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Texte von Arn Strohmeyer

Omri Boehm ein antisemitisches Buch?
Zionistenschreiben vor, wie an Holocaust zu erinnern.
Tragödie des Zionismus
Palästinenser dürfen in Erinnerungspolitik nicht vorkommen
Genozid wäre besser gewesen
Deutsche Erinnerungspolitik ohne Palästinenser
Plädoyer Ungleichheit der Menschen
Deutschland eine Bananenrepublik?
Situation derPalaestinenser unter zionistischer Besatzung
Ist Banksy ein Antisemit?
Streit um die Kasseler Documenta
Israel ein Apartheidstaat wie Südafrika?
Streit um die Kasseler Documenta
Rezension - Abraham Melzer-  Ich bin (k)ein Antisemit!
Afghanische Sanndalentraeger besiegten USA
Gemeinsame Werte mit einem Apartheidstaat?
Der Welt droht ein neuer Kalter Krieg
Die Antideutschen
Chefs des Springer-Konzerns Mathias Döpfner
„Apeirogon“ des irischen Autors Colum McCann
Lapid - Imagpflege, neue Einsichten?
„1984“ - israelische Cyber-Software“
BDS -  Hoffnung der Palästinenser“
Das Ende einer Illusion
Kampf gegen Windmühlenflügel
Die grüne Kanzlerkandidatin
Palästina in israelischen Schulbüchern
Die Nakba soll zu Ende gebracht werden
Westliche Propaganda - Aufteilung der Welt in Gut+ Böse
Die Jerusalemer Erklärung - Antwort auf die IHRA
Werder Bremen übernimmt die IHRA-Definition
Joseph Melzer - Ich habe neun Leben gelebt.
Holocaustgedenktag 2021
Inhalt der BDS-Resolution nicht erwähnen
Bücher - Positionen zum israelbezogenen Antisemitismus
Kariere von Sawsan Chebli
Martialisches Erinnern
Das zynische Angebot
Omri Boehms - liberaler und humaner Zionismus!
Omri Bohm - Israel - eine Utopie
Darstellung des Zionismus  für Israels Politik Problem
Zionismus untergräbt Werte des Judentums
Gaza ist Überall!
Israel und das Apartheid-Südafrika
Fall Achille Mbembe kein Einzelfall
Eine deutsche Debatte im Jahr 2020
Achille Mbembe - Eigentor von Felix Klein
Was trägt Israel  zum Judenhass bei?
Antideutsche - Antisemitismus und Nahostkonflikt
Nirit Sommerfeld - Stimme des anderen Israel
Symbol für den Freiheitskampf
Krieg gegen das palästinensische Volk
Treueschwüre für einen Besatzerstaat
Zur Kriegsgefahr im Nahen Osten
Der  ideologische Blick auf Israels Geschichte
Kein Friedensstern über Bethlehem
G. Hanloser - Abgesang auf die Antideutschen
Bundesregierung will Hisbollah verbieten
Jürgen Todenhöfer - Die große Heuchelei
Spiegel - zu Israel-kritischer Positionen kein Wort
Gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“
Hungert sie aus!
Das Beispiel Dr. Dr. Marcus Ermler
Hans-Jürgen Abromeit sagt die Wahrheit
Israel zieht belastende Dokumente aus dem Verkehr
Definiert Israels Regierung was Antisemitismus ist
Der Kushner-Plan -Totgeburt
Israels Politik -  zynisch, autoritär und reaktionär
Bremen verweigert Kritik an Israel
Wahlen ohne Opposition und Alternative…
Man unterscheidet zwischen "guten" und "bösen" Juden
BDS-Aktivisten auf „Krawall“ reduziert
Israel Siedlungen auf dem Mond?
Die Mauer als Symbol des Scheiterns
Wider den Mainstream
Triumph des moralischen Nihilismus
Mythos - Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern
Frieden auf Erden“ –  nicht in Palästina
Zensur der evangelischen Kirche
Lehrer nach Yad Vashem
Evangelische Kirche und Israels Unrechtspolitik
Hysterie bis zur Paranoia
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Bremer Innensenator Mäurer hat Recht
Die „Israelisierung der Welt“
Trumps "Deal" Verrat an Palästina
Wikipedia ist der Manipulation überführt
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Juden und Muslime in Auschwitz
Israels Sanktionen - Iran
Zum Tod von Felicia Langer
„WerteInitiative“  - Schlag gegen Bettina Marx
Stopp gegen Antisemitismus-Hysterie
Palästina - Realität wird zum Tabu
Tom Segevs Ben Gurion-Biographie
Deutschland, Israel + der Antisemitismus:
Präsident Abbas‘ missverständliche Rede
Unterstützung Arbeit Antisemitismus-Beauftragten
Die inszenierte Hysterie
Entstehung Israels als Heldenepos
70 Jahre Israel – 70 Jahre Siedlerkolonialismus
Skandalöse Geschichtsklitterung
Heiko Maas  in Israel
Was für ein Staat!
Heiko Maas - Kniefall nach Israel
Meinungsfreiheit für Palästinenser in Bremen
Rolf Verleger - Hundert Jahre Heimat_Land
Israel hat den Frieden nie gewollt.
Weihnachten 2017
Gefängnisstrafen und Sippenhaft
Nimmt der Antisemitismus zu?
Stramm hinter Trump
Hermann Kuhn demonstriert  Nichtwissen
Deutsche Kampfflieger über Israel
„Sie weichen den wirklichen Problemen aus“
Rezension - Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher
Rezension - Abraham Melzer: Mit Feuer und Blut
Die kopernikanische Wende
Martin Schulz Kotau vor der Israel-Lobby
„1984“ auf israelisch
Rückfall in die Vormoderne
Michael Wolffsohn hat sich disqualifiziert
Rezension - M. Peled - Der Sohn des Generals
Analysen des antizionistischen Isaac Deutscher
Film - Der Hass auf Juden in Europa
14. Dokumenta - Ahlam Shibli
Michael Lüders Buch „Die den Sturm ernten“
Jenseits aller Wirklichkeit
„Im Gefängnis, weil  Palästinenser“
Das Lehrbeispiel BDS
DIG Aufruf gegen Kritiker
Broder - BDS + die Endlösung
Zwischen „Lügen- “ und „Lückenpresse“
Frieden auf Erden... nicht im Heiligen Land
Ist Deutschland eine Bananenrepublik?
Hat Jakob Augstein der Mut verlassen?
Israel-Berichterstattung - doppelte Standards
Propaganda-Lügen gegen den Frieden
Antisemitismus – „Missverständnis der Geschichte“?
Wann ist Kritik an Israels antisemitisch
Die Lobby schlägt zu
Geheimsache Heron TP
Claude Lanzmann -  Palästina-Konflikt
Die Israel-Lobby und die HAWK
Ein Humanist?
„Die Hamas ist an allem schuld“
Ein Krieger und Verächter des Völkerrechts
Proteste und Demonstrationen nicht Antisemitisch
Der Streit um Israels „Existenzrecht“
„Journalismus“ á la Benjamin Weinthal
„Methodisch betriebener Wahnsinn“
Dank an Benjamin Weinthal
Albert Einstein muß als Zeuge herhalten
Wenn Weinthal wieder einmal zuschlägt ...
Rezension von  Kurt O. Wyss
Noch mehr Israel-Kritiker geschafft
Interview mit Abdallah Frangi
Benjamin Weinthal verhindert Vortrag Arn Strohmeyer
„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?
Ein Weihnachtswunsch
Abraham Melzers Buch „Israel vor Gericht“
Rezension - Petra Wild: Die Krise des Zionismus
Gipfel der Absurdität
Daniel Killy diffamierte seinen früheren Arbeitgeber
Rezension - Die Hölle von Gaza - Spiewak
Rote Karte für Israel!
Der Antisemitismus-Vorwurf als Rufmord
Ist Israel ein verrückter Staat?
„Oslo war ein Kapitulationsabkommen“
Rezension - Ilan Pappe -  „Die Idee Israel"
Wenn eine Jüdin den Zionismus kritisiert...
Leseprobe 3 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 2 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 1 - Antisemitismus – Philosemitismus
Inhalt - Antisemitismus – Philosemitismus
Buch - Antisemitismus – Philosemitismus
Kontrolle über Israels Atomwaffen?
Rezension - Sven Severin: Shalom ist nicht Frieden.
Werte der USA und Europas Doppelmoral
Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba
Rezension - Israel – Im permanenten Kriegszustand
Zwischen Doppelmoral und Lebenslügen
Die Herren über Leben und Tod
Dauerbrenner Antisemitismus
Weglassen, vertuschen und manipulieren
Napoleoni - Die Rückkehr des Kalifats.
Presseboykott gegen  Nakba-Ausstellung Bremen?
Der Streit um die historische Wahrheit
Am besten das Völkerrecht abschaffen.
Anschläge Paris - Stunde der Heuchler
Die Legenden von den vertriebenen Juden
Linkspartei und die Verletzer der Völkerrechte
Für Israel Frieden unmöglich.
Zionismus vor seinem historischen Ende?
Antisemitismus-Gefahr als politische Waffe
Eine genau kalkulierte Kampagne
„Ein Massaker schlimmsten Ausmaßes!“
Dieter Graumann und die westlichen Werte
Willkommener Anlass
Die EU als zahnloser Papiertiger
Antisemiten überall
Uri Avnery relativiert die Nakba
H. Baumgarten - Kampf um Palästina
Ein bedeutender Schritt zur Versöhnung
Bremer Evangelische Kirche -  Frieden Nah Ost
„Warum provoziert Ihr Israel immer so?“
Interview mit  Reuven Moskowitz
Israels große Propagandainszenierung
Unkritische Unterstützung Israels.
Tumulte in der Knesset
Rezension - Israel kontrovers
Ariel Sharons brutale Gewaltpolitik
Neuerscheinung Ilan Pappes Buch?
Ilan Pappe - „Eethnische Säuberung Palästinas
Schweigen der Christen im Nahen Osten
Feldmans Film „The Lab“
Mythos - Vertreibung der Juden
Rezension - Viktoria Waltz -  „Monopoly“
Shlomo Sand - Ich steige aus.
Palästinenser Testpersonen für Rüstungsindustrie
Israel steht unter Verdacht
Rezension - Buch Ekkehart Drost
3. Israelkongress in Berlin
Die Angst vor der Wahrheit
Was kommt nach dem Zionismus?
Führt Obama Israels Krieg?
Haben nur Palästinenser „Blut an den Händen“?
Ein Bantustan-Staat für die Palästinenser?
Zionismus + arabischer Antisemitismus
Ethnische Säuberungen
Juden unerwünscht?
Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen!“
Nachruf auf Stéphane Hessel
Streit um Augsteins „Antisemitismus“ geht weiter
Zerstört Israel sich selbst?
Broders taktischer Rückzieher
Solidarität mit Jakob Augstein!
Sollen Patriot-Raketen Israel schützen?
Von der Macht der Denunzianten
Rezension Rudolph Bauer - Wer rettet Israel
Netanjau in Berlin zum völlig falschen Zeitpunkt
Mit der UNO auf Kriegsfuß
Generalangriff auf die Mythen des Zionismus
Gaza - Schweigen die Waffen?
"Sicht der Armee  kein ethisches Problem“
Erwiderung auf Charlotte Knobloch
Atmosphäre der Angst
Keine Chance für die Vernunft?
These vom Mord an Arafat
„Hier wird Israel pauschal diffamiert“
D. Barenboim:„Nur ein Psychiater kann  helfen!“
In Nibelungentreue an Israels Seite?
Merkels abenteuerlicher Kriegskurs
Der Dichter, Israel und die Denkverbote
Genug der Heuchelei! - Günther Grass
Auf Mythen keinen Frieden aufbauen
Brief an Ralph Giordano
Ilan Pappe -  Wissenschaft als Herrschaftsdienst
Nazi-Analogien in Israel
Interview mit Abdallah Frangi
Abdallah Frangi - Der Gesandte
Israeltag 2011 - Bremer Schulen
Ein Akt historischer Gerechtigkeit
Israel-Propaganda an deutschen Schulen ?
„Boykott ist eine absolute Notwendigkeit“
Rezension - Finkelstein „Israels Invasion in Gaza“
Die Partei „Die Linke“ + das Existenzrechts Israels
„Wir wollen die ganze Region befreien“
Ergänzung - Brief Bürgermeister Jens Böhrnsen
Offener Brief - Bürgermeister Jens Böhrnsen
Helmut Schmidt + R. von Weizsäcker Antisemiten?
Sind Boykottaktionen antisemitisch?
Boykott gegen Früchte aus Israel
Stéphane Hessel - Empört Euch!
Todenhöfer - Warum tötest Du, Zaid?
Arabische Aufstände düpieren den Westen + Israel
Verzweifeln an Israel
In der Falle der Stammesideologie
Wer glaubt an Friedensbotschaften
Kotau vor Merkels Nahost-Politik
Wie man Antisemiten produziert
Im Gleichschritt mit Israel?
Was ist Antisemitismus
Gibt es  "neuen" Antisemitismus? - Klug Brian
Was sind "jüdische Gene"? - Thilo Sarrazin
Zionistischer Angriff auf Wikipedia
Moshe Zimmermann: Angst vor Frieden
Verwirrung der Begriffe?
Offener Brief  Weser-Kurier-Artikel - 16. 06. 2010
Iris Hefets gewann Prozess gegen Lala Süsskind
Mordaktion nach Piratenmanier
Israel will keinen Frieden
Solidarität mit Iris Hefets!
Sieg der Spermien und Gebärmütter
Hajo Meyer - Radikale Kritik am Zionismus
Interview mit Norman G. Finkelstein
Gespräch mit Yehuda Shaul
Interview mit Yahav Zohar
Broder - Aufklärung + Untergang
„Israel streut der Welt Sand in die Augen“
„Hitler besiegen“
Interview mit Moshe Zuckermann
Bethlehem 2008
Volk ohne Hoffnung
Brief Präsidium J. G. Bremen
Interview Felicia Langer

 

Die friedlose Nation

Das 73. Gründungsjubiläum des Staates Israel gibt wenig Anlass zum Jubel
Die Nakba dauert an und soll zu Ende gebracht werden

Arn Strohmeyer - 13.05.2021

Am 14. Mai 1948 vor 73 Jahren wurde der Staat Israel gegründet. Das ist keine runde Zahl, die ganz große Feierlichkeiten erlauben würde. Aber immerhin: 73 Jahre sind ein beachtliches Alter für einen Staat, dessen Existenz wegen der gewaltsamen Umstände seines Zustandekommens und seiner inhumanen Politik bis heute äußerst umstritten ist. Und so verwundert es nicht, dass das zionistische Israel – obwohl wirtschaftlich und militärisch im Nahen Osten ein Riese – politisch auch nach drei Generationen Existenz seine Identität noch nicht gefunden hat. Was zugleich der Grund dafür ist, dass das ganze zionistische Unternehmen hoch gefährdet und seine Zukunft keineswegs gesichert ist.

Die Ereignisse der letzten Tage mit den Demonstrationen der Palästinenser gegen Zwangsumsiedlungen, Häuserzerstörungen, Enteignungen, Überfälle auf historische Stätten, Abriegelungen, Sperrungen sowie Hetze und Anstachelung sowie der brutalen israelischen Reaktion darauf haben gezeigt, wie explosiv die Lage dort ist. Israel begeht nicht nur am 14. Mai den Tag seiner Staatsgründung, die Palästinenser begehen einen Tag später den Nakba-Tag, die Erinnerung an ihre von den Zionisten herbeigeführte Katastrophe, die bis heute andauert. Und allein die Tatsache, dass sie offiziell diesen Tag gar nicht begehen dürfen (dafür sorgt sogar ein israelisches Gesetz), sondern ihre eigene Geschichte verdrängen müssen, ist eine klare Aussage, welche Art von Herrschaftssystem die Zionisten in ihrem Staat ausüben.

Wenn man am 73. Jubiläumstag der israelischen Staatsgründung nur eine pessimistische Einschätzung für die Zukunft dieses Staates abgeben kann, dann hat das viel mit der Vergangenheit zu tun. Denn Israel verbietet nicht nur dem von ihm unterworfenen und unterdrückten Volk, seine Vergangenheit zu erinnern, sondern die Zionisten haben sich auch als unfähig erwiesen, mit ihrer eigenen Vergangenheit ins Reine zu kommen. Wenn man mit einem verfälschten oder manipulierten Bild der eigenen Geschichte lebt, dessen einziges Ziel darin besteht, die eigene Vormacht und Dominanz über ein anderes Volk und das geraubte Territorium zu sichern, dann kann es keine Bereitschaft zur Konfliktlösung und damit zum Frieden geben. Israel ist eine friedlose Nation.

Was Sigmund Freud für Individuen festgestellt hat, gilt auch für Kollektive: Wird das Trauma, das aus der Vergangenheit resultiert, durch Verarbeitung nicht aufgelöst, bricht es immer wieder in die Gegenwart ein und bestimmt das Handeln. Die Geschichte wiederholt sich dann genau in den Teilen, die nicht verstanden, also nicht aufgearbeitet worden sind. Wobei es wichtig ist anzumerken, dass Israel eigentlich zwei Vergangenheiten aufzuarbeiten hat: das Trauma der Judenvernichtung durch die Nazis und die Schuld, die dieser Staat durch sein brutales Vorgehen gegen die Palästinenser auf sich geladen hat.

Nach Auffassung zweier bedeutender universalistisch denkender jüdischer Intellektueller – Moshe Zuckermann und Judith Butler – hat das zionistische Israel die richtigen Lehren aus dem Holocaust gerade nicht gezogen, weil es dieses Menschheitsverbrechen nicht um seiner selbst willen erinnert, sondern es seit jeher als „erbärmliche Pathosformel“ zur Instrumentalisierung und Legitimierung der eigenen politischen, diplomatischen sowie militärischen und ökonomischen Interessen missbraucht (Zuckermann). Und Judith Butler konstatiert: Die Israelis sind nun selbst Unterdrücker und Täter geworden, was seinen Grund darin hat, dass das bewusstseinsmäßige „Erwachen aus dem Trauma“ nicht gelungen ist und sich nun die Gewalt aus der Vergangenheit endlos wiederholt.

Eine falsch verstandene oder sogar bewusst verfälschte Geschichte kann also immensen Schaden anrichten. Im Fall Israels wird mit einer solchen Geschichtsmanipulation die Unterdrückung, Kolonisierung und Besatzung über ein ganzes Volk gerechtfertigt. Was auch bedeutet, dass es im jüdischen Staat keinerlei Bestrebungen gibt, die Sünden der Vergangenheit und Gegenwart aufzuarbeiten und die sie rechtfertigenden Mythen zu entmythologisieren. Das zionistische Narrativ, das sehr eng mit dem kollektiven Gedächtnis zusammenhängt, ist ein künstliches Produkt, das von einem rationalen Verständnis von Geschichte, das heißt von Analyse, Dissens, Wandel und Meinungsstreit, zu unterscheiden ist.

Dieses Narrativ ist in seiner Sicht auf die Vergangenheit auf politische Zwecke hin konstruiert: vor allem das eigene Kollektiv von anderen Kollektiven abzuheben. Die ganz bewusst betriebene Dämonisierung der „Anderen“ (der Palästinenser) soll vor allem den Zusammenhalt des eigenen Kollektivs stärken und das brutale Vorgehen gegen dieses Volk rechtfertigen. Das zionistische Narrativ kennt keine Toleranz gegenüber den „Anderen“, sondern kennt nur Gut und Böse – Juden und Araber (Palästinenser). Oder anders gesagt: Es gibt nur ein „wir“ oder „sie“.

Allein mit politischen Kategorien lässt sich dieser Konflikt nicht verstehen, man muss die Psychologie zu Rate ziehen. Der israelische Psychoanalytiker Ofer Grosbard, der im deutschsprachigen Raum mit seinem Buch Israel auf der Couch bekannt geworden ist, konstatiert als Grundgefühl der israelischen Existenz Angst, die bis zur Paranoia gehen kann und ein Ergebnis der jüdischen Leidensgeschichte (gipfelnd im Holocaust) sei. Die Folge sei ein Gefühl ständiger Bedrohung, auch wenn diese gar nicht real vorhanden sei. Der Paranoide – so Grosbard – schwankt zwischen Unsicherheit und Angst einerseits und Selbstgerechtigkeit, dem Gefühl der Einzigartigkeit und Auserwähltheit, Überheblichkeit und Arroganz auf der anderen Seite. Da die schlimmen Erinnerungen aus der Vergangenheit in der Gegenwart immer präsent seien, könne der Paranoide den „Anderen“ (in diesem Fall die Palästinenser) nie wirklich begegnen, ohne das Gefühl der Bedrohung auf ihn zu übertragen.

Was aber auch bedeutet, dass der Paranoide die Schuld für sein Handeln nie bei sich selbst suchen kann, sondern nur bei dem „Anderen“. Die aus einem solchen psychischen Zustand sich ergebende Aggressivität der israelischen Politik, für die der Krieg gegen die Palästinenser und ihre Unterdrückung der Normalzustand sind (aber immer als „Selbstverteidigung“ dargestellt werden), ist für Grosbard der Ausgangspunkt der Tragödie, die sich seit über hundert Jahren in Palästina abspielt. Auf Grund seiner paranoiden Haltung, folgert der Analytiker, versteht Israel nur die Sprache der Gewalt, die Sprache des Friedens ist ihm verschlossen.

Wie sehr die Vergangenheit mit dem Ziel manipuliert wird, die Gegenwart und die Zukunft im eigenen Sinne zu dominieren, belegt die starre Dogmatisierung des zionistischen Narrativs, das so gut wie nichts mit der historischen Wahrheit zu tun hat, aber offensichtlich den Zweck erfüllt, die multiethnische israelische Gesellschaft zusammenzuhalten. Es lautet kurz zusammengefasst: Nach der großen jüdischen Vergangenheit in der Antike, dem dann folgenden Exil und dem Holocaust folgte die Rückkehr der Juden in ihre „Heimat“ Erez-Israel und damit die „Erlösung“ des Landes (des Bodens), die auch zugleich die „nationale Erlösung“ der Juden ist. Die 2000 Jahre Diaspora sowie die Jahrtausende währende Anwesenheit eines anderen Volkes in Palästina werden geleugnet. Das heutige Israel versteht sich als der Nachfolger des fiktiven jüdischen Königreiches in der Antike.

Das ist nicht nur eine klassische Geschichtsfälschung, sondern zugleich eine Ideologie der Abgrenzung, Absonderung und Isolation, die sich am trefflichsten in dem immer wiederholten israelischen Selbstverständnis widerspiegelt: „Die ganze Welt ist gegen uns!“ Es wird also vorausgesetzt, dass die ganze Welt feindlich, also antisemitisch, gegen die Juden eingestellt ist. Auf die Palästinenser bezogen heißt das aber: Nur wir, die Juden, haben durch die historische Kontinuität das Recht auf das Land; die Palästinenser sind eine Bedrohung für uns, sie sind die Täter; sie sind ein demographisches Problem, deshalb müssen wir sie kontrollieren, sonst bringen sie uns um. Eine solche von Angst bestimmte Belagerungsmentalität ist eben die Folge eines gespaltenen Bewusstseins: Wir sind die Guten, die anderen sind die Bösen.

Die israelische Psychoanalytikerin Ruchama Marton geht auf die Politik der Trennung und Abschottung von den „Anderen“ ein, die von den Israelis durch den Bau der Mauer groteske und absurde Ausmaße angenommen hat. Marton sieht in dieser Mauer eine „metaphorische Blende“, deren Sinn und Funktion es ist, die „Existenz des palästinensischen Volkes insgesamt auszublenden“. Sie begründet das so: „Von einer psychologischen Warte aus ermöglicht diese Blende es den jüdischen Israelis, das Leid und die Menschlichkeit der Bewohner auf der anderen Seite zu vergessen. (...) Ein brauchbarer Ansatz, einige der psychologischen Mechanismen zu verstehen, die mit der Mauer zu tun haben, ist das Prinzip der Spaltung. Es lässt zwei Extreme zu, die Welt ist in ‚gut‘ und ‚böse‘ gespalten, ohne ein Mittleres. Spaltung ist der primitivste Abwehrmechanismus, auftretend bei übergroßer Verängstigung und einem Bedürfnis, unerträglich starke positive und negative Emotionen voneinander zu trennen.

Weiter schreibt Ruchama Marton: „Indem man sowohl die äußeren wie die inneren Aspekte des guten Selbst vom bösen Selbst abspaltet, ist es psychologisch möglich, die ungeliebten Teile des eigenen Selbst auf den ‚Anderen‘, d.h. die Palästinenser, zu übertragen. Dann kann man die projizierten Teile und Eigenschaften verachten, die ja nun dem ‚Anderen‘ angehören. Die Trennmauer wird so ausschließlich als Akt des Selbstschutzes wahrgenommen, als Schutz vor der wilden Aggression, die man mit den Palästinensern assoziiert. Die Mauer erlaubt dem zionistischen israelischen Kollektiv-Selbst, sich nicht als aggressiv, gewalttätig, grausam, Besitz ergreifend, als Verletzer von Menschenrechten zu sehen, indem alle diese Züge auf die Palästinenser jenseits der Mauer projiziert werden.“ Die Mauer ist also nicht nur eine physische Barriere, sie trennt auch – in den Augen der Israelis – das fortschrittliche, zivilisierte und demokratische Israel von den rückständigen, barbarischen und gewalttätigen Palästinensern.

Ganz deutlich wird diese Spaltung des Bewusstseins, wenn es um die Beurteilung der eigenen Geschichte geht. Lehnen sich die Palästinenser gegen die Unterdrückung und das ihnen permanent wiederfahrende Unrecht auf, wie sie das gegenwärtig tun, sind sie „Terroristen“. Schlägt Israel mit seiner mächtigen und überlegenen Armee brutal zurück, ohne die geringste Rücksicht auf Zivilisten zu nehmen, handelt es sich dabei um „angemessene Reaktionen auf Terrorismus“. Man kann dieses Vorgehen aber auch Staatsterrorismus nennen. Terrorakte von jüdischen Untergrundgruppen – der Hagana, Irgun-Etzel und Lehi – vor der Staatsgründung werden dagegen im Nachhinein als Heldentaten zur jüdischen Befreiung und Rettung glorifiziert und verklärt. Das Messen mit zweierlei Maß – man kann das auch Heuchelei nennen – ist die automatische Folge des gespalteten Bewusstseins.

Hinter einer solchen Politik steckt eine tief verwurzelte Angst vor einem offenen Diskurs über die Ereignisse von 1948. Gäbe es ihn, würde das der moralischen Legitimation des ganzen zionistischen Projekts und den Gründungsmythen des Zionismus den Boden entziehen. Die Israelis können sich deshalb dem Unrecht, das sie an den Palästinensern begangen haben und ständig weiter begehen, nicht stellen. Sie müssen es verleugnen. Dazu kommt: Würde es eine offene Debatte über das den Palästinensern zugefügte Trauma geben, müssten die Israelis anerkennen, dass sie selbst Täter und die Palästinenser die Opfer sind. Da sie sich aber selbst als die Opfer fühlen, müssten sie den eigenen Opferstatus aufgeben, das heißt, ihre Ängste und Lebenslügen überwinden, von denen der Zionismus bis heute lebt. Es ist natürlich viel leichter, alle Abwehrmechanismen zu aktivieren, die Palästinenser zu „Terroristen“ zu erklären und ihnen alle Rechte zu verweigern und an der Vergangenheit nicht zu rühren.

Dass das Motiv hinter der Verachtung der „Anderen“ ein ausgeprägter Rassismus ist, verwundert da nicht. Auch nicht, dass diese Bewusstseinsspaltung längst Apartheidstrukturen geschaffen hat, die für die Zionisten sicher nicht das Endziel sind. Denn sie haben die Vision des homogenen, „araberfreien“ jüdischen Nationalstaates. Die Nakba von 1948, bei der die Zionisten die Hälfte der palästinensischen Bevölkerung vertrieben haben, geht weiter, sie hat nie aufgehört, wie die täglichen Nachrichten aus Jerusalem und dem Westjordanland belegen. In ultrarechten zionistischen Kreisen plädiert man sogar für die vollständige und endgültige Vertreibung. Mit anderen Worten: Der Prozess, die Präsenz der Palästinenser in ihrem eigenen Land endgültig zum Verschwinden zu bringen, Judaisierung genannt, ist in vollem Gange.

Eine solche Politik ist aber mit hohen Risiken behaftet. Sie hat das zionistische Unternehmen in eine Sackgasse manövriert, aus der kein Ausweg in Sicht ist. Denn Israel hat die Bildung eines palästinensischen Staates erfolgreich verhindert. Ein solcher Staat ist wegen des Siedlungsbaus in der Westbank nicht mehr möglich. Es bleibt nur die Ein-Staaten-Lösung – denkbar nur als eine Apartheid-Diktatur, in der eine jüdische Minderheit über eine arabische Mehrheit herrscht. Oder die Bildung eines binationalen Staates, in dem Juden und Araber dieselben Rechte haben. Dieses Modell wird aber wohl niemals die Zustimmung der Mehrheit der israelischen Juden finden. Die Lage ist deshalb ziemlich hoffnungslos.

Zieht man eine Bilanz zum 73. Jubiläum Israels, dann sieht es nicht gut aus für diesen Staat. Der Zionismus hat auf Grund seiner verfehlten Politik ganz offensichtlich keine Zukunft mehr. Denn wie soll ein Staat überleben, der in seinem Herrschaftsbereich fünf Millionen Menschen einsperrt, die keinerlei politische oder bürgerliche Rechte haben? Ein Zustand, der ein Hohn auf die sogenannten westlichen Werte ist, zu denen sich auch Israel bekennt. Und der Westen selbst schweigt zu alledem, was ja wohl klammheimliche Zustimmung bedeutet.

13.05.2021

 

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