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Texte von Arn Strohmeyer

Plädoyer Ungleichheit der Menschen
Deutschland eine Bananenrepublik?
Situation derPalaestinenser unter zionistischer Besatzung
Ist Banksy ein Antisemit?
Streit um die Kasseler Documenta
Israel ein Apartheidstaat wie Südafrika?
Streit um die Kasseler Documenta
Rezension - Abraham Melzer-  Ich bin (k)ein Antisemit!
Afghanische Sanndalentraeger besiegten USA
Gemeinsame Werte mit einem Apartheidstaat?
Der Welt droht ein neuer Kalter Krieg
Die Antideutschen
Chefs des Springer-Konzerns Mathias Döpfner
„Apeirogon“ des irischen Autors Colum McCann
Lapid - Imagpflege, neue Einsichten?
„1984“ - israelische Cyber-Software“
BDS -  Hoffnung der Palästinenser“
Das Ende einer Illusion
Kampf gegen Windmühlenflügel
Die grüne Kanzlerkandidatin
Palästina in israelischen Schulbüchern
Die Nakba soll zu Ende gebracht werden
Westliche Propaganda - Aufteilung der Welt in Gut+ Böse
Die Jerusalemer Erklärung - Antwort auf die IHRA
Werder Bremen übernimmt die IHRA-Definition
Joseph Melzer - Ich habe neun Leben gelebt.
Holocaustgedenktag 2021
Inhalt der BDS-Resolution nicht erwähnen
Bücher - Positionen zum israelbezogenen Antisemitismus
Kariere von Sawsan Chebli
Martialisches Erinnern
Das zynische Angebot
Omri Boehms - liberaler und humaner Zionismus!
Omri Bohm - Israel - eine Utopie
Darstellung des Zionismus  für Israels Politik Problem
Zionismus untergräbt Werte des Judentums
Gaza ist Überall!
Israel und das Apartheid-Südafrika
Fall Achille Mbembe kein Einzelfall
Eine deutsche Debatte im Jahr 2020
Achille Mbembe - Eigentor von Felix Klein
Was trägt Israel  zum Judenhass bei?
Antideutsche - Antisemitismus und Nahostkonflikt
Nirit Sommerfeld - Stimme des anderen Israel
Symbol für den Freiheitskampf
Krieg gegen das palästinensische Volk
Treueschwüre für einen Besatzerstaat
Zur Kriegsgefahr im Nahen Osten
Der  ideologische Blick auf Israels Geschichte
Kein Friedensstern über Bethlehem
G. Hanloser - Abgesang auf die Antideutschen
Bundesregierung will Hisbollah verbieten
Jürgen Todenhöfer - Die große Heuchelei
Spiegel - zu Israel-kritischer Positionen kein Wort
Gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“
Hungert sie aus!
Das Beispiel Dr. Dr. Marcus Ermler
Hans-Jürgen Abromeit sagt die Wahrheit
Israel zieht belastende Dokumente aus dem Verkehr
Definiert Israels Regierung was Antisemitismus ist
Der Kushner-Plan -Totgeburt
Israels Politik -  zynisch, autoritär und reaktionär
Bremen verweigert Kritik an Israel
Wahlen ohne Opposition und Alternative…
Man unterscheidet zwischen "guten" und "bösen" Juden
BDS-Aktivisten auf „Krawall“ reduziert
Israel Siedlungen auf dem Mond?
Die Mauer als Symbol des Scheiterns
Wider den Mainstream
Triumph des moralischen Nihilismus
Mythos - Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern
Frieden auf Erden“ –  nicht in Palästina
Zensur der evangelischen Kirche
Lehrer nach Yad Vashem
Evangelische Kirche und Israels Unrechtspolitik
Hysterie bis zur Paranoia
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Bremer Innensenator Mäurer hat Recht
Die „Israelisierung der Welt“
Trumps "Deal" Verrat an Palästina
Wikipedia ist der Manipulation überführt
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Juden und Muslime in Auschwitz
Israels Sanktionen - Iran
Zum Tod von Felicia Langer
„WerteInitiative“  - Schlag gegen Bettina Marx
Stopp gegen Antisemitismus-Hysterie
Palästina - Realität wird zum Tabu
Tom Segevs Ben Gurion-Biographie
Deutschland, Israel + der Antisemitismus:
Präsident Abbas‘ missverständliche Rede
Unterstützung Arbeit Antisemitismus-Beauftragten
Die inszenierte Hysterie
Entstehung Israels als Heldenepos
70 Jahre Israel – 70 Jahre Siedlerkolonialismus
Skandalöse Geschichtsklitterung
Heiko Maas  in Israel
Was für ein Staat!
Heiko Maas - Kniefall nach Israel
Meinungsfreiheit für Palästinenser in Bremen
Rolf Verleger - Hundert Jahre Heimat_Land
Israel hat den Frieden nie gewollt.
Weihnachten 2017
Gefängnisstrafen und Sippenhaft
Nimmt der Antisemitismus zu?
Stramm hinter Trump
Hermann Kuhn demonstriert  Nichtwissen
Deutsche Kampfflieger über Israel
„Sie weichen den wirklichen Problemen aus“
Rezension - Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher
Rezension - Abraham Melzer: Mit Feuer und Blut
Die kopernikanische Wende
Martin Schulz Kotau vor der Israel-Lobby
„1984“ auf israelisch
Rückfall in die Vormoderne
Michael Wolffsohn hat sich disqualifiziert
Rezension - M. Peled - Der Sohn des Generals
Analysen des antizionistischen Isaac Deutscher
Film - Der Hass auf Juden in Europa
14. Dokumenta - Ahlam Shibli
Michael Lüders Buch „Die den Sturm ernten“
Jenseits aller Wirklichkeit
„Im Gefängnis, weil  Palästinenser“
Das Lehrbeispiel BDS
DIG Aufruf gegen Kritiker
Broder - BDS + die Endlösung
Zwischen „Lügen- “ und „Lückenpresse“
Frieden auf Erden... nicht im Heiligen Land
Ist Deutschland eine Bananenrepublik?
Hat Jakob Augstein der Mut verlassen?
Israel-Berichterstattung - doppelte Standards
Propaganda-Lügen gegen den Frieden
Antisemitismus – „Missverständnis der Geschichte“?
Wann ist Kritik an Israels antisemitisch
Die Lobby schlägt zu
Geheimsache Heron TP
Claude Lanzmann -  Palästina-Konflikt
Die Israel-Lobby und die HAWK
Ein Humanist?
„Die Hamas ist an allem schuld“
Ein Krieger und Verächter des Völkerrechts
Proteste und Demonstrationen nicht Antisemitisch
Der Streit um Israels „Existenzrecht“
„Journalismus“ á la Benjamin Weinthal
„Methodisch betriebener Wahnsinn“
Dank an Benjamin Weinthal
Albert Einstein muß als Zeuge herhalten
Wenn Weinthal wieder einmal zuschlägt ...
Rezension von  Kurt O. Wyss
Noch mehr Israel-Kritiker geschafft
Interview mit Abdallah Frangi
Benjamin Weinthal verhindert Vortrag Arn Strohmeyer
„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?
Ein Weihnachtswunsch
Abraham Melzers Buch „Israel vor Gericht“
Rezension - Petra Wild: Die Krise des Zionismus
Gipfel der Absurdität
Daniel Killy diffamierte seinen früheren Arbeitgeber
Rezension - Die Hölle von Gaza - Spiewak
Rote Karte für Israel!
Der Antisemitismus-Vorwurf als Rufmord
Ist Israel ein verrückter Staat?
„Oslo war ein Kapitulationsabkommen“
Rezension - Ilan Pappe -  „Die Idee Israel"
Wenn eine Jüdin den Zionismus kritisiert...
Leseprobe 3 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 2 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 1 - Antisemitismus – Philosemitismus
Inhalt - Antisemitismus – Philosemitismus
Buch - Antisemitismus – Philosemitismus
Kontrolle über Israels Atomwaffen?
Rezension - Sven Severin: Shalom ist nicht Frieden.
Werte der USA und Europas Doppelmoral
Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba
Rezension - Israel – Im permanenten Kriegszustand
Zwischen Doppelmoral und Lebenslügen
Die Herren über Leben und Tod
Dauerbrenner Antisemitismus
Weglassen, vertuschen und manipulieren
Napoleoni - Die Rückkehr des Kalifats.
Presseboykott gegen  Nakba-Ausstellung Bremen?
Der Streit um die historische Wahrheit
Am besten das Völkerrecht abschaffen.
Anschläge Paris - Stunde der Heuchler
Die Legenden von den vertriebenen Juden
Linkspartei und die Verletzer der Völkerrechte
Für Israel Frieden unmöglich.
Zionismus vor seinem historischen Ende?
Antisemitismus-Gefahr als politische Waffe
Eine genau kalkulierte Kampagne
„Ein Massaker schlimmsten Ausmaßes!“
Dieter Graumann und die westlichen Werte
Willkommener Anlass
Die EU als zahnloser Papiertiger
Antisemiten überall
Uri Avnery relativiert die Nakba
H. Baumgarten - Kampf um Palästina
Ein bedeutender Schritt zur Versöhnung
Bremer Evangelische Kirche -  Frieden Nah Ost
„Warum provoziert Ihr Israel immer so?“
Interview mit  Reuven Moskowitz
Israels große Propagandainszenierung
Unkritische Unterstützung Israels.
Tumulte in der Knesset
Rezension - Israel kontrovers
Ariel Sharons brutale Gewaltpolitik
Neuerscheinung Ilan Pappes Buch?
Ilan Pappe - „Eethnische Säuberung Palästinas
Schweigen der Christen im Nahen Osten
Feldmans Film „The Lab“
Mythos - Vertreibung der Juden
Rezension - Viktoria Waltz -  „Monopoly“
Shlomo Sand - Ich steige aus.
Palästinenser Testpersonen für Rüstungsindustrie
Israel steht unter Verdacht
Rezension - Buch Ekkehart Drost
3. Israelkongress in Berlin
Die Angst vor der Wahrheit
Was kommt nach dem Zionismus?
Führt Obama Israels Krieg?
Haben nur Palästinenser „Blut an den Händen“?
Ein Bantustan-Staat für die Palästinenser?
Zionismus + arabischer Antisemitismus
Ethnische Säuberungen
Juden unerwünscht?
Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen!“
Nachruf auf Stéphane Hessel
Streit um Augsteins „Antisemitismus“ geht weiter
Zerstört Israel sich selbst?
Broders taktischer Rückzieher
Solidarität mit Jakob Augstein!
Sollen Patriot-Raketen Israel schützen?
Von der Macht der Denunzianten
Rezension Rudolph Bauer - Wer rettet Israel
Netanjau in Berlin zum völlig falschen Zeitpunkt
Mit der UNO auf Kriegsfuß
Generalangriff auf die Mythen des Zionismus
Gaza - Schweigen die Waffen?
"Sicht der Armee  kein ethisches Problem“
Erwiderung auf Charlotte Knobloch
Atmosphäre der Angst
Keine Chance für die Vernunft?
These vom Mord an Arafat
„Hier wird Israel pauschal diffamiert“
D. Barenboim:„Nur ein Psychiater kann  helfen!“
In Nibelungentreue an Israels Seite?
Merkels abenteuerlicher Kriegskurs
Der Dichter, Israel und die Denkverbote
Genug der Heuchelei! - Günther Grass
Auf Mythen keinen Frieden aufbauen
Brief an Ralph Giordano
Ilan Pappe -  Wissenschaft als Herrschaftsdienst
Nazi-Analogien in Israel
Interview mit Abdallah Frangi
Abdallah Frangi - Der Gesandte
Israeltag 2011 - Bremer Schulen
Ein Akt historischer Gerechtigkeit
Israel-Propaganda an deutschen Schulen ?
„Boykott ist eine absolute Notwendigkeit“
Rezension - Finkelstein „Israels Invasion in Gaza“
Die Partei „Die Linke“ + das Existenzrechts Israels
„Wir wollen die ganze Region befreien“
Ergänzung - Brief Bürgermeister Jens Böhrnsen
Offener Brief - Bürgermeister Jens Böhrnsen
Helmut Schmidt + R. von Weizsäcker Antisemiten?
Sind Boykottaktionen antisemitisch?
Boykott gegen Früchte aus Israel
Stéphane Hessel - Empört Euch!
Todenhöfer - Warum tötest Du, Zaid?
Arabische Aufstände düpieren den Westen + Israel
Verzweifeln an Israel
In der Falle der Stammesideologie
Wer glaubt an Friedensbotschaften
Kotau vor Merkels Nahost-Politik
Wie man Antisemiten produziert
Im Gleichschritt mit Israel?
Was ist Antisemitismus
Gibt es  "neuen" Antisemitismus? - Klug Brian
Was sind "jüdische Gene"? - Thilo Sarrazin
Zionistischer Angriff auf Wikipedia
Moshe Zimmermann: Angst vor Frieden
Verwirrung der Begriffe?
Offener Brief  Weser-Kurier-Artikel - 16. 06. 2010
Iris Hefets gewann Prozess gegen Lala Süsskind
Mordaktion nach Piratenmanier
Israel will keinen Frieden
Solidarität mit Iris Hefets!
Sieg der Spermien und Gebärmütter
Hajo Meyer - Radikale Kritik am Zionismus
Interview mit Norman G. Finkelstein
Gespräch mit Yehuda Shaul
Interview mit Yahav Zohar
Broder - Aufklärung + Untergang
„Israel streut der Welt Sand in die Augen“
„Hitler besiegen“
Interview mit Moshe Zuckermann
Bethlehem 2008
Volk ohne Hoffnung
Brief Präsidium J. G. Bremen
Interview Felicia Langer

 

TRANSLATE

 

„Der Westen bekämpft den islamischen Terror, den er selbst geschaffen hat“

Zur Aktualität von Jürgen Todenhöfers Buch „Warum tötest Du, Zaid?“
(Jürgen Todenhöfer: Warum tötest Du, Zaid?, Bertelsmann-Verlag 2008, 19,95 Euro)

Von Arn Strohmeyer

 

Ich muss gestehen, dass ich das Erscheinen dieses wichtigen Buches schlicht verpasst oder verschlafen habe, es ist irgendwie an mir vorbeigegangen. Das mag an seinem Verfasser liegen: Todenhöfer war mir als arroganter Jung-Karrierist der CDU im Deutschen Bundestag in Erinnerung. Und als Medien-Manager des Burda-Konzerns („Bunte Illustrierte“) war er mir auch nicht gerade sympathisch, meine Vorurteile behielten die Oberhand. Aber irgendwann und irgendwo muss der Mann ein Bekehrungserlebnis gehabt haben: aus diesem Juppi-CDU-Saulus ist ein überzeugender Menschenrechts-Paulus geworden. Ich muss da Abbitte leisten. Todenhöfer hat mit „Warum tötest Du, Zaid?“ ein äußerst mutiges Buch geschrieben, das kaum politische Tabus kennt - auch und gerade gegenüber dem großen Verbündeten USA nicht. Es handelt von Bushs Irakkrieg und seinem „Kreuzzug“ gegen den islamischen Terror, aber der Autor arbeitete so gründlich auch die seit über 200 Jahren total verfehlte Politik des Westens gegenüber der islamischen Welt heraus, dass das Buch gerade jetzt angesichts der Umbruchprozesse in der arabischen Welt noch von höchster Aktualität ist. Und der Irak leidet schließlich immer noch unter dem völkerrechtswidrigem Krieg der Amerikaner, von Afghanistan ganz zu schweigen.

Der Autor schildert im ersten Teil seines Buches mit gnadenloser Offenheit, was sich im Irak abgespielt hat und auch nach dem Teilabzug der Amerikaner noch abspielt: ein grausamer, brutaler und blutiger Krieg vor allem gegen die Zivilbevölkerung, aus deren Reihen dann auch verständlicherweise der intensivste Widerstand kommt. Die Amerikaner unterscheiden nicht zwischen einem legitimen Widerstand der Iraker und wirklichen Terroristen, wobei das Kriterium Angriffe gegen die Zivilbevölkerung sind. Diese sind für den irakischen Widerstand absolut tabu. Ein Faktum, das wie so vieles andere im Irak im Westen und seinen Medien gar nicht wahrgenommen wird. Der wirkliche Terrorismus kommt - so der Autor - von der Al Qaida, den Milizen der irakischen Politiker und westlichen Geheimdiensten (!). Ziel dieser Terroraktionen ist es, den wirklichen irakischen Widerstand national und international zu diskreditieren.

Todenhöfer beschreibt ein Land, das zwar eine Diktatur gewesen ist, aber immerhin habe es dort auch so etwas wie eine relative Sicherheit und Frieden gegeben. Durch die amerikanische Invasion sei es völlig im Chaos versunken. Viele der Iraker, die der Autor zu Wort kommen lässt, betonen: „Der amerikanische Krieg und seine Gräuel sind tausendmal schlimmer, als das, was man Saddam und Al Qaida vorwirft.“ Einer sagt: „Hört auf, uns zu überfallen und zu demütigen. Haut ab aus unseren Ländern! Dann wird Al Qaida von selbst verschwinden.“ Denn vor der amerikanischen Invasion habe es im Irak weder Terroristen noch konfessionelle Kämpfe gegeben. Todenhöfer schließt sich diesem Urteil an und klagt die Amerikaner vor allem wegen ihrer grenzenlosen Verachtung der irakischen Menschen an. Sie behandelten sie in einer Weise, die allen westlichen Werten Hohn spreche.

Todenhöfers „Held“ ist der junge Iraker Zaid, ein Siebzehnjähriger, der, nachdem amerikanische Scharfschützen zwei seiner Brüder erschossen hatten, Widerstandskämpfer wird. Auf die Frage, ob er bei seinen Anschlägen nicht Gewissensbisse habe, junge amerikanische Soldaten zu töten, sagt er: „Denken die amerikanischen Familien, denkt irgendjemand im Westen an die unzähligen irakischen Familien, die ihre Kinder, ihre Geschwister, ihre Eltern verloren haben? Warum soll ich an die Familien der Soldaten denken, die meine Brüder ermordet haben? Das kann ich nicht und will es auch nicht. Sie haben unser Land mit Panzern niedergewalzt, und sie haben das Leben meiner Familie ruiniert. Sie haben hier nichts zu suchen!“

Todenhöfer zieht - wieder zu Hause - eine bittere Bilanz seiner Irak-Reise. Aber er begnügt sich nicht mit der Wiedergabe seiner im Land gewonnenen Impressionen. Er geht tief in die Geschichte des Westens in den letzten 200 Jahren zurück und sieht da vor allem brutalste Gewalt und Rassismus gegenüber der muslimischen Welt. Als Vorbild für die Behandlung der Araber galt die Ausrottung der Indianer Amerikas. Schon der Liberale Alexis de Tocqueville habe in seinem Hauptwerk „Über die Demokratie in Amerika“ festgestellt, dass es „konsequenterweise keinen Grund gebe, die muslimischen Subjekte zu behandeln, als wären sie uns gleich.“ Die Strategie gegenüber den Muslimen lautete im 19. Jahrhundert denn auch: „Ruinieren, jagen, terrorisieren!“ Überall hinterließ der Westen im Orient nur Friedhöfe. In Algerien töteten die Franzosen allein in den letzten 120 Jahren ihrer „Zivilisierungsmission“ über zwei Millionen Menschen, so dass Jean Paul Sartre sagen konnte: „Der Westen hat die Araber oft als Untermenschen auf der Stufe eines höheren Affen behandelt.“ Wenn man vom Niedergang der arabischen Zivilisation spricht, kommt man nicht umhin zu bedenken, dass der Westen dazu einen entscheidenden Beitrag geleistet hat. Bei seinem Abzug aus diesen Kolonien hat er ausgeplünderte und ausgeblutete Länder zurückgelassen.

Todenhöfers zweifellos richtiges Fazit: „Nicht ein einziges Mal in den letzten zweihundert Jahren hat ein muslimisches Land den Westen angegriffen. Die europäischen Großmächte und die USA waren immer die Aggressoren, nie Angegriffene. Seit Beginn der Kolonialisierung wurden Millionen arabische Zivilisten getötet. Der Westen führt in der traurigen Bilanz des Tötens weit über 10:1. Die aktuelle Diskussion über die angebliche Gewalttätigkeit der muslimischen Welt stellt die historischen Fakten völlig auf den Kopf. Der Westen ist viel gewalttätiger als die muslimische Welt. Nicht die Gewalttätigkeit der Muslime, sondern die Gewalttätigkeit einiger westlicher Länder ist das Problem unserer Zeit.“

Angesichts dieser Fakten versteht man, dass die gegenwärtige und schon seit einigen Jahren laufende Diskussion über den Kampf gegen den Terrorismus völlig am Thema vorbeigeht, weil nur an den Symptomen herum laboriert wird, aber nicht die Ursachen angegangen werden. Todenhöfer ruft dazu auf, sich einmal in die Perspektive eines Muslims zu versetzen und kommt dann zu folgender Schlussfolgerung: „Hauptursache des Terrorismus unserer Tage ist nach meiner tiefen Überzeugung die menschenverachtende Art, in der große Teile der westlichen Welt seit zweihundert Jahren mit der muslimischen Welt umgehen. Man darf Völker nicht ständig demütigen. Erst wenn wir die muslimischen Länder genauso fair behandeln, wie wir selbst behandelt werden wollen, werden wir den Terrorismus überwinden.“

Todenhöfer holt dann zum großen grundsätzlichen Schlag gegen die Politik des Westens überhaupt aus - der USA wie der Europäer, die stets als „westliche Wertegemeinschaft“ die Monstranz ihrer Ideale vor sich her trügen: Freiheit, Demokratie, Menschenrechte und Selbstbestimmung. Aber diese hehren Werte gelten nur da, wo der Westen seine Interessen nicht gefährdet sieht. Die jetzigen Ereignisse in Tunesien und Ägypten sind Musterbeispiele für diese heuchlerische Politik und belegen die große Aktualität von Todenhöfers Buch. Jahrzehnte lang haben Europa und Amerika den Despoten in diesen Ländern ( und denen, die noch an der Macht sind) die Treue gehalten und tun sich heute äußerst schwer, sich auf die Seite der aufstrebenden Demokratien zu stellen. Despoten vertreten ihre Interessen offensichtlich weitaus besser als Demokratien mit ihren möglichen Machtwechseln - frei nach Ronald Reagan, der ja einmal auf dieses Problem angesprochen bemerkte: „Natürlich das sind Schurken, aber sind unsere Schurken!“

Es gibt auch andere schon historische Beispiele für diese doppelbödige Politik, die aber in der muslimischen Welt nicht vergessen sind: der Sturz des aus freien Wahlen hervorgegangenen iranischen Präsidenten Mossadegh im Jahr 1954 durch die CIA, die den Schah an seine Stelle setzte; Saddam Hussein, mit dem die USA lange eng zusammenarbeiteten und ihn im Krieg gegen den Iran sogar militärisch unterstützten sowie der Wahlsieg der Hamas in den palästinensischen Gebieten, die dafür bis heute büßen muss. Der Westen und seine Medien bestimmen, wer ein „Schurke“ ist. Im Augenblick gebührt Ahmadinedschad diese Ehre, ohne hier seine Politik hier rechtfertigen zu wollen.

Todenhöfer konstatiert, wie tief sich die „Entmenschlichung im Namen der Menschenrechte“ - die blutigen Bilder, die uns täglich aus Afghanistan, dem Irak und Palästina erreichen - in das kulturelle Gedächtnis der Muslime eingegraben hat. Und er fragt: „Wie soll die muslimische Welt an unsere Werte Menschenwürde, Rechtsstaat und Demokratie glauben, wenn sie von uns nur Erniedrigung, Unterdrückung und Ausbeutung erlebt? Ist es wirklich erstaunlich, dass die Extremisten immer mehr Zulauf bekommen? Dass einige Menschen irgendwann zurückschlagen, wenn ihre Familien wieder und wieder von unseren Vernichtungsmaschinen niedergewalzt werden? Niemand kommt als Terrorist auf die Welt.“

Todenhöfer geht noch einen Schritt weiter. Ohne Zweifel daran aufkommen zu lassen, dass Leute, die unschuldige Zivilisten angreifen, Terroristen und Mörder sind, stellt er dieses Prädikat auch den Hintermännern völkerrechtswidriger Angriffskriege aus - etwa George W. Bush und Tony Blair. Für sie dürfen keine anderen rechtlichen Maßstäbe gelten als die, die wir an Saddam Hussein und Slobdan Milosevic anlegen. Todenhöfer spricht vom „Terrorismus der Mächtigen“, man kann es auch „Staatsterrorismus“ nennen. Auch Politiker wie Bush oder Blair gehörten vor ein internationales Strafgericht.

Angriffskriege sind deshalb für ihn die unmoralischste und unintelligenteste Form, den Terror zu bekämpfen. Der islamisch maskierte Terrorismus sei eine Ideologie. Aber Ideologien könne man nicht erschießen, man müsse ihnen die Grundlage entziehen, sie widerlegen. Todenhöfer bescheinigt dem Westen mit seiner törichten Politik der „Anti-Terrorkriege“ alles dafür getan zu haben, den radikalen Islamismus zu stärken. Das Hochkommen Ahmadimedschads, der Wahlsieg der Hamas, der Aufstieg der radikalen Islamisten im Irak und das Wiedererstarken der Taliban in Afghanistan seien eine direkte Folge der westlichen Kreuzzugspolitik  gegen den Islam. Die radikalen Kräfte auf beiden Seiten hätten sich so hoch geschaukelt. Der Westen bekämpft so gesehen im Anti-Terrorkrieg die Gewalt, die er selbst geschaffen hat. Ein absurdes Spiel, das möglichst schnell beendet werden sollte.

Was Todenhöfer schreibt, haben andere auch schon ähnlich formuliert. Aber wenn solche Einsichten aus so prominentem politischen Mund kommen und noch dazu aus der eher rechten Ecke, löst das doch Erstaunen aus. Denn seine Einsichten über den Irak lassen sich lückenlos auf die Geschehnisse etwa in Afghanistan und Palästina übertragen. Auch dort wird angeblich für westliche Werte gekämpft, unterdrückt und getötet. Und die Medien verkaufen uns von den Ereignissen dort eine völlig verkehrte, sehr einseitig gesehene Darstellung. Todenhöfers Buch zeigt auf, wie tief die Verstrickung in diese Ereignisse dort und anderswo mit ihrem immensen Werteverlust schon längst Teil der Krise des Westens ist. Ist der Mann eigentlich noch Mitglied der CDU?

 

 

 

 

 

 

 

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