sehr zweifelhafte Legitimität besäßen, aber nur Israel bestehe auf der Anerkennung seines Existenzrechts.

 

Klug folgert daraus, dass es sich beim „Existenzrecht“ also nicht um eine rechtliche, sondern eher um eine politische oder moralische Kategorie handele. Er konstatiert, dass sich hinter dieser Formulierung ein politisches Bedürfnis, ja eine unerlässliche Bedingung verberge, die unbedingt erfüllt werden müsse. Sie verzerre aber die ganze Debatte um Israel und Palästina, sei nichts als ein „Knäuel der Verwirrung“: „Die Formulierung‚ Israel hat ein Existenzrecht‘ ist in jeder ihrer Teile und als Ganzes so vage wie eine Wolke oder so glitschig wie ein Aal.“

 

Nähme man die Forderung Israels nach Anerkennung seines Existenzrechts - sei sie nun politisch oder moralisch gemeint - ernst, dann ergeben sich - so Klug - automatisch einige Israel betreffende Fragen, die dringend  einer Antwort bedürfen. Erstens: Welcher Natur oder Identität ist der Träger dieses „Existenzrechtes“? Denn auch wenn Israel ein souveräner Staat ist - über welches Staatsterritorium verfügt er? Welches sind Israels rechtsverbindlich festgelegte Grenzen? Klug fragt: „Was bedeutet es, von einem Staat zu sagen, er habe ein ‚Existenzrecht‘, wenn wir die Ausdehnung des Territoriums, auf dem dieses Recht ausgeübt wird, gar nicht kennen?“ Und gerade im Nahost-Konflikt spielten die Grenzen ja eine entscheidende Rolle. Zweitens: Was ist mit dem Begriff Israel gemeint: der Staat als solcher, der alle seine Bürger einschließt, also auch die zwanzig Prozent Palästinenser, oder ein exklusiv jüdischer Staat oder der Staat der Juden? Drittens: Wer gilt als jüdisch? Also auch die Frage nach dem Staatsvolk ist ungeklärt. So werden z.B. Hunderttausende von aus der Sowjetunion in Israel eingewanderten Juden vom Rabbinat nicht als solche anerkannt.

 

Weil diese Dinge unbedingt einer Klärung bedürfen, kommt die Anerkennung des Existenzrechtes für Klug der Unterzeichnung eines Blankoschecks für die Zukunft gleich. Um ein Beispiel zu nennen: Wenn Israel morgen völkerrechtswidrig das Westjordanland annektieren würde, hätte man die Rechtmäßigkeit dieses Vorgehens mit der Anerkennung des Existenzrechtes auch mit unterschrieben.

 

Aber man würde mit einem solchen Blankoscheck noch viel mehr unterschreiben. Denn die andauernde Betonung des Existenzrechts durch Israel unterstellt - so Klug - , dass Israel unter einer andauernden Bedrohung seiner Existenz steht, entweder durch die Palästinenser oder die Araber. Die Anerkennung des Existenzrechts trage also dazu bei, eine ganze Weltanschauung - „Wir gegen die Welt“ - zu verstärken und zugleich den israelischen Militarismus zu fördern, den sie unweigerlich nach sich ziehe. Und sie rechtfertige Israels völkerrechtswidriges und in jeder Beziehung illegales politisches und militärisches Vorgehen, das es ja mit der Behauptung, extrem bedroht zu sein, für sich in Anspruch nehme. Und das kann ausgesprochen gefährliche Folgen haben - auch für Israel selbst.

 

Klug schreibt: „Wenn Israel seine kriegerische Haltung nicht ändern kann; wenn die Mentalität des fortgesetzten Krieges weiterhin vorherrscht, bei dem sich jedes Grenzgeplänkel zur Schlacht um das Überleben des jüdischen Volkes auswächst; dann werden die Konsequenzen für Israel ebenso fatal sein, wie sie für andere tödlich sind. Die israelische Rhetorik von der ‚Existenz‘, die Teil seiner kriegerischen Haltung ist, gefährdet genau dies, seine Existenz.“

 

Die Anerkennung des Existenzrechts Israels als Bestätigung seiner kriegerischen Haltung und Nicht-Bereitschaft zum Frieden ist so gesehen existenzgefährdend für das Land. Denn wenn man immer erst die conditio sine qua non erfüllen muss (also die Anerkennung der Existenz), macht dies jede offene Diskussion über den Frieden im Nahen Osten unmöglich. Vermutlich ist es genau das, was Israel will, denn es kann mit dem gegenwärtigen Status quo ja sehr gut leben. Aber ob es mit diesem Weg seine eigene Zukunft verspielt, ist eine ganz andere Frage.

 

Im Übrigen ist diese Argumentation Israels relativ neu. Früher hat Israel in entgegengesetzter Weise argumentiert. So schrieb ein israelischer Außenminister einmal: „Niemand erweist Israel einen Dienst, indem er sein ‚‘Existenzrecht‘ proklamiert. Es ist beunruhigend, dass so viele, die Israel wohl gesonnen sind, diese verächtliche Formulierung im Munde führen.“ Es war Abba Eban, der dies am 18. November 1981 in der New York Times schrieb. Und der israelische Ministerpräsident Menachim Begin bekannte 1977 in der Knesset: „Ich möchte hier feststellen, dass die Regierung Israels keine Nation, sei sie nah oder fern, mächtig oder klein, darum ersuchen wird, unser Existenzrecht anzuerkennen.“

 

Welcher Teufel außer blindem Opportunismus oder nackter Angst vor dem Antisemitismus-Vorwurf treibt die Linkspartei also an, die Anerkennung des Existenzrechtes in ihr Parteiprogramm aufzunehmen? Hätte sie nicht besser daran getan, die Dinge endlich ehrlich beim Namen zu nennen. d.h. eine klare Analyse der nahöstlichen Situation zu liefern und vor allem für das deutsche Publikum die Begriffe zu klären: Was ist Antisemitismus heute? Denn der alte Rassen-Antisemitismus der Völkischen und der Nazis existiert ja - außer in rechtsradikalen Randgruppen - kaum noch. Israel und seine Anhänger sehen dagegen überall einen „neuen“ Antisemitismus am Werk, der jede Kritik an Israels Politik mit diesem Totschlagargument zum Schweigen bringen will. Ist aber Kritik an Israels Politik nicht wirklich berechtigt und ist sie antisemitisch? Ist Zionismus (die Staatsideologe Israels) mit Judentum identisch und Anti-Zionismus mit Antisemitismus? Das sind Fragen, über die in der Bevölkerung weitgehend Unklarheit herrscht und auf die die Linke in einer breiten Diskussion hätte Antworten geben müssen. Das hätte die Debatte über den Nahost-Konflikt in Deutschland ein Stück weiter gebracht. Aber sie hat nicht einmal auf die verzweifelten Stimmen der israelischen Linken, die Solidarität für ihre überaus schwierige Lage einforderten, gehört.

 

Zuguterletzt: Dass die Anerkennung des Existenzrechts nur ein „Knäuel der Verwirrung“ (Klug) oder eine Bedingung ist, die Friedensverhandlungen verhindern soll, ist hinlänglich belegt. Was aber wirklich ansteht, ist die Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts der Palästinenser durch Israel. Ein solcher Schritt steht seit Jahrzehnten aus und er würde wirklich den Weg in Richtung Frieden weisen.


					

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