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Täglich neu - Nachrichten, Texte aus dem besetzen Palästina die in den deutschen Medien fehlen.

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Texte von Arn Strohmeyer

Plädoyer Ungleichheit der Menschen
Deutschland eine Bananenrepublik?
Situation derPalaestinenser unter zionistischer Besatzung
Ist Banksy ein Antisemit?
Streit um die Kasseler Documenta
Israel ein Apartheidstaat wie Südafrika?
Streit um die Kasseler Documenta
Rezension - Abraham Melzer-  Ich bin (k)ein Antisemit!
Afghanische Sanndalentraeger besiegten USA
Gemeinsame Werte mit einem Apartheidstaat?
Der Welt droht ein neuer Kalter Krieg
Die Antideutschen
Chefs des Springer-Konzerns Mathias Döpfner
„Apeirogon“ des irischen Autors Colum McCann
Lapid - Imagpflege, neue Einsichten?
„1984“ - israelische Cyber-Software“
BDS -  Hoffnung der Palästinenser“
Das Ende einer Illusion
Kampf gegen Windmühlenflügel
Die grüne Kanzlerkandidatin
Palästina in israelischen Schulbüchern
Die Nakba soll zu Ende gebracht werden
Westliche Propaganda - Aufteilung der Welt in Gut+ Böse
Die Jerusalemer Erklärung - Antwort auf die IHRA
Werder Bremen übernimmt die IHRA-Definition
Joseph Melzer - Ich habe neun Leben gelebt.
Holocaustgedenktag 2021
Inhalt der BDS-Resolution nicht erwähnen
Bücher - Positionen zum israelbezogenen Antisemitismus
Kariere von Sawsan Chebli
Martialisches Erinnern
Das zynische Angebot
Omri Boehms - liberaler und humaner Zionismus!
Omri Bohm - Israel - eine Utopie
Darstellung des Zionismus  für Israels Politik Problem
Zionismus untergräbt Werte des Judentums
Gaza ist Überall!
Israel und das Apartheid-Südafrika
Fall Achille Mbembe kein Einzelfall
Eine deutsche Debatte im Jahr 2020
Achille Mbembe - Eigentor von Felix Klein
Was trägt Israel  zum Judenhass bei?
Antideutsche - Antisemitismus und Nahostkonflikt
Nirit Sommerfeld - Stimme des anderen Israel
Symbol für den Freiheitskampf
Krieg gegen das palästinensische Volk
Treueschwüre für einen Besatzerstaat
Zur Kriegsgefahr im Nahen Osten
Der  ideologische Blick auf Israels Geschichte
Kein Friedensstern über Bethlehem
G. Hanloser - Abgesang auf die Antideutschen
Bundesregierung will Hisbollah verbieten
Jürgen Todenhöfer - Die große Heuchelei
Spiegel - zu Israel-kritischer Positionen kein Wort
Gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“
Hungert sie aus!
Das Beispiel Dr. Dr. Marcus Ermler
Hans-Jürgen Abromeit sagt die Wahrheit
Israel zieht belastende Dokumente aus dem Verkehr
Definiert Israels Regierung was Antisemitismus ist
Der Kushner-Plan -Totgeburt
Israels Politik -  zynisch, autoritär und reaktionär
Bremen verweigert Kritik an Israel
Wahlen ohne Opposition und Alternative…
Man unterscheidet zwischen "guten" und "bösen" Juden
BDS-Aktivisten auf „Krawall“ reduziert
Israel Siedlungen auf dem Mond?
Die Mauer als Symbol des Scheiterns
Wider den Mainstream
Triumph des moralischen Nihilismus
Mythos - Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern
Frieden auf Erden“ –  nicht in Palästina
Zensur der evangelischen Kirche
Lehrer nach Yad Vashem
Evangelische Kirche und Israels Unrechtspolitik
Hysterie bis zur Paranoia
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Bremer Innensenator Mäurer hat Recht
Die „Israelisierung der Welt“
Trumps "Deal" Verrat an Palästina
Wikipedia ist der Manipulation überführt
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Juden und Muslime in Auschwitz
Israels Sanktionen - Iran
Zum Tod von Felicia Langer
„WerteInitiative“  - Schlag gegen Bettina Marx
Stopp gegen Antisemitismus-Hysterie
Palästina - Realität wird zum Tabu
Tom Segevs Ben Gurion-Biographie
Deutschland, Israel + der Antisemitismus:
Präsident Abbas‘ missverständliche Rede
Unterstützung Arbeit Antisemitismus-Beauftragten
Die inszenierte Hysterie
Entstehung Israels als Heldenepos
70 Jahre Israel – 70 Jahre Siedlerkolonialismus
Skandalöse Geschichtsklitterung
Heiko Maas  in Israel
Was für ein Staat!
Heiko Maas - Kniefall nach Israel
Meinungsfreiheit für Palästinenser in Bremen
Rolf Verleger - Hundert Jahre Heimat_Land
Israel hat den Frieden nie gewollt.
Weihnachten 2017
Gefängnisstrafen und Sippenhaft
Nimmt der Antisemitismus zu?
Stramm hinter Trump
Hermann Kuhn demonstriert  Nichtwissen
Deutsche Kampfflieger über Israel
„Sie weichen den wirklichen Problemen aus“
Rezension - Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher
Rezension - Abraham Melzer: Mit Feuer und Blut
Die kopernikanische Wende
Martin Schulz Kotau vor der Israel-Lobby
„1984“ auf israelisch
Rückfall in die Vormoderne
Michael Wolffsohn hat sich disqualifiziert
Rezension - M. Peled - Der Sohn des Generals
Analysen des antizionistischen Isaac Deutscher
Film - Der Hass auf Juden in Europa
14. Dokumenta - Ahlam Shibli
Michael Lüders Buch „Die den Sturm ernten“
Jenseits aller Wirklichkeit
„Im Gefängnis, weil  Palästinenser“
Das Lehrbeispiel BDS
DIG Aufruf gegen Kritiker
Broder - BDS + die Endlösung
Zwischen „Lügen- “ und „Lückenpresse“
Frieden auf Erden... nicht im Heiligen Land
Ist Deutschland eine Bananenrepublik?
Hat Jakob Augstein der Mut verlassen?
Israel-Berichterstattung - doppelte Standards
Propaganda-Lügen gegen den Frieden
Antisemitismus – „Missverständnis der Geschichte“?
Wann ist Kritik an Israels antisemitisch
Die Lobby schlägt zu
Geheimsache Heron TP
Claude Lanzmann -  Palästina-Konflikt
Die Israel-Lobby und die HAWK
Ein Humanist?
„Die Hamas ist an allem schuld“
Ein Krieger und Verächter des Völkerrechts
Proteste und Demonstrationen nicht Antisemitisch
Der Streit um Israels „Existenzrecht“
„Journalismus“ á la Benjamin Weinthal
„Methodisch betriebener Wahnsinn“
Dank an Benjamin Weinthal
Albert Einstein muß als Zeuge herhalten
Wenn Weinthal wieder einmal zuschlägt ...
Rezension von  Kurt O. Wyss
Noch mehr Israel-Kritiker geschafft
Interview mit Abdallah Frangi
Benjamin Weinthal verhindert Vortrag Arn Strohmeyer
„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?
Ein Weihnachtswunsch
Abraham Melzers Buch „Israel vor Gericht“
Rezension - Petra Wild: Die Krise des Zionismus
Gipfel der Absurdität
Daniel Killy diffamierte seinen früheren Arbeitgeber
Rezension - Die Hölle von Gaza - Spiewak
Rote Karte für Israel!
Der Antisemitismus-Vorwurf als Rufmord
Ist Israel ein verrückter Staat?
„Oslo war ein Kapitulationsabkommen“
Rezension - Ilan Pappe -  „Die Idee Israel"
Wenn eine Jüdin den Zionismus kritisiert...
Leseprobe 3 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 2 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 1 - Antisemitismus – Philosemitismus
Inhalt - Antisemitismus – Philosemitismus
Buch - Antisemitismus – Philosemitismus
Kontrolle über Israels Atomwaffen?
Rezension - Sven Severin: Shalom ist nicht Frieden.
Werte der USA und Europas Doppelmoral
Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba
Rezension - Israel – Im permanenten Kriegszustand
Zwischen Doppelmoral und Lebenslügen
Die Herren über Leben und Tod
Dauerbrenner Antisemitismus
Weglassen, vertuschen und manipulieren
Napoleoni - Die Rückkehr des Kalifats.
Presseboykott gegen  Nakba-Ausstellung Bremen?
Der Streit um die historische Wahrheit
Am besten das Völkerrecht abschaffen.
Anschläge Paris - Stunde der Heuchler
Die Legenden von den vertriebenen Juden
Linkspartei und die Verletzer der Völkerrechte
Für Israel Frieden unmöglich.
Zionismus vor seinem historischen Ende?
Antisemitismus-Gefahr als politische Waffe
Eine genau kalkulierte Kampagne
„Ein Massaker schlimmsten Ausmaßes!“
Dieter Graumann und die westlichen Werte
Willkommener Anlass
Die EU als zahnloser Papiertiger
Antisemiten überall
Uri Avnery relativiert die Nakba
H. Baumgarten - Kampf um Palästina
Ein bedeutender Schritt zur Versöhnung
Bremer Evangelische Kirche -  Frieden Nah Ost
„Warum provoziert Ihr Israel immer so?“
Interview mit  Reuven Moskowitz
Israels große Propagandainszenierung
Unkritische Unterstützung Israels.
Tumulte in der Knesset
Rezension - Israel kontrovers
Ariel Sharons brutale Gewaltpolitik
Neuerscheinung Ilan Pappes Buch?
Ilan Pappe - „Eethnische Säuberung Palästinas
Schweigen der Christen im Nahen Osten
Feldmans Film „The Lab“
Mythos - Vertreibung der Juden
Rezension - Viktoria Waltz -  „Monopoly“
Shlomo Sand - Ich steige aus.
Palästinenser Testpersonen für Rüstungsindustrie
Israel steht unter Verdacht
Rezension - Buch Ekkehart Drost
3. Israelkongress in Berlin
Die Angst vor der Wahrheit
Was kommt nach dem Zionismus?
Führt Obama Israels Krieg?
Haben nur Palästinenser „Blut an den Händen“?
Ein Bantustan-Staat für die Palästinenser?
Zionismus + arabischer Antisemitismus
Ethnische Säuberungen
Juden unerwünscht?
Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen!“
Nachruf auf Stéphane Hessel
Streit um Augsteins „Antisemitismus“ geht weiter
Zerstört Israel sich selbst?
Broders taktischer Rückzieher
Solidarität mit Jakob Augstein!
Sollen Patriot-Raketen Israel schützen?
Von der Macht der Denunzianten
Rezension Rudolph Bauer - Wer rettet Israel
Netanjau in Berlin zum völlig falschen Zeitpunkt
Mit der UNO auf Kriegsfuß
Generalangriff auf die Mythen des Zionismus
Gaza - Schweigen die Waffen?
"Sicht der Armee  kein ethisches Problem“
Erwiderung auf Charlotte Knobloch
Atmosphäre der Angst
Keine Chance für die Vernunft?
These vom Mord an Arafat
„Hier wird Israel pauschal diffamiert“
D. Barenboim:„Nur ein Psychiater kann  helfen!“
In Nibelungentreue an Israels Seite?
Merkels abenteuerlicher Kriegskurs
Der Dichter, Israel und die Denkverbote
Genug der Heuchelei! - Günther Grass
Auf Mythen keinen Frieden aufbauen
Brief an Ralph Giordano
Ilan Pappe -  Wissenschaft als Herrschaftsdienst
Nazi-Analogien in Israel
Interview mit Abdallah Frangi
Abdallah Frangi - Der Gesandte
Israeltag 2011 - Bremer Schulen
Ein Akt historischer Gerechtigkeit
Israel-Propaganda an deutschen Schulen ?
„Boykott ist eine absolute Notwendigkeit“
Rezension - Finkelstein „Israels Invasion in Gaza“
Die Partei „Die Linke“ + das Existenzrechts Israels
„Wir wollen die ganze Region befreien“
Ergänzung - Brief Bürgermeister Jens Böhrnsen
Offener Brief - Bürgermeister Jens Böhrnsen
Helmut Schmidt + R. von Weizsäcker Antisemiten?
Sind Boykottaktionen antisemitisch?
Boykott gegen Früchte aus Israel
Stéphane Hessel - Empört Euch!
Todenhöfer - Warum tötest Du, Zaid?
Arabische Aufstände düpieren den Westen + Israel
Verzweifeln an Israel
In der Falle der Stammesideologie
Wer glaubt an Friedensbotschaften
Kotau vor Merkels Nahost-Politik
Wie man Antisemiten produziert
Im Gleichschritt mit Israel?
Was ist Antisemitismus
Gibt es  "neuen" Antisemitismus? - Klug Brian
Was sind "jüdische Gene"? - Thilo Sarrazin
Zionistischer Angriff auf Wikipedia
Moshe Zimmermann: Angst vor Frieden
Verwirrung der Begriffe?
Offener Brief  Weser-Kurier-Artikel - 16. 06. 2010
Iris Hefets gewann Prozess gegen Lala Süsskind
Mordaktion nach Piratenmanier
Israel will keinen Frieden
Solidarität mit Iris Hefets!
Sieg der Spermien und Gebärmütter
Hajo Meyer - Radikale Kritik am Zionismus
Interview mit Norman G. Finkelstein
Gespräch mit Yehuda Shaul
Interview mit Yahav Zohar
Broder - Aufklärung + Untergang
„Israel streut der Welt Sand in die Augen“
„Hitler besiegen“
Interview mit Moshe Zuckermann
Bethlehem 2008
Volk ohne Hoffnung
Brief Präsidium J. G. Bremen
Interview Felicia Langer

 

TRANSLATE  

 

„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?

Die deutschen Medien und Israel – ein besonderes Problem

Arn Strohmeyer

Da ist neuerdings viel von der „Lügenpresse“ in Deutschland die Rede, erst im Zusammenhang mit der Ukraine, dann mit Syrien und den Flüchtlingen. Aber merk- und denkwürdiger Weise ist bisher die deutsche Berichterstattung über den Konflikt Israels mit den Palästinensern (und die Rolle Deutschlands dabei) in diesem Zusammenhang noch nicht in den Fokus der öffentlichen Diskussion geraten. Denn hier gibt es am allermeisten zu kritisieren. Nun weiß man aber, aus welcher politischen Ecke der Vorwurf der „Lügenpresse“ kommt, insofern sollte man diesen Begriff nicht benutzen, da er den politischen Zielen der rechtsextremen Pegida und AfD Vorschub leistet: Ressentiments und Hass gegen alles Fremde zu erzeugen, besonders gegen Flüchtlinge. Da ist zum Teil längst überwunden geglaubtes übelstes völkisches und rassistisches Denken im Umlauf.

Aber auch wenn man den Begriff „Lügenpresse“ nicht benutzt, ist die deutsche Berichterstattung über Israel und den Nahen Osten mehr als kritikwürdig. Allerdings sollte man hier auch nicht pauschalisieren und alles über einen Kamm scheren. Es gibt Unterschiede und auch rühmliche Ausnahmen. Die Bandbreite etwa zwischen der Springer-Presse, deren Journalisten ihre Loyalität zu Israel in ihrem Arbeitsvertrag unterschreiben müssen, und einigen liberalen und linken Blättern ist doch groß. Und auch in einigen Beiträgen der Fernseh- und Rundfunkanstalten hat man schon vorsichtige Kritik an der israelischen Politik sehen oder hören können, zumeist aber leider im Spätprogramm oder in den nur von Minderheiten gesehenen Sendern. Dennoch gilt so gut wie allgemein: Die deutschen Medien verhalten sich Israel gegenüber zumeist sehr opportunistisch. Es fehlt bisher aber eine gründliche empirische Untersuchung zu diesem Thema, die auf realistischen und nicht rein ideologisch-politisch instrumentalisierten Ausgangsbegriffen – etwas zur Frage: was ist Antisemitismus? – beruhen müsste.

Wenn man den deutschen Medien also eine opportunistisch-unkritische Haltung zu Israel und seiner Politik bescheinigen kann, so hat das seinen Grund: Die deutsche Politik gegenüber diesem Staat und so auch die Einstellung der meisten Medien sind auf Grund der deutschen Geschichte philosemitisch. Das klingt auf den ersten Blick positiv, auf den zweiten aber nicht mehr, denn dieser Philosemitismus ist aus mehreren Gründen problematisch. Denn Moral ist unteilbar. Wenn sie das nicht mehr ist, degeneriert sie zur Schein- und Doppelmoral. Wenn die Verantwortung, die notwendigerweise aus den deutschen Verbrechen folgt, sich nur auf Juden und Israel bezieht, also nicht auch universalistisch auf alle Menschen – also auch auf die Palästinenser, dann wird sie fragwürdig. „Moral“, schreibt der deutsche Soziologe Walter Hollstein, „verwandelt sich in Scheinmoral, wenn Praktiken der Gewaltanwendung, Vertreibung und Folter den Israelis zugestanden werden, um sich dergestalt von der eigenen schrecklichen Schuld der Vergangenheit Erlösung freikaufen zu können.“

 

Was die Philosemiten nicht sehen oder nicht sehen wollen, ist wie eng Antisemitismus und Philosemitismus zusammen hängen. Der Philosemitismus lässt sich immer aus dem Antisemitismus erklären und ableiten, weil der Philosemitismus seinen Nährboden, aus dem er stammt, immer im Antisemitismus hat. Oder anders gesagt: Im Philosemitismus steckt immer ein nicht überwundener oder verdrängter Antisemitismus. Zwischen beiden besteht eine dialektische Beziehung. Eine klassische Definition dieses Verhältnisses hat der Literaturwissenschaftler Carsten Peter Thiede geliefert: „Der Philosemitismus erweist sich lediglich als eine andere Art des Antisemitismus, da er einerseits die antisemitischen Positionen erst zu bestätigen hat, ehe er sie negieren kann, andererseits aber auch ein Idealbild vom Juden entwirft, das dieser letztlich nicht erfüllen kann und deshalb einem antisemitischen Rückschlag Vorschub leisten muss. Zudem arbeitet der Philosemitismus genau wie der Antisemitismus mit dem Mittel der Stereotypisierung. Statt der Auflösung ergibt sich lediglich eine spiegelbildliche Verkehrung.“

 

Es ist der deutsch-jüdische Philosoph Ernst Tugendhat, der immer wieder darauf hingewiesen hat, wie eng Antisemitismus und Philosemitismus zusammenhängen und wie sehr der Philosemitismus das Verhältnis zu Juden verfälscht. Er schreibt: „Wenn man es verbietet, bestimmte Menschen oder eine Nation kritisieren zu dürfen, gewinnt man ein unfreies Verhältnis zu ihnen, man wickelt sie gewissermaßen in Watte. In Wirklichkeit lässt sich Kritik von Antisemitismus klar unterscheiden. Antisemit ist, wer Juden schon als solche, einfach weil sie Juden sind, für schlecht hält. Wer hingegen Juden, nur weil sie Juden sind, für gut, für nicht kritisierbar erklärt, ist, was man als einen Philosemiten bezeichnen kann. Es ist leicht zu sehen, dass der Philosemitismus in der Befürchtung gründet, als Antisemit zu erscheinen und also im Antisemitismus seinen Grund hat. Man kann sich vom Antisemitismus nicht befreien, indem man Juden nicht für kritisierbar hält, sondern nur, indem man sich zu ihnen wie zu normalen Menschen verhält, die wie alle Menschen je nach den Umständen, in dem, was sie tun, kritisiert und gelobt werden können.“

 

Tugendhat hat sich auch eingehend mit dem Problem der deutschen Schuld gegenüber den Juden und dessen Auswirkung auf das deutsch-israelische Verhältnis beschäftigt und geht deshalb in seiner Kritik am Philosemitismus noch weiter. Er stellt fest: „Wird Schuld nicht bewusst aufgearbeitet, dann kann man mit ihr nicht rational und kontrolliert umgehen. Was aber zur Folge hat, dass man sich seinem Gegenüber so verhält, dass man alles tut, was er glaubt, was man zu tun hätte. Man gibt also die Autonomie des eigenen Urteilens preis, und das Gegenüber hat so die Chance, die Schuld zu manipulieren.“ Tugendhat schreibt weiter: „Es gibt Menschen und auch Staaten, die auf dem irrationalen Schuldgefühl eines anderen virtuos wie auf einem Klavier spielen können. So tun es auch die Israelis mit den Deutschen.“   Man kann dieser Schuld nur entgehen, wenn diese Schuld rational aufgearbeitet wird. Dann besteht nicht mehr die Notwendigkeit, sich den – u.U. auch irrationalen – Wünschen des anderen zu unterwerfen. Der Handelnde behält dann sein autonomes Urteilsvermögen. Die Frage lautet dann: Wie kann ich dem anderen helfen? Wo liegen seine Interessen? Tugendhat hat her sehr gut beschrieben, was mit Opportunismus im Verhalten gegenüber Israel gemeint ist.

 

Diese Zusammenhänge scheinen vielen deutschen Journalisten wie auch den verantwortlichen Verlegern und Intendanten nicht bewusst zu sein. Dieses Nicht-Wissen beziehungsweise Nicht-Wissen-Wollen sowie die Angst, in den Verdacht des „Antisemitismus“ zu geraten, hält sie von einer der Realität angemessenen Wahrnehmung der Vorgänge in Israel/Palästina und einer entsprechenden Berichterstattung ab. Wann etwa hätte man in deutschen Medien (Zeitungen, Rundfunk, Fernsehen) eine realistische Darstellung der Praktiken der israelischen Besatzungspolitik gelesen, gehört oder gesehen? Also: Barrikaden und Checkpoints der Armee, Einsätze von Kampfhubschraubern und Düsenjägern gegen Zivilisten, gezielte Ermordungen und militärische Übergriffe wie nächtliche Razzien der Soldaten in palästinensischen Häusern, ständige Verhaftungen von Palästinensern (auch von Kindern), die Praxis der unbefristeten Administrationshaft, die verheerenden Zustände für Palästinenser (zur Zeit 7 000) in israelischen Gefängnissen einschließlich Folter sowie die Zerstörung von inzwischen 60 000 palästinensischen Häusern – ganz zu schweigen vom ständigen Raub palästinensischen Landes für den Bau weiterer Siedlungen.

Welcher deutsche Journalist traut sich angesichts solcher Fakten einmal öffentlich zu fragen: Ist es nicht vollkommen unehrlich so zu tun, als wäre Israels Besetzung nicht selbst ein brutaler Gewaltakt gegen drei Millionen Zivilisten? Im übrigen kann man nicht nur durch eine dieser Realität nicht angemessene Berichterstattung und Kommentierung ein völlig falsches Bild von der israelischen Politik erzeugen, sondern auch durch Weglassen und Nicht-Berichten. Also: Nichts hören, nichts sehen und deshalb auch nichts sagen! Schweigen eben. Die wichtigste Regel, die für die deutsche Berichterstattung über den Konflikt Israels mit den Palästinensern in den Medien gilt, ist: Die Begriffe Judentum, Zionismus und Israel werden grundsätzlich gleichgesetzt, es wird also in der Umkehrung nicht zwischen Antisemitismus, Antizionismus und Kritik an der israelischen Politik unterschieden, was ganz automatisch zu falschen Schlussfolgerungen führen muss.

Ansonsten übernehmen die meisten deutschen Medien unhinterfragt die Grundregeln und Maximen israelischer Politik, die der israelische Anthropologe und Friedensaktivist Jeff Halper einmal so formuliert hat: Israel ist das Opfer des Hasses von Seiten der friedensunwilligen Araber und kämpft um seine Existenz. Der Kern des Konflikts ist der palästinensische Terrorismus. Als friedensliebende Demokratie und Opfer von Aggressionen trägt Israel keine Verantwortung für Entstehung und Andauern des Konflikts. Da die Bedrohung von Israels Existenz existentiell ist und Israels Politik ausschließlich der Sorge um seine Sicherheit gehorcht, ist es jeder Verantwortlichkeit für seine Handlungen gemäß den Konventionen von Menschen- und Völkerrecht oder UNO-Resolutionen enthoben. Es gibt keine Besatzung. Da eine politische Lösung nicht möglich ist, muss bei jeder zukünftigen Regelung die Kontrolle über das ganze Land, einschließlich der Palästinenser, Israel vorbehalten bleiben. Sollte es zu Bildung eines palästinensischen Staates kommen, darf er nicht lebensfähig und nur semi-souverän sein.

Da hier grundsätzlich Täter und Opfer vertauscht werden, führt das im deutschen Journalismus dann oft zu einer ganz eigenen, an George Orwells „1984“ erinnernden Sprache, die man von den Israelis übernommen hat und die kritiklos benutzt wird. Diese Sprachregelungen hat Rainer Rupp kürzlich sehr gut beschrieben: In Ergänzung zu Halper besagen sie kurz zusammengefasst: Die Israelis sind immer die Guten, die sich nur „verteidigen“, wohingegen die Araber (Palästinenser) stets die Bösen und die Aggressoren sind, die offenbar kein Recht haben, Widerstand zu leisten oder sich zu verteidigen. Wenn Palästinenser oder Libanesen israelische Besatzer töten, ist das „Terrorismus“, wenn israelische Soldaten palästinensische oder libanesische Zivilisten töten, ist es „legale Selbst-Verteidigung“. Den Begriffen Hamas und Hisbollah muss grundsätzlich die Bezeichnung „radikal-islamische Terrororganisation“ hinzugefügt werden, die von Iran und Syrien unterstützt werden. Bei der Berichterstattung über Israel dürfen die „besetzten Gebiete, nicht eingehaltene UNO-Resolutionen, Menschenrechtsverletzungen, Genfer Konvention, Apartheid oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ nicht verwendet werden. In jedem Beitrag muss das „Existenzrecht Israels“ erwähnt werden (im Völkerrecht gibt es diesen Begriff allerdings überhaupt nicht), aber niemals darf man von einem „Existenzrecht der Palästinenser“ sprechen. Außerdem muss Israel immer als die „einzige Demokratie im Nahen Osten“ beschrieben werden, wohingegen es sich bei den arabischen Staaten grundsätzlich um „rückständige arabische Diktaturen“ handelt.

Eine solche Berichterstattung und Kommentierung wird dem Konflikt Israels mit den Palästinensern in keiner Weise gerecht, ja sie übernimmt – vielleicht unbewusst – oft sogar den israelischen Rassismus gegenüber den Arabern. Beispiel: Jedem Anschlag eines Palästinensers auf einen Israeli wird breiter Raum eingeräumt, ist zumindest eine Meldung wert. Töten Israelis Palästinenser, wird das in den seltensten Fällen erwähnt. Eine solche Berichterstattung entspricht der völlig einseitig auf Israel ausgerichteten deutschen Politik. Dass diese aber eine große Mitschuld an der Notlage der Palästinenser und am Nicht-Zustandekommen einer gerechten Friedenslösung hat, steht außer Zweifel.

Weitsichtige und universalistisch denkende Juden blicken da sehr viel weiter. So schrieb der frühere Direktor des American Jewish Congress und heutige Präsident des US-Middle East Project Henry Siegman einmal: „Wenn westliche Länder vor dem Hintergrund ihrer Schuld am Holocaust glauben, ihre Hinnahme eines solchen Ergebnisses [dass die Palästinenser angeblich schuld am Nicht-Zustandekommen eines Friedensabkommens sind und so ihre weitere Vertreibung berechtigt ist] sei ein Akt der Freundschaft mit dem jüdischen Volk, so könnte es keinen größeren Irrtum geben. Die Palästinenser aufzugeben, kann keine Sühne dafür sein, die Juden Europas aufgegeben zu haben. Und es würde auch nicht der Sicherheit Israels dienen. Die Erwartung, unkritische Unterstützung werde zu einer größeren Bereitschaft Israels führen, für den Frieden Risiken auf sich zu nehmen, steht im Widerspruch zur Geschichte dieses Konflikts. Diese hat vielmehr gezeigt: Je kleiner der Widerspruch ist, den Israel von seinen Freunden im Westen erhält, desto kompromissloser wird sein Verhalten gegenüber den Palästinensern.“

Wann wird ein deutscher Journalist den Mut haben, ähnliche Sätze zu schreiben?

 

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