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Das Palästina Portal

Täglich neu - Nachrichten, Texte aus dem besetzen Palästina die in den deutschen Medien fehlen.

 KurznachrichtenArchiv - ThemenLinksFacebook   -   Sonntag, 05. November 2023   -   Sponsern SieAktuelle TermineSuchen

 

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Antwort auf Aleida Assmanns Versuch - Judenhass
Habeck - Apostel der doppelten Moral
Die israelische Tragödie
Tamar Amar-Dahl - "Siegeszug des Neozionismus"
Weltbild von Mathias Döpfner
Gerechtigkeit für Roger Waters!
Israel-Politik radikal überdenken
Andenken an Toten des Holocaust missbraucht
Omri Boehm ein antisemitisches Buch?
Zionistenschreiben vor, wie an Holocaust zu erinnern.
Tragödie des Zionismus
Palästinenser dürfen in Erinnerungspolitik nicht vorkommen
Genozid wäre besser gewesen
Deutsche Erinnerungspolitik ohne Palästinenser
Plädoyer Ungleichheit der Menschen
Deutschland eine Bananenrepublik?
Situation derPalaestinenser unter zionistischer Besatzung
Ist Banksy ein Antisemit?
Israel ein Apartheidstaat wie Südafrika?
Streit um die Kasseler Documenta
Rezension - Abraham Melzer-  Ich bin (k)ein Antisemit!
Afghanische Sanndalentraeger besiegten USA
Gemeinsame Werte mit einem Apartheidstaat?
Der Welt droht ein neuer Kalter Krieg
Die Antideutschen
Chefs des Springer-Konzerns Mathias Döpfner
„Apeirogon“ des irischen Autors Colum McCann
Lapid - Imagpflege, neue Einsichten?
„1984“ - israelische Cyber-Software“
BDS -  Hoffnung der Palästinenser“
Das Ende einer Illusion
Kampf gegen Windmühlenflügel
Die grüne Kanzlerkandidatin
Palästina in israelischen Schulbüchern
Die Nakba soll zu Ende gebracht werden
Westliche Propaganda - Aufteilung der Welt in Gut+ Böse
Die Jerusalemer Erklärung - Antwort auf die IHRA
Werder Bremen übernimmt die IHRA-Definition
Joseph Melzer - Ich habe neun Leben gelebt.
Holocaustgedenktag 2021
Inhalt der BDS-Resolution nicht erwähnen
Bücher - Positionen zum israelbezogenen Antisemitismus
Kariere von Sawsan Chebli
Martialisches Erinnern
Das zynische Angebot
Omri Boehms - liberaler und humaner Zionismus!
Omri Bohm - Israel - eine Utopie
Darstellung des Zionismus  für Israels Politik Problem
Zionismus untergräbt Werte des Judentums
Gaza ist Überall!
Israel und das Apartheid-Südafrika
Fall Achille Mbembe kein Einzelfall
Eine deutsche Debatte im Jahr 2020
Achille Mbembe - Eigentor von Felix Klein
Was trägt Israel  zum Judenhass bei?
Antideutsche - Antisemitismus und Nahostkonflikt
Nirit Sommerfeld - Stimme des anderen Israel
Symbol für den Freiheitskampf
Krieg gegen das palästinensische Volk
Treueschwüre für einen Besatzerstaat
Zur Kriegsgefahr im Nahen Osten
Der  ideologische Blick auf Israels Geschichte
Kein Friedensstern über Bethlehem
G. Hanloser - Abgesang auf die Antideutschen
Bundesregierung will Hisbollah verbieten
Jürgen Todenhöfer - Die große Heuchelei
Spiegel - zu Israel-kritischer Positionen kein Wort
Gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“
Hungert sie aus!
Das Beispiel Dr. Dr. Marcus Ermler
Hans-Jürgen Abromeit sagt die Wahrheit
Israel zieht belastende Dokumente aus dem Verkehr
Definiert Israels Regierung was Antisemitismus ist
Der Kushner-Plan -Totgeburt
Israels Politik -  zynisch, autoritär und reaktionär
Bremen verweigert Kritik an Israel
Wahlen ohne Opposition und Alternative…
Man unterscheidet zwischen "guten" und "bösen" Juden
BDS-Aktivisten auf „Krawall“ reduziert
Israel Siedlungen auf dem Mond?
Die Mauer als Symbol des Scheiterns
Wider den Mainstream
Triumph des moralischen Nihilismus
Mythos - Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern
Frieden auf Erden“ –  nicht in Palästina
Zensur der evangelischen Kirche
Lehrer nach Yad Vashem
Evangelische Kirche und Israels Unrechtspolitik
Hysterie bis zur Paranoia
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Bremer Innensenator Mäurer hat Recht
Die „Israelisierung der Welt“
Trumps "Deal" Verrat an Palästina
Wikipedia ist der Manipulation überführt
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Juden und Muslime in Auschwitz
Israels Sanktionen - Iran
Zum Tod von Felicia Langer
„WerteInitiative“  - Schlag gegen Bettina Marx
Stopp gegen Antisemitismus-Hysterie
Palästina - Realität wird zum Tabu
Tom Segevs Ben Gurion-Biographie
Deutschland, Israel + der Antisemitismus:
Präsident Abbas‘ missverständliche Rede
Unterstützung Arbeit Antisemitismus-Beauftragten
Die inszenierte Hysterie
Entstehung Israels als Heldenepos
70 Jahre Israel – 70 Jahre Siedlerkolonialismus
Skandalöse Geschichtsklitterung
Heiko Maas  in Israel
Was für ein Staat!
Heiko Maas - Kniefall nach Israel
Meinungsfreiheit für Palästinenser in Bremen
Rolf Verleger - Hundert Jahre Heimat_Land
Israel hat den Frieden nie gewollt.
Weihnachten 2017
Gefängnisstrafen und Sippenhaft
Nimmt der Antisemitismus zu?
Stramm hinter Trump
Hermann Kuhn demonstriert  Nichtwissen
Deutsche Kampfflieger über Israel
„Sie weichen den wirklichen Problemen aus“
Rezension - Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher
Rezension - Abraham Melzer: Mit Feuer und Blut
Die kopernikanische Wende
Martin Schulz Kotau vor der Israel-Lobby
„1984“ auf israelisch
Rückfall in die Vormoderne
Michael Wolffsohn hat sich disqualifiziert
Rezension - M. Peled - Der Sohn des Generals
Analysen des antizionistischen Isaac Deutscher
Film - Der Hass auf Juden in Europa
14. Dokumenta - Ahlam Shibli
Michael Lüders Buch „Die den Sturm ernten“
Jenseits aller Wirklichkeit
„Im Gefängnis, weil  Palästinenser“
Das Lehrbeispiel BDS
DIG Aufruf gegen Kritiker
Broder - BDS + die Endlösung
Zwischen „Lügen- “ und „Lückenpresse“
Frieden auf Erden... nicht im Heiligen Land
Ist Deutschland eine Bananenrepublik?
Hat Jakob Augstein der Mut verlassen?
Israel-Berichterstattung - doppelte Standards
Propaganda-Lügen gegen den Frieden
Antisemitismus – „Missverständnis der Geschichte“?
Wann ist Kritik an Israels antisemitisch
Die Lobby schlägt zu
Geheimsache Heron TP
Claude Lanzmann -  Palästina-Konflikt
Die Israel-Lobby und die HAWK
Ein Humanist?
„Die Hamas ist an allem schuld“
Ein Krieger und Verächter des Völkerrechts
Proteste und Demonstrationen nicht Antisemitisch
Der Streit um Israels „Existenzrecht“
„Journalismus“ á la Benjamin Weinthal
„Methodisch betriebener Wahnsinn“
Dank an Benjamin Weinthal
Albert Einstein muß als Zeuge herhalten
Wenn Weinthal wieder einmal zuschlägt ...
Rezension von  Kurt O. Wyss
Noch mehr Israel-Kritiker geschafft
Interview mit Abdallah Frangi
Benjamin Weinthal verhindert Vortrag Arn Strohmeyer
„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?
Ein Weihnachtswunsch
Abraham Melzers Buch „Israel vor Gericht“
Rezension - Petra Wild: Die Krise des Zionismus
Gipfel der Absurdität
Daniel Killy diffamierte seinen früheren Arbeitgeber
Rezension - Die Hölle von Gaza - Spiewak
Rote Karte für Israel!
Der Antisemitismus-Vorwurf als Rufmord
Ist Israel ein verrückter Staat?
„Oslo war ein Kapitulationsabkommen“
Rezension - Ilan Pappe -  „Die Idee Israel"
Wenn eine Jüdin den Zionismus kritisiert...
Leseprobe 3 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 2 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 1 - Antisemitismus – Philosemitismus
Inhalt - Antisemitismus – Philosemitismus
Buch - Antisemitismus – Philosemitismus
Kontrolle über Israels Atomwaffen?
Rezension - Sven Severin: Shalom ist nicht Frieden.
Werte der USA und Europas Doppelmoral
Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba
Rezension - Israel – Im permanenten Kriegszustand
Zwischen Doppelmoral und Lebenslügen
Die Herren über Leben und Tod
Dauerbrenner Antisemitismus
Weglassen, vertuschen und manipulieren
Napoleoni - Die Rückkehr des Kalifats.
Presseboykott gegen  Nakba-Ausstellung Bremen?
Der Streit um die historische Wahrheit
Am besten das Völkerrecht abschaffen.
Anschläge Paris - Stunde der Heuchler
Die Legenden von den vertriebenen Juden
Linkspartei und die Verletzer der Völkerrechte
Für Israel Frieden unmöglich.
Zionismus vor seinem historischen Ende?
Antisemitismus-Gefahr als politische Waffe
Eine genau kalkulierte Kampagne
„Ein Massaker schlimmsten Ausmaßes!“
Dieter Graumann und die westlichen Werte
Willkommener Anlass
Die EU als zahnloser Papiertiger
Antisemiten überall
Uri Avnery relativiert die Nakba
H. Baumgarten - Kampf um Palästina
Ein bedeutender Schritt zur Versöhnung
Bremer Evangelische Kirche -  Frieden Nah Ost
„Warum provoziert Ihr Israel immer so?“
Interview mit  Reuven Moskowitz
Israels große Propagandainszenierung
Unkritische Unterstützung Israels.
Tumulte in der Knesset
Rezension - Israel kontrovers
Ariel Sharons brutale Gewaltpolitik
Neuerscheinung Ilan Pappes Buch?
Ilan Pappe - „Eethnische Säuberung Palästinas
Schweigen der Christen im Nahen Osten
Feldmans Film „The Lab“
Mythos - Vertreibung der Juden
Rezension - Viktoria Waltz -  „Monopoly“
Shlomo Sand - Ich steige aus.
Palästinenser Testpersonen für Rüstungsindustrie
Israel steht unter Verdacht
Rezension - Buch Ekkehart Drost
3. Israelkongress in Berlin
Die Angst vor der Wahrheit
Was kommt nach dem Zionismus?
Führt Obama Israels Krieg?
Haben nur Palästinenser „Blut an den Händen“?
Ein Bantustan-Staat für die Palästinenser?
Zionismus + arabischer Antisemitismus
Ethnische Säuberungen
Juden unerwünscht?
Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen!“
Nachruf auf Stéphane Hessel
Streit um Augsteins „Antisemitismus“ geht weiter
Zerstört Israel sich selbst?
Broders taktischer Rückzieher
Solidarität mit Jakob Augstein!
Sollen Patriot-Raketen Israel schützen?
Von der Macht der Denunzianten
Rezension Rudolph Bauer - Wer rettet Israel
Netanjau in Berlin zum völlig falschen Zeitpunkt
Mit der UNO auf Kriegsfuß
Generalangriff auf die Mythen des Zionismus
Gaza - Schweigen die Waffen?
"Sicht der Armee  kein ethisches Problem“
Erwiderung auf Charlotte Knobloch
Atmosphäre der Angst
Keine Chance für die Vernunft?
These vom Mord an Arafat
„Hier wird Israel pauschal diffamiert“
D. Barenboim:„Nur ein Psychiater kann  helfen!“
In Nibelungentreue an Israels Seite?
Merkels abenteuerlicher Kriegskurs
Der Dichter, Israel und die Denkverbote
Genug der Heuchelei! - Günther Grass
Auf Mythen keinen Frieden aufbauen
Brief an Ralph Giordano
Ilan Pappe -  Wissenschaft als Herrschaftsdienst
Nazi-Analogien in Israel
Interview mit Abdallah Frangi
Abdallah Frangi - Der Gesandte
Israeltag 2011 - Bremer Schulen
Ein Akt historischer Gerechtigkeit
Israel-Propaganda an deutschen Schulen ?
„Boykott ist eine absolute Notwendigkeit“
Rezension - Finkelstein „Israels Invasion in Gaza“
Die Partei „Die Linke“ + das Existenzrechts Israels
„Wir wollen die ganze Region befreien“
Ergänzung - Brief Bürgermeister Jens Böhrnsen
Offener Brief - Bürgermeister Jens Böhrnsen
Helmut Schmidt + R. von Weizsäcker Antisemiten?
Sind Boykottaktionen antisemitisch?
Boykott gegen Früchte aus Israel
Stéphane Hessel - Empört Euch!
Todenhöfer - Warum tötest Du, Zaid?
Arabische Aufstände düpieren den Westen + Israel
Verzweifeln an Israel
In der Falle der Stammesideologie
Wer glaubt an Friedensbotschaften
Kotau vor Merkels Nahost-Politik
Wie man Antisemiten produziert
Im Gleichschritt mit Israel?
Was ist Antisemitismus
Gibt es  "neuen" Antisemitismus? - Klug Brian
Was sind "jüdische Gene"? - Thilo Sarrazin
Zionistischer Angriff auf Wikipedia
Moshe Zimmermann: Angst vor Frieden
Verwirrung der Begriffe?
Offener Brief  Weser-Kurier-Artikel - 16. 06. 2010
Iris Hefets gewann Prozess gegen Lala Süsskind
Mordaktion nach Piratenmanier
Israel will keinen Frieden
Solidarität mit Iris Hefets!
Sieg der Spermien und Gebärmütter
Hajo Meyer - Radikale Kritik am Zionismus
Interview mit Norman G. Finkelstein
Gespräch mit Yehuda Shaul
Interview mit Yahav Zohar
Broder - Aufklärung + Untergang
„Israel streut der Welt Sand in die Augen“
„Hitler besiegen“
Interview mit Moshe Zuckermann
Bethlehem 2008
Volk ohne Hoffnung
Brief Präsidium J. G. Bremen
Interview Felicia Langer

 

 


 

Die israelische Tragödie
Rache und Vergeltung führen noch tiefer in das nahöstliche Chaos

Arn Strohmeyer - 14. 0. 2023

Man darf nicht nach beschönigenden Worten suchen: der Überfall der Hamas auf Israel war brutal und grausam. Aber mit Israels brutaler Rache versinkt der Nahe Osten noch mehr im Chaos. Die Fronten werden sich noch mehr verhärten, wenn das Auge-um-Auge und Zahn-um-Zahn-Prinzip die Oberhand behält. Eine friedliche Zukunft wird dann für sehr lange Zeit in dieser Region unmöglich sein. Aber das nahöstliche Desaster ausschließlich an der Hamas festzumachen, heißt, den Konflikt zu enthistorisieren, ihn also als ahistorisch hinzustellen und alles außer Acht zu lassen, was zu der heutigen Konstellation geführt hat, und einer Seite – eben der palästinensischen – die alleinige Schuld zuzuweisen. Das geht an der politischen und historischen Wahrheit völlig vorbei.

Kern des Nahostkonfliktes ist die Tatsache, dass die Zionisten den Palästinensern ihr Land geraubt, den größten Teil dieses Volkes aus ihrer Heimat vertrieben, das Land mit jüdischen Einwanderern besiedelten und die verbliebenen arabischen Menschen nicht nur als „Fremde“, sondern als „Feinde“ einstuften, sie mit allen gewaltsamen Mitteln unterdrückten und jedes gleichberechtigte Zusammenleben mit ihnen bis heute verweigerten. Den Widerstand gegen solches kolonialistisches Vorgehen, also das Einfordern ihres Rechts auf Selbstbestimmung und die Einhaltung der Menschenrechte, setzten die Zionisten mit „Terrorismus“, „Völkermord“ und „Antisemitismus“ gleich. Ihr Machtanspruch auf und in Palästina schuf überhaupt erst die Auseinandersetzung mit den Arabern – speziell mit den Palästinensern.

Der Westen akzeptierte den zionistischen Anspruch auf Palästina von Anfang an, weil der zionistische Wertekanon weitgehend westlichen Wertevorstellungen entsprach – die „einzige Demokratie im „Nahen Osten“. Eine unsinnige Bezeichnung, weil „Staat der Juden“ und Demokratie sich widersprechen, denn andere ethnische Gruppen sind von der demokratischen Teilnahme weitgehend ausgeschlossen. Israel ist so gesehen vielmehr eine Ethnokratie, das heißt, eine ethnische Gruppe – eben Juden – hat die absolute Dominanz. Im Westen wird zudem verdrängt, dass der Antisemitismus in Europa die Hauptursache für die Entstehung des Zionismus war und deshalb auch für den andauernden Konflikt im Nahen Osten mitverantwortlich ist.

Die zionistische Utopie, maßgeblich von dem Begründer der zionistischen Ideologie Theodor Herzl entworfen, sah vor, dass der Judenstaat ein Staat wie jeder andere werden sollte, vor allem aber sollte er den Juden Sicherheit vor Verfolgung und Eliminierung geben. Israel hat dieses utopische Ziel nicht erreicht, es ist an diesem Anspruch vollständig gescheitert. Zwei Gründe sind für dieses Scheitern zu nennen. Erstens ist Israel kein normaler Staat, weil seine Existenz auf der gewaltsamen Herrschaft über ein anderes Volk beruht. Der zweite Grund hängt eng mit dem ersten zusammen. Israel kann den Juden keine Sicherheit geben, es ist – der Hamas-Anschlag belegt es – das unsicherste Land für Juden überhaupt. Nirgendwo sind Juden so gefährdet wie in „ihrem“ Staat.

Erweitert man die Frage, warum das so ist, dann kann die Antwort nicht lauten: Weil Israel durch den „palästinensischen Terrorismus“ von außen gefährdet ist. Vielmehr sind es die zionistische Ideologie und die aus ihr abgeleitete und umgesetzte Politik, die den Konflikt mit den Palästinensern permanent am Leben erhalten, ihn immer neu entfachen wie jetzt die Katastrophe um den Angriff der Hamas und seine Folgen. Die israelisch-deutsche Historikerin Tamar Amar-Dahl hat in ihrem Buch „Das zionistische Israel. Jüdischer Nationalismus und die Geschichte des Nahost-Konflikts“ die Kernpunkte dieser Ideologie zusammengestellt.

Sie konstatiert: Eretz Israel (Großisrael) ist das Land des jüdischen Volkes, es gehört ausschließlich den Juden. Es gibt infolgedessen keinen Disput um Palästina, sondern nur die Palästinenser-Frage steht auf der israelischen Tagesordnung. Der Konflikt wird allein sicherheitspolitisch – mit militärischen Begriffen formuliert, also letztlich entpolitisiert und dem Militär überlassen. Die Palästinenser sind die „Anderen“, die „out-group“ der zionistischen Utopie. Sie gilt es zu verdrängen – aus dem Bewusstsein und aus der Realität zu entfernen. Ihre Diskriminierung, Unterdrückung und Vertreibung ergibt sich daraus von selbst.

Die Ursache des Konflikts wird nicht etwa in der eigenen Politik, der Kriegs-, Siedlungs- oder Bevölkerungspolitik gesehen, sondern in der „umfassenden Feindseligkeit“, in der „Mentalität der Anderen“. Die Gewalt der „Anderen“ bzw. der „arabische Vernichtungswille“ bilden im israelischen Bewusstsein die Grundlage für den Konflikt. Tamar Amar-Dahl zieht daraus die Bilanz: „So erklärt sich das historisch gewachsene, entpolitisierte Konfliktverständnis, das die Grundlage für die politische Ordnung, für die politische Kultur und für das Selbstverständnis des zionistischen Israel bildet.“ Israel hat also – anders gesagt – mit dem Konflikt nichts zu tun. Es sind die „Anderen“.

Der zionistische Staat wurde im Krieg geboren, dem Krieg verdankt er seine nationalstaatliche Existenz, so die Autorin. Krieg ist deshalb positiv konnotiert. Durch das Gefühl des ständigen Bedrohtseins genießt das Sicherheitsdenken, das aber nur militärisch verstanden wird, höchste Priorität. Das israelische Kollektiv ist deswegen sowohl institutionell (Politik, Militär, Gesellschaft, Wirtschaft, Industrie und Justiz) als auch mental auf Krieg fixiert.
Frieden ist deshalb nur durch militärische Stärke und Überlegenheit über die „Anderen“ denkbar, nicht durch politische Kompromisse. Frieden wird zwar ständig gefordert, doch die israelische Politik hat nie versucht bzw. die Bereitschaft gezeigt, Frieden mit Zugeständnissen und dem notwendigen Preis für einen Ausgleich zu erreichen. Frieden kann es nach israelischem Verständnis nur geben, wenn der zionistische Staat militärisch unbesiegbar ist. Es ist undenkbar, Vergeltungsaktionen – wie jetzt im Gazastreifen – zu vermeiden, um den Hass abzuschwächen, weil Israel sich dann auf der Verliererseite sehen würde und um seine Existenz fürchten müsste.

Eine Friedenslösung durch Landteilung mit den Palästinensern (Zwei-Staatenlösung) ist undenkbar, weil Eretz Israel das „Land der Urväter“ ist, die Heimat des jüdischen Volkes. Frieden kann sich der Zionismus nur vorstellen, wenn die militärische Kontrolle über Eretz Israel und dessen „Araber“ aufrechterhalten werden kann. Verhandlungen mit den Palästinensern sind so gesehen sinnlos, weil diese „Anderen“ einem Frieden mit Israel nicht gewachsen sind, es gibt also keinen Gesprächspartner für Israel. Dass solche ideologischen Festlegungen eine Versöhnung mit den Palästinensern unmöglich machen, versteht sich von selbst. Tamar Amar-Dahl: „Frieden wird zum Drang, sich des palästinensischen ‚Feindes‘ zu entledigen, er wird zum Mittel, die ‚Trennung von den Anderen‘ herbeizuführen, um endlich die ersehnte zionistische Utopie erlangen zu können.“

Zu den hier angeführten ideologischen Dogmen des Zionismus kommt ein ganz wichtiges zusätzliches Argument: die Frage der Moral. Sehr früh schon setzte sich die Auffassung durch, dass der Zionismus gegen den Strom agieren müsse und gegen den Willen der Mehrheit bzw. gegen den Gang der Geschichte seine Ziele erreichen müsse. Der Zionismus unterliege „anderen Maßstäben als die formale Moralität.“ Mit anderen Worten: Den Zionisten ist „alles erlaubt“, Menschenrechte und Völkerrecht interessieren sie nicht. Soweit Tamar Amar-Dahl.

Es folgt aus dem Gesagten, dass Israel mit dieser Ideologie friedensunfähig ist. Die blutige Auseinandersetzung mit den Palästinensern, die unendliche Kette von Massakern, die der zionistische Staat an den Palästinensern begangen hat, und das von brutaler Gewalt geprägte Okkupationsregime, das im Grunde seit der Gründung des Staates 1948 besteht (die Palästinenser in Israel mussten bis 1966 unter einer Militärdiktatur leben) haben aus jüdischen Opfern Täter gemacht, denn der Staat für die Juden wurde mit der Katastrophe des palästinensischen Volkes bezahlt. Das ist die Tragödie des zionistischen Staates.

Durch seine Friedensunfähigkeit hat sich Israel in eine politische Sackgasse manövriert, denn weder die Zweistaaten- noch die Einstaaten-Lösung wird Israel den Palästinensern zugestehen, was bedeutet, dass dieses Volk überhaupt keine Option mehr hat – außer Erniedrigung, Unterdrückung und Verzweiflung. In diesen seit Jahrzehnten andauernden Gewaltprozess muss man auch die Attacke der Hamas einordnen. Das heißt nicht, sie moralisch zu rechtfertigen und zu entschuldigen, aber sie ist nur aus der tragischen Konstellation zu verstehen, in die Israel die Palästinenser gebracht hat und für die Israel allein verantwortlich ist.

Wenn die deutsche Politik nicht mehr dazu anzubieten hat als die vollständige Identifizierung mit Israel („Wir sind alle Israelis!“) und den Konflikt auf „Terrorismus“ und „Antisemitismus“ reduziert, dann hat sie weder die blutige Logik des Konflikts verstanden noch leistet sie mit dieser Einseitigkeit des Blickes und der sich hier offenbarenden Realitätsblindheit einen Beitrag zur Beendigung dieses schrecklichen Dramas. Wenn man sich schon auf den Holocaust bezieht, dann kann die richtige Schlussfolgerung aus diesem Mega-Verbrechen nur sein: die universelle Einhaltung der Menschenrechte und des Völkerrechts. Mit ihrer einseitigen Identifizierung mit Israel, seiner „inhumanen Ideologie“ (der israelische Philosoph Omri Boehm) und der totalen Nicht-Beachtung der Rechte der Palästinenser hat Deutschland immer auf der falschen Seite der Geschichte gestanden.

 

 

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