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Texte von Arn Strohmeyer

Omri Boehm ein antisemitisches Buch?
Zionistenschreiben vor, wie an Holocaust zu erinnern.
Tragödie des Zionismus
Palästinenser dürfen in Erinnerungspolitik nicht vorkommen
Genozid wäre besser gewesen
Deutsche Erinnerungspolitik ohne Palästinenser
Plädoyer Ungleichheit der Menschen
Deutschland eine Bananenrepublik?
Situation derPalaestinenser unter zionistischer Besatzung
Ist Banksy ein Antisemit?
Streit um die Kasseler Documenta
Israel ein Apartheidstaat wie Südafrika?
Streit um die Kasseler Documenta
Rezension - Abraham Melzer-  Ich bin (k)ein Antisemit!
Afghanische Sanndalentraeger besiegten USA
Gemeinsame Werte mit einem Apartheidstaat?
Der Welt droht ein neuer Kalter Krieg
Die Antideutschen
Chefs des Springer-Konzerns Mathias Döpfner
„Apeirogon“ des irischen Autors Colum McCann
Lapid - Imagpflege, neue Einsichten?
„1984“ - israelische Cyber-Software“
BDS -  Hoffnung der Palästinenser“
Das Ende einer Illusion
Kampf gegen Windmühlenflügel
Die grüne Kanzlerkandidatin
Palästina in israelischen Schulbüchern
Die Nakba soll zu Ende gebracht werden
Westliche Propaganda - Aufteilung der Welt in Gut+ Böse
Die Jerusalemer Erklärung - Antwort auf die IHRA
Werder Bremen übernimmt die IHRA-Definition
Joseph Melzer - Ich habe neun Leben gelebt.
Holocaustgedenktag 2021
Inhalt der BDS-Resolution nicht erwähnen
Bücher - Positionen zum israelbezogenen Antisemitismus
Kariere von Sawsan Chebli
Martialisches Erinnern
Das zynische Angebot
Omri Boehms - liberaler und humaner Zionismus!
Omri Bohm - Israel - eine Utopie
Darstellung des Zionismus  für Israels Politik Problem
Zionismus untergräbt Werte des Judentums
Gaza ist Überall!
Israel und das Apartheid-Südafrika
Fall Achille Mbembe kein Einzelfall
Eine deutsche Debatte im Jahr 2020
Achille Mbembe - Eigentor von Felix Klein
Was trägt Israel  zum Judenhass bei?
Antideutsche - Antisemitismus und Nahostkonflikt
Nirit Sommerfeld - Stimme des anderen Israel
Symbol für den Freiheitskampf
Krieg gegen das palästinensische Volk
Treueschwüre für einen Besatzerstaat
Zur Kriegsgefahr im Nahen Osten
Der  ideologische Blick auf Israels Geschichte
Kein Friedensstern über Bethlehem
G. Hanloser - Abgesang auf die Antideutschen
Bundesregierung will Hisbollah verbieten
Jürgen Todenhöfer - Die große Heuchelei
Spiegel - zu Israel-kritischer Positionen kein Wort
Gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“
Hungert sie aus!
Das Beispiel Dr. Dr. Marcus Ermler
Hans-Jürgen Abromeit sagt die Wahrheit
Israel zieht belastende Dokumente aus dem Verkehr
Definiert Israels Regierung was Antisemitismus ist
Der Kushner-Plan -Totgeburt
Israels Politik -  zynisch, autoritär und reaktionär
Bremen verweigert Kritik an Israel
Wahlen ohne Opposition und Alternative…
Man unterscheidet zwischen "guten" und "bösen" Juden
BDS-Aktivisten auf „Krawall“ reduziert
Israel Siedlungen auf dem Mond?
Die Mauer als Symbol des Scheiterns
Wider den Mainstream
Triumph des moralischen Nihilismus
Mythos - Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern
Frieden auf Erden“ –  nicht in Palästina
Zensur der evangelischen Kirche
Lehrer nach Yad Vashem
Evangelische Kirche und Israels Unrechtspolitik
Hysterie bis zur Paranoia
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Bremer Innensenator Mäurer hat Recht
Die „Israelisierung der Welt“
Trumps "Deal" Verrat an Palästina
Wikipedia ist der Manipulation überführt
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Juden und Muslime in Auschwitz
Israels Sanktionen - Iran
Zum Tod von Felicia Langer
„WerteInitiative“  - Schlag gegen Bettina Marx
Stopp gegen Antisemitismus-Hysterie
Palästina - Realität wird zum Tabu
Tom Segevs Ben Gurion-Biographie
Deutschland, Israel + der Antisemitismus:
Präsident Abbas‘ missverständliche Rede
Unterstützung Arbeit Antisemitismus-Beauftragten
Die inszenierte Hysterie
Entstehung Israels als Heldenepos
70 Jahre Israel – 70 Jahre Siedlerkolonialismus
Skandalöse Geschichtsklitterung
Heiko Maas  in Israel
Was für ein Staat!
Heiko Maas - Kniefall nach Israel
Meinungsfreiheit für Palästinenser in Bremen
Rolf Verleger - Hundert Jahre Heimat_Land
Israel hat den Frieden nie gewollt.
Weihnachten 2017
Gefängnisstrafen und Sippenhaft
Nimmt der Antisemitismus zu?
Stramm hinter Trump
Hermann Kuhn demonstriert  Nichtwissen
Deutsche Kampfflieger über Israel
„Sie weichen den wirklichen Problemen aus“
Rezension - Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher
Rezension - Abraham Melzer: Mit Feuer und Blut
Die kopernikanische Wende
Martin Schulz Kotau vor der Israel-Lobby
„1984“ auf israelisch
Rückfall in die Vormoderne
Michael Wolffsohn hat sich disqualifiziert
Rezension - M. Peled - Der Sohn des Generals
Analysen des antizionistischen Isaac Deutscher
Film - Der Hass auf Juden in Europa
14. Dokumenta - Ahlam Shibli
Michael Lüders Buch „Die den Sturm ernten“
Jenseits aller Wirklichkeit
„Im Gefängnis, weil  Palästinenser“
Das Lehrbeispiel BDS
DIG Aufruf gegen Kritiker
Broder - BDS + die Endlösung
Zwischen „Lügen- “ und „Lückenpresse“
Frieden auf Erden... nicht im Heiligen Land
Ist Deutschland eine Bananenrepublik?
Hat Jakob Augstein der Mut verlassen?
Israel-Berichterstattung - doppelte Standards
Propaganda-Lügen gegen den Frieden
Antisemitismus – „Missverständnis der Geschichte“?
Wann ist Kritik an Israels antisemitisch
Die Lobby schlägt zu
Geheimsache Heron TP
Claude Lanzmann -  Palästina-Konflikt
Die Israel-Lobby und die HAWK
Ein Humanist?
„Die Hamas ist an allem schuld“
Ein Krieger und Verächter des Völkerrechts
Proteste und Demonstrationen nicht Antisemitisch
Der Streit um Israels „Existenzrecht“
„Journalismus“ á la Benjamin Weinthal
„Methodisch betriebener Wahnsinn“
Dank an Benjamin Weinthal
Albert Einstein muß als Zeuge herhalten
Wenn Weinthal wieder einmal zuschlägt ...
Rezension von  Kurt O. Wyss
Noch mehr Israel-Kritiker geschafft
Interview mit Abdallah Frangi
Benjamin Weinthal verhindert Vortrag Arn Strohmeyer
„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?
Ein Weihnachtswunsch
Abraham Melzers Buch „Israel vor Gericht“
Rezension - Petra Wild: Die Krise des Zionismus
Gipfel der Absurdität
Daniel Killy diffamierte seinen früheren Arbeitgeber
Rezension - Die Hölle von Gaza - Spiewak
Rote Karte für Israel!
Der Antisemitismus-Vorwurf als Rufmord
Ist Israel ein verrückter Staat?
„Oslo war ein Kapitulationsabkommen“
Rezension - Ilan Pappe -  „Die Idee Israel"
Wenn eine Jüdin den Zionismus kritisiert...
Leseprobe 3 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 2 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 1 - Antisemitismus – Philosemitismus
Inhalt - Antisemitismus – Philosemitismus
Buch - Antisemitismus – Philosemitismus
Kontrolle über Israels Atomwaffen?
Rezension - Sven Severin: Shalom ist nicht Frieden.
Werte der USA und Europas Doppelmoral
Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba
Rezension - Israel – Im permanenten Kriegszustand
Zwischen Doppelmoral und Lebenslügen
Die Herren über Leben und Tod
Dauerbrenner Antisemitismus
Weglassen, vertuschen und manipulieren
Napoleoni - Die Rückkehr des Kalifats.
Presseboykott gegen  Nakba-Ausstellung Bremen?
Der Streit um die historische Wahrheit
Am besten das Völkerrecht abschaffen.
Anschläge Paris - Stunde der Heuchler
Die Legenden von den vertriebenen Juden
Linkspartei und die Verletzer der Völkerrechte
Für Israel Frieden unmöglich.
Zionismus vor seinem historischen Ende?
Antisemitismus-Gefahr als politische Waffe
Eine genau kalkulierte Kampagne
„Ein Massaker schlimmsten Ausmaßes!“
Dieter Graumann und die westlichen Werte
Willkommener Anlass
Die EU als zahnloser Papiertiger
Antisemiten überall
Uri Avnery relativiert die Nakba
H. Baumgarten - Kampf um Palästina
Ein bedeutender Schritt zur Versöhnung
Bremer Evangelische Kirche -  Frieden Nah Ost
„Warum provoziert Ihr Israel immer so?“
Interview mit  Reuven Moskowitz
Israels große Propagandainszenierung
Unkritische Unterstützung Israels.
Tumulte in der Knesset
Rezension - Israel kontrovers
Ariel Sharons brutale Gewaltpolitik
Neuerscheinung Ilan Pappes Buch?
Ilan Pappe - „Eethnische Säuberung Palästinas
Schweigen der Christen im Nahen Osten
Feldmans Film „The Lab“
Mythos - Vertreibung der Juden
Rezension - Viktoria Waltz -  „Monopoly“
Shlomo Sand - Ich steige aus.
Palästinenser Testpersonen für Rüstungsindustrie
Israel steht unter Verdacht
Rezension - Buch Ekkehart Drost
3. Israelkongress in Berlin
Die Angst vor der Wahrheit
Was kommt nach dem Zionismus?
Führt Obama Israels Krieg?
Haben nur Palästinenser „Blut an den Händen“?
Ein Bantustan-Staat für die Palästinenser?
Zionismus + arabischer Antisemitismus
Ethnische Säuberungen
Juden unerwünscht?
Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen!“
Nachruf auf Stéphane Hessel
Streit um Augsteins „Antisemitismus“ geht weiter
Zerstört Israel sich selbst?
Broders taktischer Rückzieher
Solidarität mit Jakob Augstein!
Sollen Patriot-Raketen Israel schützen?
Von der Macht der Denunzianten
Rezension Rudolph Bauer - Wer rettet Israel
Netanjau in Berlin zum völlig falschen Zeitpunkt
Mit der UNO auf Kriegsfuß
Generalangriff auf die Mythen des Zionismus
Gaza - Schweigen die Waffen?
"Sicht der Armee  kein ethisches Problem“
Erwiderung auf Charlotte Knobloch
Atmosphäre der Angst
Keine Chance für die Vernunft?
These vom Mord an Arafat
„Hier wird Israel pauschal diffamiert“
D. Barenboim:„Nur ein Psychiater kann  helfen!“
In Nibelungentreue an Israels Seite?
Merkels abenteuerlicher Kriegskurs
Der Dichter, Israel und die Denkverbote
Genug der Heuchelei! - Günther Grass
Auf Mythen keinen Frieden aufbauen
Brief an Ralph Giordano
Ilan Pappe -  Wissenschaft als Herrschaftsdienst
Nazi-Analogien in Israel
Interview mit Abdallah Frangi
Abdallah Frangi - Der Gesandte
Israeltag 2011 - Bremer Schulen
Ein Akt historischer Gerechtigkeit
Israel-Propaganda an deutschen Schulen ?
„Boykott ist eine absolute Notwendigkeit“
Rezension - Finkelstein „Israels Invasion in Gaza“
Die Partei „Die Linke“ + das Existenzrechts Israels
„Wir wollen die ganze Region befreien“
Ergänzung - Brief Bürgermeister Jens Böhrnsen
Offener Brief - Bürgermeister Jens Böhrnsen
Helmut Schmidt + R. von Weizsäcker Antisemiten?
Sind Boykottaktionen antisemitisch?
Boykott gegen Früchte aus Israel
Stéphane Hessel - Empört Euch!
Todenhöfer - Warum tötest Du, Zaid?
Arabische Aufstände düpieren den Westen + Israel
Verzweifeln an Israel
In der Falle der Stammesideologie
Wer glaubt an Friedensbotschaften
Kotau vor Merkels Nahost-Politik
Wie man Antisemiten produziert
Im Gleichschritt mit Israel?
Was ist Antisemitismus
Gibt es  "neuen" Antisemitismus? - Klug Brian
Was sind "jüdische Gene"? - Thilo Sarrazin
Zionistischer Angriff auf Wikipedia
Moshe Zimmermann: Angst vor Frieden
Verwirrung der Begriffe?
Offener Brief  Weser-Kurier-Artikel - 16. 06. 2010
Iris Hefets gewann Prozess gegen Lala Süsskind
Mordaktion nach Piratenmanier
Israel will keinen Frieden
Solidarität mit Iris Hefets!
Sieg der Spermien und Gebärmütter
Hajo Meyer - Radikale Kritik am Zionismus
Interview mit Norman G. Finkelstein
Gespräch mit Yehuda Shaul
Interview mit Yahav Zohar
Broder - Aufklärung + Untergang
„Israel streut der Welt Sand in die Augen“
„Hitler besiegen“
Interview mit Moshe Zuckermann
Bethlehem 2008
Volk ohne Hoffnung
Brief Präsidium J. G. Bremen
Interview Felicia Langer

 


 

Die Palästinenser dürfen in der deutschen Erinnerungspolitik nicht vorkommen

Anmerkungen zu Charlotte Widemanns Buch Den Schmerz der Anderen begreifen. Holocaust und Weltgedächtnis

Arn Strohmeyer

Die deutsche Erinnerungskultur ist ins Gerede gekommen und bedarf einer dringenden Korrektur. Die Publizistin Charlotte Wiedemann hat ein wichtiges Buch zum Thema geschrieben, das aufzeigt, in welche Richtung das Gedenken – vor allem an die Opfer des Holocaust, aber auch die des Kolonialismus – nehmen muss, wenn es nicht in Routine und dem „Nachsprechen einschlägiger Floskeln“ erstarren soll. Das gilt vor allem für die staatliche Erinnerungspolitik, der als Preis ihres Erfolges – denkt man etwa an das gemeinsame Gedenken mit Israel – eine „erstickende Umarmung“ drohe.

Die Autorin treibt vor allem die Frage um, warum es so schwer ist, den „Schmerz der Anderen zu begreifen“ – so auch der Titel des Buches. In Deutschland steht das Gedenken an den Holocaust mit Staatsräson-Charakter im Zentrum der Erinnerungskultur, was aber zugleich die automatische Abwertung anderer Leiden bedeutet. Die weitgereiste Autorin hat in vielen Ländern der Welt festgestellt, dass dort aus ganz verschiedenen Perspektiven auf die Vernichtung der europäischen Juden durch die Nazis geblickt wird und damit auch auf Israel. Das gilt etwa für die früher von europäischen Mächten kolonisierten Staaten Afrikas und Asiens, in denen die Sicht auf die eigenen Leiden im Vordergrund steht und nicht der Holocaust.

Die Autorin führt viele Beispiele für diesen Tatbestand an: Algerien, China, Indonesien, Kambodscha und Malaysia und Südafrika, geht aber auch ausführlich auf die Sklaverei und die rassistische Behandlung der Schwarzen in den USA ein. Auf die Frage, warum es eine Spaltung der Empathie den Leidenden gegenüber gibt, zieht die Autorin eine psychologische Erklärung heran: Empathie kann nur stattfinden, wenn eine minimale kulturelle Ähnlichkeit oder Gleichartigkeit mit den Opfern empfunden werden kann. Mit den jüdischen Opfern des Holocaust ist so gesehen eine Empathie möglich, kaum aber mit den Sinti und Roma, deren Volk im Holocaust auch furchtbare Verluste hinnehmen musste – über die Hälfte seines Bestandes.

Ein gutes Beispiel für Empathie sind auch die großen Sympathien für die durch Putins Krieg bedrängten Ukrainer, die aus der europäischen Kultur kommen: christlich, weiß und zumeist blauäugig, ganz im Gegenteil zu den durch Israels brutale Politik genauso bedrängten Palästinensern, für die sich nur wenige Menschen engagieren. Die Nicht-Empathie gilt auch für die millionenfachen Opfer des Kolonialismus, sodass man von einer Hierarchie der Empathiervergabe sprechen kann: Große Anteilnahme für die Einen, Nichtbeachtung und Vergessen der Anderen.

Wenn das so ist, gelten offenbar nur jüdische Opfer als gleichwertig, denen gegenüber man Schuld empfinden kann, nicht aber gegenüber Sinti und Roma, Schwarzen sowie Arabern. Die Autorin merkt dazu an: „Richtungen, in die Empathie fließen kann, werden eingeübt, und es gibt andere Richtungen, wo der Fluss blockiert ist und sich allenfalls Rinnsale den Weg suchen.“ Die amerikanische Philosophin Judith Butler hat für Menschen, denen keine Empathie entgegengebracht wird, den Begriff der Betrauerbarkeit eingeführt. Ein Leben, das nicht betrauert wird, hat so gesehen quasi nie existiert, hat als Leben nie wirklich gezählt. Menschen dieser Kategorie führen ein fragliches, fragwürdiges von Beginn an prekäres Leben: als hätten sie nie existiert, und keine Lobby setzt sich für sie ein. Diesen Menschen wird von ihren Unterdrückern bzw. Kolonisten sogar ihr historische Gedächtnis genommen, sie werden aus ihrer eignen Geschichte sozusagen exiliert.

Genau das macht Israel mit den Palästinensern. Der zionistische Staat versucht, sie aus der Gemeinschaft der Menschen herauszudrängen, ihnen ihre Identität zu nehmen, ihr historisches Gedächtnis zu zerstören. Alles, um den homogenen jüdischen Staat auf dem Land Erez Israel durchzusetzen, auf dem es möglichst keine Anderen (eben Palästinenser) mehr geben soll. Dieses Volk, das nichts mit dem Holocaust zu tun hatte, hat durch den Verlust seines Landes und seiner Kultur den höchsten Preis für dieses von Europäern verübte Verbrechen gezahlt. Und seine Leiden unter der gewaltsamen israelischen Herrschaft dauern weiter an. Deshalb fällt es den Palästinensern schwer, Empathie für die jüdischen Leiden – etwa im Holocaust erlittene – aufzubringen. Sie dürfen nicht einmal das Narrativ ihrer Leiden in Israel oder Deutschland vorbringen. Die Zionisten haben es mit ihrer Propaganda (Hasbara) geschafft, dass alles Palästinensische mit „antisemitisch“ gleichgesetzt wird.

Die Autorin nennt die den zionistischen Staat betreffenden Fakten – Vertreibung, Besatzung, Unterdrückung, Landraub, Segregation, eben Apartheid – sehr deutlich beim Namen. Und sie kritisiert auch sehr scharf die deutsche Erinnerungspolitik, die eng mit der Akzeptanz von Israels Politik zusammenhängt: „In der offiziellen Erinnerungskultur gibt es für diese Biografien [von palästinensischen Flüchtlingen vor den Zionisten] keinen Ort, solange Deutschland für die israelische Staatsgründung ein Passepartout benutzt, in dem nur die Shoa Platz hat. Die Vertreibung der Palästinenser ist ein historischer Kollateralschaden, außerhalb unserer Zuständigkeit, jenseits unseres Mitgefühls. Logisch ist das nicht: Gerade wenn der Holocaust als die alles andere überschattende Ursache der Staatsgründung betrachtet wird, wäre die Nakba [die Vertreibung der Palästinenser durch die Zionisten 1948] auch ein Teil unserer Geschichte, Teil einer gemeinsamen Geschichte. Doch steht dagegen ein Bedürfnis, das erstaunlicherweise mit der Zeit eher größer wird als kleiner: nämlich das Verhältnis zu Israel als exklusive Zweierbeziehung zu sehen, als ein deutsch-jüdisches Wunder der Versöhnung.“

Diese sehr berechtigte Kritik am deutschen Gedenken ordnet sich in das Gesamtkonzept des Buches ein: Immer wieder betont die Autorin ihr Ziel: einen Beitrag zu leisten zu einer pluralen Erinnerungskultur, die keine Hierarchien der Leiden kennt, also ein „Plädoyer für die prinzipielle Gleichrangigkeit“ historischer Leiderfahrungen und für ein an Inklusion und Solidarität orientiertes Weltgedächtnis, wobei die Autorin die zentrale Stellung des Holocaust gar nicht aufgehoben wissen will.

Das ist human gedacht und entspricht Bestrebungen von Historikern in anderen Staaten. Die Autorin leuchtet aber den Hintergrund gerade des offiziellen Holocaust-Erinnerns nicht vollständig aus. Denn Israel hat ein sehr spezielles Verhältnis zu dem Genozid an den europäischen Juden: Es hat ihn von Anfang an für seine politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zwecke instrumentalisiert. Schon die Toten des Holocaust mussten sich, obwohl sie keineswegs alle Zionisten waren, gefallen lassen, als die eigentlichen Begründer des Staates Israel angesehen zu werden. Der Staat hatte und hat also Vorrang vor dem Holocaust, der Holocaust ist also lediglich Mittel zum Zweck, um Vorteile jeder Art daraus zu ziehen. Selbst die brutale Politik gegenüber den Palästinensern wird mit dem Holocaust gerechtfertigt. („Wir haben den Holocaust durchgemacht, uns ist deshalb alles erlaubt!“) Das ist keine böse antisemitische Kritik an der Politik dieses Staates von außen, sondern ist nachzulesen bei israelischen Autoren wie Abraham Burg, Yehuda Elkana, Gideon Levy, Ilan Pappe, Shlomo Sand, Tom Segev, Avi Shlaim und anderen.

Erinnern an den Holocaust ist nur dann authentisch, wenn es zweck- und absichtsfrei, also keine instrumentalisierenden Ziele verfolgt. Moshe Zuckermann hat es so definiert: „Erinnerung kann nur dann als legitim bezeichnet werden, wenn sie Opfer im Stande ihres Opfer-Seins und die Täter im Stande ihres Täter-Seins erinnert. Das bedeutet aber, jene historischen Zusammenhänge zu ergründen, welche Menschen letztlich Täter bzw. Opfer hat werden lassen.“ Genau das ist das israelische Gedenken aber nicht, weil es immer zweckgebunden, nationalistisch-zionistisch, also partikularistisch und eben nicht universalistisch ist, d.h. eben nicht die Opfer aller Genozide mit einbezieht.

Auf der Basis der äußerst engen deutsch-israelischen politischen Verflechtung, die deutscherseits auf der Vorstellung beruht, durch die totale Identifizierung mit Israel Erlösung von der durch den Holocaust verursachten Schuld zu erlangen, hat das deutsche Erinnern genau die Parameter des zionistischen Erinnerns übernommen und zu einem Staatsdogma erhoben.

Der deutsch-jüdische Publizist Alfred Grosser hat einmal geschrieben, man dürfe Auschwitz nur gedenken, wenn man gleichzeitig für die Gleichheit aller Menschen überall auf der Welt eintrete. Das ist die zwingende Konsequenz aus dem Holocaust, die Israel mit seiner rassistischen Verachtung und Unterdrückung der Palästinenser aber in keiner Weise erfüllt. Deshalb ist das zionistische Erinnern an den Holocaust so fragwürdig – und das deutsche Gedenken ebenso, weil es mit dem zionistischen völlig identisch ist. Die offizielle deutsche Erinnerungspolitik mit ihrem Festhalten an der Einzigartigkeit dieses Mega-Verbrechens ist das Fundament der deutschen Politik, aber sie ist wegen des völligen Ausschlusses der Palästinenser mit ihren völkerrechtlich abgesicherten Ansprüchen auf Freiheit und Selbstbestimmung genauso partikularistisch wie die zionistische, auch wenn sie behauptet, universalistisch zu sein.

Da die deutsche Politik alle völkerrechts- und menschenrechtswidrigen Verbrechen Israels mitträgt, ist auch ihr Holocaust-Gedenken in eine tiefe Krise geraten. Der israelische Historiker Ilan Pappe merkte kürzlich an, dass Deutschland so gut wie alle internationalen Verträge unterzeichnet habe, die es zur Einhaltung von Völkerrecht und Menschenrechten verpflichte, durch die enge symbiotische Allianz mit Israel sei es mit seiner Nahostpolitik aber immer tiefer auf den abschüssigen Weg des moralischen Verfalls auf die falsche Seite der Geschichte gerutscht. Für das deutsche Holocaust-Gedenken hat das fatale Folgen: Es ist keine freie Erinnerung auf dem Feld der Kultur, sondern ein Erinnerungsdiktat, das mit der Macht des Staates durchgesetzt wird (Norman Paech). Widerspruch und Abweichungen vom Dogma werden inquisitorisch als „antisemitisch“ stigmatisiert. Damit wird der politischen Kultur in Deutschland (Stichworte: Meinungs-, Informations-, Versammlungs- und Kunstfreiheit) schwerer Schaden zugefügt und dem wirklichen Kampf gegen den Antisemitismus ein Bärendienst erwiesen.

Charlotte Wiedemann spricht diese desaströse Entwicklung so nicht an, sie glaubt aber daran, dass Deutsche zu beidem fähig sein könnten: zur Pflege einer Erinnerungskultur über den Holocaust, die die Palästinenser miteinbezieht, und gleichzeitig zu einer kritischen Haltung gegenüber Handlungen Israels findet. Das setzt aber voraus, muss man hinzufügen, dass die deutsche Politik sich von ihrem Erinnerungsdogma befreit, was auch eine eigenständige, souveräne Politik gegenüber dem zionistischen Siedlerstaat voraussetzt. Bisher gibt es aber für eine solche Entwicklung keinerlei Anzeichen.

Trotz dieser Kritik soll das Buch von Charlotte Widemann in keiner Weise abgewertet werden. Es arbeitet klar und unmissverständlich die Defizite der westlichen und speziell der deutschen Erinnerungskultur heraus und zeigt dem Titel entsprechende Wege auf, wie wir den Schmerz der Anderen [besser] begreifen können. Eine humanere Welt kann es ohne ein Mehr an Empathie nicht geben. Ihr Buch ist ein wichtiger Beitrag dazu, uns an dieses unumstößliche Faktum zu erinnern und uns für die Schaffung eines globalen Zustandes einzusetzen, der heute noch eine Utopie ist, von dessen Realisierung aber ganz wesentlich die globale Zukunft abhängt.

 

 

 

 

 

Charlotte Wiedemann

Den Schmerz der Anderen begreifen.

Holocaust und Weltgedächtnis.

 Propyläen Verlag, Berlin, ISBN 978-3-549-10049-3, 22 Euro

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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