oo


Das Palästina Portal

Täglich neu - Nachrichten, Texte aus dem besetzen Palästina die in den deutschen Medien fehlen.

Archiv - Themen - LinksFacebook  - Sponsern Sie  -  Aktuelle TermineSuchen

 

Kostenlos  IST nicht
Kostenfrei

Unterstützen Sie
unsere Arbeit

Texte von Arn Strohmeyer

Omri Boehm ein antisemitisches Buch?
Zionistenschreiben vor, wie an Holocaust zu erinnern.
Tragödie des Zionismus
Palästinenser dürfen in Erinnerungspolitik nicht vorkommen
Genozid wäre besser gewesen
Deutsche Erinnerungspolitik ohne Palästinenser
Plädoyer Ungleichheit der Menschen
Deutschland eine Bananenrepublik?
Situation derPalaestinenser unter zionistischer Besatzung
Ist Banksy ein Antisemit?
Streit um die Kasseler Documenta
Israel ein Apartheidstaat wie Südafrika?
Streit um die Kasseler Documenta
Rezension - Abraham Melzer-  Ich bin (k)ein Antisemit!
Afghanische Sanndalentraeger besiegten USA
Gemeinsame Werte mit einem Apartheidstaat?
Der Welt droht ein neuer Kalter Krieg
Die Antideutschen
Chefs des Springer-Konzerns Mathias Döpfner
„Apeirogon“ des irischen Autors Colum McCann
Lapid - Imagpflege, neue Einsichten?
„1984“ - israelische Cyber-Software“
BDS -  Hoffnung der Palästinenser“
Das Ende einer Illusion
Kampf gegen Windmühlenflügel
Die grüne Kanzlerkandidatin
Palästina in israelischen Schulbüchern
Die Nakba soll zu Ende gebracht werden
Westliche Propaganda - Aufteilung der Welt in Gut+ Böse
Die Jerusalemer Erklärung - Antwort auf die IHRA
Werder Bremen übernimmt die IHRA-Definition
Joseph Melzer - Ich habe neun Leben gelebt.
Holocaustgedenktag 2021
Inhalt der BDS-Resolution nicht erwähnen
Bücher - Positionen zum israelbezogenen Antisemitismus
Kariere von Sawsan Chebli
Martialisches Erinnern
Das zynische Angebot
Omri Boehms - liberaler und humaner Zionismus!
Omri Bohm - Israel - eine Utopie
Darstellung des Zionismus  für Israels Politik Problem
Zionismus untergräbt Werte des Judentums
Gaza ist Überall!
Israel und das Apartheid-Südafrika
Fall Achille Mbembe kein Einzelfall
Eine deutsche Debatte im Jahr 2020
Achille Mbembe - Eigentor von Felix Klein
Was trägt Israel  zum Judenhass bei?
Antideutsche - Antisemitismus und Nahostkonflikt
Nirit Sommerfeld - Stimme des anderen Israel
Symbol für den Freiheitskampf
Krieg gegen das palästinensische Volk
Treueschwüre für einen Besatzerstaat
Zur Kriegsgefahr im Nahen Osten
Der  ideologische Blick auf Israels Geschichte
Kein Friedensstern über Bethlehem
G. Hanloser - Abgesang auf die Antideutschen
Bundesregierung will Hisbollah verbieten
Jürgen Todenhöfer - Die große Heuchelei
Spiegel - zu Israel-kritischer Positionen kein Wort
Gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“
Hungert sie aus!
Das Beispiel Dr. Dr. Marcus Ermler
Hans-Jürgen Abromeit sagt die Wahrheit
Israel zieht belastende Dokumente aus dem Verkehr
Definiert Israels Regierung was Antisemitismus ist
Der Kushner-Plan -Totgeburt
Israels Politik -  zynisch, autoritär und reaktionär
Bremen verweigert Kritik an Israel
Wahlen ohne Opposition und Alternative…
Man unterscheidet zwischen "guten" und "bösen" Juden
BDS-Aktivisten auf „Krawall“ reduziert
Israel Siedlungen auf dem Mond?
Die Mauer als Symbol des Scheiterns
Wider den Mainstream
Triumph des moralischen Nihilismus
Mythos - Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern
Frieden auf Erden“ –  nicht in Palästina
Zensur der evangelischen Kirche
Lehrer nach Yad Vashem
Evangelische Kirche und Israels Unrechtspolitik
Hysterie bis zur Paranoia
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Bremer Innensenator Mäurer hat Recht
Die „Israelisierung der Welt“
Trumps "Deal" Verrat an Palästina
Wikipedia ist der Manipulation überführt
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Juden und Muslime in Auschwitz
Israels Sanktionen - Iran
Zum Tod von Felicia Langer
„WerteInitiative“  - Schlag gegen Bettina Marx
Stopp gegen Antisemitismus-Hysterie
Palästina - Realität wird zum Tabu
Tom Segevs Ben Gurion-Biographie
Deutschland, Israel + der Antisemitismus:
Präsident Abbas‘ missverständliche Rede
Unterstützung Arbeit Antisemitismus-Beauftragten
Die inszenierte Hysterie
Entstehung Israels als Heldenepos
70 Jahre Israel – 70 Jahre Siedlerkolonialismus
Skandalöse Geschichtsklitterung
Heiko Maas  in Israel
Was für ein Staat!
Heiko Maas - Kniefall nach Israel
Meinungsfreiheit für Palästinenser in Bremen
Rolf Verleger - Hundert Jahre Heimat_Land
Israel hat den Frieden nie gewollt.
Weihnachten 2017
Gefängnisstrafen und Sippenhaft
Nimmt der Antisemitismus zu?
Stramm hinter Trump
Hermann Kuhn demonstriert  Nichtwissen
Deutsche Kampfflieger über Israel
„Sie weichen den wirklichen Problemen aus“
Rezension - Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher
Rezension - Abraham Melzer: Mit Feuer und Blut
Die kopernikanische Wende
Martin Schulz Kotau vor der Israel-Lobby
„1984“ auf israelisch
Rückfall in die Vormoderne
Michael Wolffsohn hat sich disqualifiziert
Rezension - M. Peled - Der Sohn des Generals
Analysen des antizionistischen Isaac Deutscher
Film - Der Hass auf Juden in Europa
14. Dokumenta - Ahlam Shibli
Michael Lüders Buch „Die den Sturm ernten“
Jenseits aller Wirklichkeit
„Im Gefängnis, weil  Palästinenser“
Das Lehrbeispiel BDS
DIG Aufruf gegen Kritiker
Broder - BDS + die Endlösung
Zwischen „Lügen- “ und „Lückenpresse“
Frieden auf Erden... nicht im Heiligen Land
Ist Deutschland eine Bananenrepublik?
Hat Jakob Augstein der Mut verlassen?
Israel-Berichterstattung - doppelte Standards
Propaganda-Lügen gegen den Frieden
Antisemitismus – „Missverständnis der Geschichte“?
Wann ist Kritik an Israels antisemitisch
Die Lobby schlägt zu
Geheimsache Heron TP
Claude Lanzmann -  Palästina-Konflikt
Die Israel-Lobby und die HAWK
Ein Humanist?
„Die Hamas ist an allem schuld“
Ein Krieger und Verächter des Völkerrechts
Proteste und Demonstrationen nicht Antisemitisch
Der Streit um Israels „Existenzrecht“
„Journalismus“ á la Benjamin Weinthal
„Methodisch betriebener Wahnsinn“
Dank an Benjamin Weinthal
Albert Einstein muß als Zeuge herhalten
Wenn Weinthal wieder einmal zuschlägt ...
Rezension von  Kurt O. Wyss
Noch mehr Israel-Kritiker geschafft
Interview mit Abdallah Frangi
Benjamin Weinthal verhindert Vortrag Arn Strohmeyer
„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?
Ein Weihnachtswunsch
Abraham Melzers Buch „Israel vor Gericht“
Rezension - Petra Wild: Die Krise des Zionismus
Gipfel der Absurdität
Daniel Killy diffamierte seinen früheren Arbeitgeber
Rezension - Die Hölle von Gaza - Spiewak
Rote Karte für Israel!
Der Antisemitismus-Vorwurf als Rufmord
Ist Israel ein verrückter Staat?
„Oslo war ein Kapitulationsabkommen“
Rezension - Ilan Pappe -  „Die Idee Israel"
Wenn eine Jüdin den Zionismus kritisiert...
Leseprobe 3 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 2 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 1 - Antisemitismus – Philosemitismus
Inhalt - Antisemitismus – Philosemitismus
Buch - Antisemitismus – Philosemitismus
Kontrolle über Israels Atomwaffen?
Rezension - Sven Severin: Shalom ist nicht Frieden.
Werte der USA und Europas Doppelmoral
Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba
Rezension - Israel – Im permanenten Kriegszustand
Zwischen Doppelmoral und Lebenslügen
Die Herren über Leben und Tod
Dauerbrenner Antisemitismus
Weglassen, vertuschen und manipulieren
Napoleoni - Die Rückkehr des Kalifats.
Presseboykott gegen  Nakba-Ausstellung Bremen?
Der Streit um die historische Wahrheit
Am besten das Völkerrecht abschaffen.
Anschläge Paris - Stunde der Heuchler
Die Legenden von den vertriebenen Juden
Linkspartei und die Verletzer der Völkerrechte
Für Israel Frieden unmöglich.
Zionismus vor seinem historischen Ende?
Antisemitismus-Gefahr als politische Waffe
Eine genau kalkulierte Kampagne
„Ein Massaker schlimmsten Ausmaßes!“
Dieter Graumann und die westlichen Werte
Willkommener Anlass
Die EU als zahnloser Papiertiger
Antisemiten überall
Uri Avnery relativiert die Nakba
H. Baumgarten - Kampf um Palästina
Ein bedeutender Schritt zur Versöhnung
Bremer Evangelische Kirche -  Frieden Nah Ost
„Warum provoziert Ihr Israel immer so?“
Interview mit  Reuven Moskowitz
Israels große Propagandainszenierung
Unkritische Unterstützung Israels.
Tumulte in der Knesset
Rezension - Israel kontrovers
Ariel Sharons brutale Gewaltpolitik
Neuerscheinung Ilan Pappes Buch?
Ilan Pappe - „Eethnische Säuberung Palästinas
Schweigen der Christen im Nahen Osten
Feldmans Film „The Lab“
Mythos - Vertreibung der Juden
Rezension - Viktoria Waltz -  „Monopoly“
Shlomo Sand - Ich steige aus.
Palästinenser Testpersonen für Rüstungsindustrie
Israel steht unter Verdacht
Rezension - Buch Ekkehart Drost
3. Israelkongress in Berlin
Die Angst vor der Wahrheit
Was kommt nach dem Zionismus?
Führt Obama Israels Krieg?
Haben nur Palästinenser „Blut an den Händen“?
Ein Bantustan-Staat für die Palästinenser?
Zionismus + arabischer Antisemitismus
Ethnische Säuberungen
Juden unerwünscht?
Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen!“
Nachruf auf Stéphane Hessel
Streit um Augsteins „Antisemitismus“ geht weiter
Zerstört Israel sich selbst?
Broders taktischer Rückzieher
Solidarität mit Jakob Augstein!
Sollen Patriot-Raketen Israel schützen?
Von der Macht der Denunzianten
Rezension Rudolph Bauer - Wer rettet Israel
Netanjau in Berlin zum völlig falschen Zeitpunkt
Mit der UNO auf Kriegsfuß
Generalangriff auf die Mythen des Zionismus
Gaza - Schweigen die Waffen?
"Sicht der Armee  kein ethisches Problem“
Erwiderung auf Charlotte Knobloch
Atmosphäre der Angst
Keine Chance für die Vernunft?
These vom Mord an Arafat
„Hier wird Israel pauschal diffamiert“
D. Barenboim:„Nur ein Psychiater kann  helfen!“
In Nibelungentreue an Israels Seite?
Merkels abenteuerlicher Kriegskurs
Der Dichter, Israel und die Denkverbote
Genug der Heuchelei! - Günther Grass
Auf Mythen keinen Frieden aufbauen
Brief an Ralph Giordano
Ilan Pappe -  Wissenschaft als Herrschaftsdienst
Nazi-Analogien in Israel
Interview mit Abdallah Frangi
Abdallah Frangi - Der Gesandte
Israeltag 2011 - Bremer Schulen
Ein Akt historischer Gerechtigkeit
Israel-Propaganda an deutschen Schulen ?
„Boykott ist eine absolute Notwendigkeit“
Rezension - Finkelstein „Israels Invasion in Gaza“
Die Partei „Die Linke“ + das Existenzrechts Israels
„Wir wollen die ganze Region befreien“
Ergänzung - Brief Bürgermeister Jens Böhrnsen
Offener Brief - Bürgermeister Jens Böhrnsen
Helmut Schmidt + R. von Weizsäcker Antisemiten?
Sind Boykottaktionen antisemitisch?
Boykott gegen Früchte aus Israel
Stéphane Hessel - Empört Euch!
Todenhöfer - Warum tötest Du, Zaid?
Arabische Aufstände düpieren den Westen + Israel
Verzweifeln an Israel
In der Falle der Stammesideologie
Wer glaubt an Friedensbotschaften
Kotau vor Merkels Nahost-Politik
Wie man Antisemiten produziert
Im Gleichschritt mit Israel?
Was ist Antisemitismus
Gibt es  "neuen" Antisemitismus? - Klug Brian
Was sind "jüdische Gene"? - Thilo Sarrazin
Zionistischer Angriff auf Wikipedia
Moshe Zimmermann: Angst vor Frieden
Verwirrung der Begriffe?
Offener Brief  Weser-Kurier-Artikel - 16. 06. 2010
Iris Hefets gewann Prozess gegen Lala Süsskind
Mordaktion nach Piratenmanier
Israel will keinen Frieden
Solidarität mit Iris Hefets!
Sieg der Spermien und Gebärmütter
Hajo Meyer - Radikale Kritik am Zionismus
Interview mit Norman G. Finkelstein
Gespräch mit Yehuda Shaul
Interview mit Yahav Zohar
Broder - Aufklärung + Untergang
„Israel streut der Welt Sand in die Augen“
„Hitler besiegen“
Interview mit Moshe Zuckermann
Bethlehem 2008
Volk ohne Hoffnung
Brief Präsidium J. G. Bremen
Interview Felicia Langer

 

TRANSLATE

 


 

"Der Zionismus muss ideologisch abrüsten"

Anmerkungen zu Ilan Pappes Buch
"Wissenschaft als Herrschaftsdienst. Der Kampf um die akademische Freiheit in Israel"

Arn Strohmeyer, Januar 2012


 

"Die zionistische Interpretation der Welt ist derartig schlüssig, dass sie für die jüdischen Bürger Israels ein geschlossenes 'Gedankengebäude' errichtet und als solches die Koordinaten ihres Denkens bestimmt. Unter diesen Umständen kann nur jemand, der außerhalb dieses 'Gedankengebäudes' steht und hineinschaut, klar sehen (so wie einige wenige hellsichtige, fortschrittliche Leute am Rande der israelischen Gesellschaft), was eigentlich vor sich geht, die selbstdestruktiven Aspekte Israels identifizieren und eine rationale Kritik vorbringen. Natürlich wird in den Ohren eines entschiedenen Israel-Ideologen, der gefangen ist im Innern dieses Gedankengebäudes, eine solche Kritik völlig abwegig und gefährlich klingen."

So beschreibt der amerikanisch-jüdische Historiker Lawrence Davidson die mentale Situation der meisten Israelis. Es versteht sich von selbst, wie schwierig es ist, sich aus einem solchen System zu lösen, mit dem man durch Sozialisation von Kindertagen an völlig vereinnahmt ist. Der israelische Historiker Ilan Pappe hat als Individuum und als Historiker genau das hinter sich gebracht und eine Position erreicht, von der aus er - wie Davidson schreibt - außerhalb des zionistischen "Gedankengebäudes" steht und dieses rational analysieren und interpretieren kann. Den äußerst schwierigen Weg dorthin beschreibt er in seinem neuen Buch "Wissenschaft als Herrschaftsdienst. Der Kampf um die akademische Freiheit in Israel."

Pappe, der aus einer deutsch-jüdischen Familie stammt, die in den dreißiger Jahren nach Palästina auswanderte, beschreibt seinen Abschied vom Zionismus als "Reise ohne Wiederkehr": "So mächtig der zionistische Zugriff auf die Gedanken und das Leben eines israelischen Juden sein mag, hat man sich einmal diesem Zugriff entwunden, so kann man nicht mehr verstehen, wie man jemals von seinen Verlockungen, seiner Logik oder seiner Vision fasziniert sein konnte. Dieses Buch ist ein bescheidener Versuch, die löchrige Ideologie zu entschlüsseln, die dem Autor einst als Ausdruck reiner Menschlichkeit, nachdem er sie aber aufgegeben hatte, als eine rassistische und sehr bösartige Moral- und Lebensphilosophie erschien."

Am Beginn dieser "Reise ohne Wiederkehr" stand für Pappe die Entdeckung der flagranten Widersprüche des Zionismus. Aus noblen Impulsen entstanden - der Suche der jüdischen Führung nach einer Zuflucht für die durch den europäischen Antisemitismus gefährdete Gemeinschaft und dem Wunsch, das Judentum in einer säkularisierten Form (eben national) neu zu definieren - musste er diese ehrenvollen Motive in dem Augenblick verlieren, in dem Palästina als territoriales Ziel gewählt wurde. Damit - so Pappe - wurde das zionistische Projekt ein kolonialistisches. Die Formel für das Unternehmen war einfach: Damit das zionistische Projekt in Palästina Erfolg haben kann, muss die Bewegung so viel palästinensisches Land wie möglich übernehmen und sicherstellen, dass so wenige Palästinenser wie möglich darauf zurückbleiben.

Schon beim Gründer der Bewegung, Theodor Herzl, sieht Pappe diese Entwicklung vorweggenommen. In seinem utopischen Roman "Altneuland" findet sich keine einzige Überlegung über das mögliche Schicksal der einheimischen Bevölkerung Palästinas. Sind die unterworfenen Menschen im klassischen Kolonialismus des 19. Jahrhunderts noch irgendwie vorhanden - als unsichtbare, ausgebeutete, rechtlose und marginalisierte Wesen - so ist die arabische Bevölkerung Palästinas, abgesehen von einer kleinen Minderheit, in Herzls Roman völlig verschwunden, nicht mehr existent. Sie sollten, wie er in seinen Tagebüchern schreibt, "diskret" und "vorsichtig" über die Grenze vertrieben werden. Der Zionismus - eine Synthese aus deutsch-romantischem Nationalismus und Kolonialismus - setzte Herzls Vision aber keineswegs "diskret" und "vorsichtig" um, sondern 1948 mit der realen Politik einer ethnischen Säuberung, die die Palästinenser die "Nakba" (Katastrophe) nennen. Pappe hat diese Vertreibung der einheimischen Bevölkerung in seinem bahnbrechenden Buch "Die ethnische Säuberung Palästinas" (2007) im Detail beschrieben.

Die Leugnung der "Nakba" im akademischen Diskurs Israels war die wohl wichtigste Station auf dem Weg Pappes hin zum Abschied vom Zionismus: "Die akademische Perspektive in Israel löschte die Nakba als historisches Ereignis aus und hinderte israelische Gelehrte und Akademiker daran, die allgemeine Verleugnung und Verdrängung der Katastrophe außerhalb der universitären Elfenbeintürme in Frage zu stellen." Wie wichtig diese Frage aber nicht nur für die israelische Historiographie, sondern auch für die aktuelle Politik Israels ist, belegt das Flüchtlingsproblem, das eng mit der Frage der Verantwortlichkeit verbunden ist. Denn die palästinensische Frage nach dem Rückkehrrecht basiert auf einer bestimmten Interpretation der Vergangenheit. Die Palästinenser forderten, ihr Narrativ über die Nakba auch mit in die Friedensverhandlungen einzubringen, was in Israel natürlich auf völlige Ablehnung stieß.

Ein weiterer wichtiger Schritt auf Pappes Weg war die sogenannte "Katz-Affäre". Teddy Katz war ein Student an der Universität Haifa. Er hatte eine als exzellent bewertete Master-Arbeit vorgelegt, die die Geschichte des Kibbuz Magal behandelte, aus dem er selbst stammte. Er entdeckte, dass diese jüdische Siedlung auf den Trümmern des arabischen Dorfes Zeyta errichtet worden war, dessen Bewohner jüdische Truppen 1948 vertrieben hatten. Im Rahmen seiner Arbeit stieß er auch auf das Massaker von Tantura, einem Nachbardorf Zeytas, bei dem die jüdische Alexandroni-Brigade am 22. Mai 1948 bis zu 225 Bewohner getötet haben soll. Veteranen dieser Einheit verklagten Katz daraufhin wegen Verleumdung und auf Schadensersatz. Katz konnte seine Behauptungen auf die Aussagen zahlreicher überlebender Palästinenser stützen. Solche mündlichen Aussagen von Palästinensern zählen aber in Israel nicht, wenn es um die eigene Vergangenheit geht - ganz im Gegensatz zu den mündlichen Aussagen von Holocaust-Überlebenden, die als historische Zeugnisse anerkannt werden.

Gegen Katz begann ein Kesseltreiben mit Drohungen und dem Vorwurf, er sei ein "Verräter" und habe sein Material gefälscht. Katz unterschrieb unter diesem Druck eine Widerspruchserklärung und zog sie wenige Tage später wieder zurück. Die Universität lehnte seine Arbeit schließlich ab, sie wurde aus dem Verzeichnis der Magister- und Doktorarbeiten gestrichen. Die Schlussfolgerung war: "Jede kritische Revision des zionistischen Geschichts-Narrativs ist voreingenommen und propalästinensisch und entspricht daher nicht professionellen Standards."

Pappe stellte nun selbst Nachforschungen über das Vorgehen der Alexandroni-Brigade in Tantura an und kam zu der klaren Schlussfolgerung, dass es sich um ein Massaker größeren Ausmaßes gehandelt hat und veröffentliche das Ergebnis seiner Recherchen auch in ausländischen Publikationen. Nun wurde Pappe das Opfer eines Kesseltreibens, das bis zu Morddrohungen reichte. Auch die meisten Kollegen an der Universität schlossen sich dem Mobbing an, sodass seine Situation unerträglich wurde. Die Vorwürfe der Universität gipfelten darin, dass er ihren Ehrenkodex verletzt habe. Pappe verteidigte sich: "In Wahrheit habe ich nicht den Ehrenkodex, sondern die Regeln einer sehr unflexiblen Ideologie verletzt." Es war in israelischen Augen eben ein Verbrechen, ein Massaker zu enthüllen, das von Israelis im Jahr 1948 begangen worden war. Pappe dazu: "Die Tantura-Affäre deckte die Brutalität der ethnischen Säuberung von 1948 auf und verlieh palästinensischen Forderungen nach Entschädigung und Repatriierung Glaubwürdigkeit."

Pappe wurde an der Universität zum "Paria", zur "persona non grata". Er bringt diesen Vorgang auch mit der politischen Stimmung der Zeit in Verbindung: Es war das Jahr 2002, als der Friedensprozess von Oslo endgültig vorbei, die zweite Intifada in vollem Gang war und Ariel Sharon mit seinem Feldzug "Schutzschild" die gesamte Infrastruktur des Westjordanlandes zerstörte. Grundlegende Bürger- und Menschenrechte wurden in Israel eingeschränkt. Pappe erinnert diese Zeit an die McCarthy-Ära in den USA. Gegen ihn wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet, um ihn von der Universität zu entfernen. Er schrieb daraufhin einen Offenen Brief an akademische Freunde in der ganzen Welt und bat um Unterstützung für die Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit in Israel: "... weil die israelische akademische Welt beinahe einstimmig beschlossen hat, die Regierung zu unterstützen und dabei zu helfen, jede Kritik zum Schweigen zu bringen." Die Reaktion in der internationalen Wissenschaftswelt war überwältigend. Hunderte renommierte Akademiker, die Israel der Unterdrückung der akademischen Freiheit anklagten, schrieben Briefe an die Leitung der Universität. Das Verfahren gegen Pappe wurde eingestellt.

Pappe sah nun keine Möglichkeit mehr, in Israel zu leben und zu arbeiten - aber nicht nur wegen der Einschränkung der akademischen Freiheit, sondern auch wegen der Behandlung der Palästinenser, denen nicht nur von der Politik und dem Militär, sondern auch von den meisten israelischen Juden jede Menschenwürde abgesprochen werde. Er schrieb: "Palästinenser können im historischen Palästina keinen Platz haben, wenn sie nicht bereit sind, ohne grundlegende Menschen- und Bürgerrechte zu leben. Sie können Bürger zweiter Klasse innerhalb des Staates Israel sein oder Insassen des Massengefängnisses der Westbank und des Gazastreifens. Wenn sie Widerstand leisten, ist es wahrscheinlich, dass sie ohne Prozess inhaftiert oder getötet werden. Das ist Israels Botschaft."

Pappe sieht das Vorgehen Israels gegen die Palästinenser in diametralen Gegensatz zur jüdischen Ethik, der er sich weiter verpflichtet fühlt und die er als seine "Heimat" bezeichnet. Der Libanon-Krieg 2006 und die militärischen Aktionen gegen den Gazastreifen, bei denen die Armee nicht mehr zwischen zivilen und nicht-zivilen Zielen unterschied, gaben für ihn den Ausschlag. Er verließ Israel und ging an die Universität Exeter in England.

Aber auch dort hat er als Historiker vornehmlich ein Thema: das Jahr 1948 und dessen politische Auswirkungen und Spätfolgen bis heute. Er bleibt dabei, dass die Ereignisse von 1948 direkt mit Israels gegenwärtigem Selbstverständnis, dem Friedensprozess und jedweder zukünftigen Lösung des Nahost-Konfliktes verbunden sind. Die Forschungen zur Geschichte Palästinas stehen deshalb in einem unlösbaren Zusammenhang mit der gegenwärtigen Not der Palästinenser und allen Ansätzen zur Verbesserung der Situation: "Geschichte als ein Aspekt existentiellen Lebens in Palästina und Israel war für mich nicht länger eine abstrakte Idee, sondern eine historiographische und politische Aufgabe ersten Ranges."

Pappe kann sich eine Lösung des Nahost-Konflikts nur mit einer "ideologischen Abrüstung" Israels, d.h. des Zionismus vorstellen. Diese Ideologie ist für ihn identisch mit ethnischer Säuberung, Besatzung und Massakern. Deshalb unterstützt er ausdrücklich politischen Druck auf Israel und die BDS-Aktionen (Boykott, De-Investment und Sanktionen). Seine Vision für die Zukunft ist ein Staat in Palästina, der auf der Gleichheit aller Menschen - Juden wie Palästinenser - in jedem menschlichen und bürgerlichen Aspekt des Lebens aufbaut.

Pappe hat mit seiner Analyse des Nahost-Konflikts und seiner eigenen wissenschaftlichen Position darin ein sehr humanes und anregendes Buch geschrieben, das aufzeigt, wie tief die Risse im ideologischen Gebäude des Zionismus inzwischen sind. Die Mythen, die Israels Staatsideologie bisher getragen haben, sind von Pappe und vielen anderen israelischen "neuen" Historikern längst entmythologisiert und zu Grabe getragen worden. Die Schlacht um die Vergangenheit Palästinas ist so gesehen entschieden, aber die Verbindung von Historiographie und Politik, die Pappe so nachdrücklich anmahnt, steht noch aus. Wie lange noch?


 

 

Ilan Pappe: Wissenschaft als Herrschaftsdienst. Der Kampf um die akademische Freiheit in Israel, Laika-Verlag Hamburg, ISBN 978-3-942281-96-6, 19,90 Euro

 

Zurück | Weiter      Start | oben

 Impressum           Haftungsausschluss        KONTAKT           Datenschutzerklärung             facebook