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Zum 70. Jahrestag des Massakers von Deir Yassin

Wir gedenken heute, am 9. April 2018, dem 70. Jahrestag des Massakers von Deir Yassin.


Vertretung des Staates Palästina in Österreich  - Am frühen Morgen des 9. April 1948 wurde das palästinensische Dorf Deir Yassin (westlich von Jerusalem) mit etwa 600 EinwohnerInnen von 130 Mitgliedern der paramilitärischen Verbände der extremistischen Organisationen Irgun Tzwai Le’umi (IZL) und Lechi angegriffen und eingenommen. Jene BewohnerInnen, die nicht fliehen konnten, wurden getötet, Frauen vergewaltigt, Häuser geplündert und mit ihren BewohnerInnen in die Luft gesprengt.

Die Vorfälle wurden als „Massaker von Deir Yassin“ bekannt. Die genaue Opferzahl kann bis heute nicht eruiert werden, israelische und palästinensische WissenschaftlerInnen sind sich jedoch einig darüber, dass es mindestens hundert Tote gegeben haben muss. Überlebende Männer, Frauen und Kinder wurden durch die King George – Street in West-Jerusalem getrieben, wo sie dem Spott und Hohn jüdischer EinwohnerInnen ausgesetzt waren. 55 Waisenkinder aus Deir Yassin wurden in der Altstadt von Jerusalem sich selbst überlassen, wo sie von Hind Husseini gefunden und in ihr Dar El-Tifl El-Arabi Waisenhaus in Ostjerusalem gebracht wurden.
 
Viele Palästinenser flüchteten aus Angst vor weiteren Massakern, ihre Dörfer und ihr Land wurden von jüdischen Einwanderern übernommen. Die Schockwirkung des Massakers war auch deswegen so groß, weil Deir Yassin als ein "kooperatives" Dorf galt, dessen Bevölkerung versucht hatte, sich mit der wachsenden jüdischen Präsenz friedlich zu arrangieren.
 
Nach Ansicht des israelischen Historikers Ilan Pappe war das Massaker in Deir Yassin Teil einer planmäßigen ethnischen Säuberung, mit der führende jüdische Politiker und Kommandeure (unter ihnen auch der spätere israelische Premierminister und Friedensnobelpreisträger Menachem Begin) die arabische Bevölkerung aus jenen Teilen des Mandatsgebiets vertrieben, die sie für den kommenden Staat Israel vorsahen.
 
Ab dem Sommer 1948 wurde das Dorf planmäßig neu besiedelt und an die Jerusalemer Infrastruktur angeschlossen. Die neuen Bewohner der nun Giw'at Scha'ul genannten Siedlung waren hauptsächlich EinwanderInnen aus Polen, Rumänien und der Slowakei. Heute ist Giw’at Sha’ul Teil von Har Nof, eines jüdisch-orthodoxen Gebietes.
 
Internationale Persönlichkeiten wie Martin Buber, Albert Einstein und Hannah Arendt bezogen Stellung und verurteilten das Massaker von Deir Yassin. So wandten sich prominente amerikanische Juden – unter ihnen Einstein und Arendt – 1948 in einem offenen Brief in der New York Times gegen Menachem Begin und die von ihm gegründete Partei, in dem sie auch Deir Yassin erwähnten:
 
 „(…) Am 9. April griffen terroristische Banden dieses friedliche Dorf an, das kein militärisches Ziel darstellte, töteten die meisten Einwohner (240 Männer, Frauen und Kinder) und ließen ein paar am Leben, um sie als Gefangene durch die Straßen Jerusalems zu treiben. […] Die Terroristen, weit entfernt davon, sich ihrer Taten zu schämen, waren stolz auf das Massaker, machten es weithin bekannt und luden sämtliche Auslandskorrespondenten im Land ein, die Leichenberge und die allgemeine Zerstörung in Deir Yasin in Augenschein zu nehmen. (…)“
 
Bis heute sind große Teile des Materials, das das Heeresarchiv über das Massaker besitzt, darunter Fotos und Zeugenberichte, unter Verschluss. Im Jahr 2010 versuchte die israelische Filmemacherin Neta Shoshani, am Höchstgericht eine Veröffentlichung des Materials zu erwirken. Dies wurde jedoch mit der Begründung, dass dies dem internationalen Ansehen Israels schaden würde, abgewiesen. Shoshani drehte den Dokumentarfilm „Born in Deir Yassin“ und besuchte dazu Zeitzeugen.
 
Deir Yassin sollte nicht das einzige Massaker, begangen von jüdischen Milizen und – in späterer Folge – israelischen SoldatInnen, bleiben. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit wiederholt sich bis heute das Verbrechen, unbewaffnete palästinensische Zivilistinnen und Zivilisten zu ermorden. So wurden in der vergangenen Woche beim gewaltfreien #GreatReturnMarch in Gaza 30 unbewaffnete Palästinenser erschossen und zahlreiche Personen verletzt.   >>>

 


 

Deir Yassin Remembered

 

Born in Deir Yassin (TRAILER)   >>>

 

VIDEO - Deir Yassin: The Agony

 

 

Das Deir Yassin Massaker  >>>
Deir Yassin Massaker - Fotos  >>>

 


 

Mit dem Großen Rückkehrmarsch fordern die Palästinenser ein Leben in Würde  -  Ahmad Abu Rtemah  -  06.04.2018  -  Die Nakba ist nicht bloß eine Erinnerung, sie ist eine fortwährende Realität. Wir können akzeptieren, dass wir alle eines Tages sterben müssen; in Gaza ist die Tragödie die, dass wir nicht leben (können).

In den letzten acht Tagen haben zehntausende Demonstranten in Gaza einen Ort mit Leben erfüllt, der nun langsam davon geleert wird. Wir sind zusammen gekommen, haben skandiert und ein Wiegenlied gesungen, nach dem wir uns alle gesehnt haben -"Wir werden zurückkehren" – und haben alles, was wir noch zu bieten haben, in einem Versuch unser Recht in Freiheit und Gerechtigkeit zu leben dargebracht. Trotz unseres friedlichen Marsches wurde uns mit Wolken von Tränengas und scharfer Munition von israelischen Soldaten begegnet. Leider ist das nichts Neues für die Palästinenser in Gaza, die viele Kriege und eine brutale Belagerung und Blockade durchlebt haben.

In Gaza leben etwa 1,9 Millionen Menschen, von denen 1,2 Millionen Flüchtlinge sind, die während der Errichtung des Staates Israel vor 70 Jahren – für die Palästinenser die Nakba (Katastrophe) - aus ihren Häusern und von ihrem Land vertrieben wurden. Seit Beginn der Belagerung vor fast 11 Jahren hat sich die Aufgabe nur jeden Tag zu überleben als Herausforderung erwiesen. Allein aufzuwachen und sauberes Wasser und Strom zu haben, ist jetzt ein Luxus. Die Belagerung ist vor allem für junge Leute hart, die unter einer Arbeitslosigkeit von 58% leiden. Was schlimmer ist, ist dass all das ein Ergebnis der israelischen Politik ist, die geändert werden kann. Dieses harte und schwierige Leben darf nicht die Realität in Gaza sein.

Es ist als wäre es nicht genug uns vertrieben zu haben; es ist, als müsste die gesamte Erinnerung der palästinensischen Flüchtlinge beherrscht und ausgelöscht werden.

Fischer können nicht weiter als 6 Seemeilen hinausfahren; genügend Fisch zu fangen, um ihre Familien zu erhalten, wird zu einer Herausforderung. Nach Israels Kriegen gegen Gaza von 2008/09, 2012 und 2014 und all den Tötungen inzwischen haben die Menschen nicht einmal die Möglichkeit eines Wiederaufbaus, da Israel seinen Griff auf die Einfuhr von Baumaterial verstärkt hat. Der Zustand der Krankenhäuser ist alarmierend, und Patienten wird selten die Chance einer Behandlung außerhalb (des Gazastreifens) gegeben. Nicht zu erwähnen de ständige Dunkelheit, in der wir leben, fast ohne Strom und sauberes Wasser. Es ist, als wäre es nicht genug uns vertrieben zu haben; es ist, als müsste die gesamte Erinnerung der palästinensischen Flüchtlinge beherrscht und ausgelöscht werden. Ich bin im Flüchtlingslager   >>>

 

 

 

 

 

 

Die Blockade des israelischen Herzens - Gideon Levy - 08.04.2018 - Es ist schwer zu verstehen, dass man auf zehntausende Menschen in ihrem Käfig schaut und sie nicht sieht. Wie ist es möglich, auf diese Demonstranten zu schauen und nicht das Desaster zu sehen, das zuallererst von Israel gemacht ist?

Diesmal gibt es keine Qassam-Raketen, keine Messer, nicht einmal Scheren. Es gibt keinen Terror außer "Autoreifen-Terror" und den "Terror-Marsch", wie es die Tageszeitung Israel Hayom groteskerweise nennt. Dieses Mal ist der Protest kein gewaltsamer.

Israel sieht auch das nicht. Es sieht nicht das Weiße in den Augen der Demonstranten, es sieht sie nicht als menschliche Wesen; es sieht nicht ihre Verzweiflung; es sieht nicht die Bitterkeit ihres Schicksals. Wenn die nächste Naturkatastrophe irgendwo passiert, wird Israel ein Hilfsteam schicken und alle werden Israels "jüdisches" Mitgefühl und seine Menschlichkeit rühmen. Niemand kann aber die Hartherzigkeit leugnen, die es befallen hat, und die so hart ist, dass sie Menschlichkeit und Mitgefühl hindert das Herz zu erreichen, das ganz vernarbt und permanent blockiert ist.

Welches Vergnügen war es wieder am Freitag, als Journalisten und Experten wetteiferten, wer der Originellste ist. Einer twitterte, die Palästinenser hätten Goodyear-Reifen verbrannt, ein anderer, dass Hamashäupter wegen ihres Asthmas weggeblieben wären. Einer schrieb über den "Supertanker", ein Feuerlösch-Flugzeug, das Israel zur Bekämpfung von landesweiten Bränden 2016 herein gerufen hatte. Jemand postete ein Foto von einem Demonstranten mit Swastika und schrieb dazu: "Charmante Leute, um mit ihnen Frieden zu schließen." Ein "moderater" Kommentator sagte, weit unter seinem berühmten intellektuellen Niveau, im Fernsehen, das sei ein "unvernünftiger Protest" gewesen. Sie alle lobten wie gewohnt die Armee wegen ihrer Leistung: Keine hat die Grenze überquert. Der Staat ist von seiner Vernichtung gerettet worden. Weiter so, Israelische Verteidigungskräfte.

Während Witzleien und Schulterklopfen auf sozialen Medien die Runde machten, rannten 20.000 verzweifelte Gazaner im Sand nahe dem Grenzzaun herum, der sie einsperrt und schrien um Hilfe. Sie trugen Lumpen, die meisten waren junge Leute, von denen etwa 65% arbeitslos sind, sie atmeten im schwarzen Rauch der (brennenden) Reifen und wußten, dass ihre Vergangenheit, ihre Gegenwart und ihre Zukunft noch schwärzer ist. Einige hielten das letzte Produkt der Waffenindustrie von Gaza: Spiegeln. Schlafzimmerspiegel, Badezimmerspiegel sollten die Scharfschützen blenden. Solch amüsante Schauspiele hat man hier schon lange nicht gesehen: 1.350 Menschen wurden verwundet, 293 von ihnen mit scharfer Munition, 20 von ihnen sind in kritischem Zustand. Neun Leichen bis Samstag früh.

Die meisten passten auf, nicht die Todeslinie zu überqueren, so wie es in Ost-Deutschland war. Die Ost-Deutschen schossen auf jeden, der versuchte das Land zu verlassen, es war erschreckend; die Israelis schossen auf jeden, der sich ihrem Grenzzaun näherte, und es ist amüsant. Bald könnte dort ein elekrtischer Zaun sein, der die Scharfschützen der Armee überflüssig macht.

Unter den Getöteten war Hussein Mohammed Madi, ein 16-jähriger Junge, und ein Nachrichten-Fotograf mit einer kugelsicheren Weste mit der Aufschrift "Presse" in Englisch, die ihn überhaupt nicht vor den moralischen Armee-Scharfschützen schützte, die seine Brust trafen. Vielleicht konnten die Scharfschützen nicht Englisch lesen. Yaser Murtaja war 30 und nie aus dem Gazastreifen gekommen. Vor kurzem hatte er ein Foto gepostet, das den Gazastreifen aus Vogelperspektive zeigt. Murtaja schrieb, sein Traum wäre, ein solches Foto aufzunehmen. Jetzt wird vielleicht sein Traum vom Himmel aus wahr. Bei seinem Begräbnis am Samstag war sein Körper mit der blauen Journalisten-Weste bedeckt. Er war nicht der einzige Journalist, auf den die Scharfschützen der Armee am Freitag schossen. Sechs weitere wurden verwundet. Ihr Blut ist nicht röter als das von allen andern, aber die Tatsache, dass auf sie geschossen wurde, beweist, dass die Scharfschützen der Armee wahllos feuern und bei ihren Opfern nicht wählerisch sind.

Und all das führte zu schlauen Kommentaren in sozialen Medien und Komplimenten für die Armee in der Presse. Es ist schwer zu verstehen, wie jemand auf diese Demonstranten schauen kann und das Desaster nicht sieht, das zuallererst die Armee angerichtet hat. Wie können wir uns freisprechen, alles auf die Hamas schieben und nicht schockiert sein angesichts des Blutes von Unschuldigen, das IDF-Soldaten vergossen haben. Wie kann ein früherer Geheimdienstchef von Shin Bet zu einem wachsenden Protest wegen einer nichtssagenden Rede des Premierministers in einer ebenso nichtssagenden Zeremonie aufwiegeln, während dieses Massaker kaum zu einem Schluckauf geführt hat?

Diesmal gab es keine Qassam-Raketen, keine Messer, nicht einmal Scheren. Es gibt keinen Terror außer "Autoreifen-Terror" und dem "Terror-Marsch", wie die Tageszeitung Israel Hayom es nennt. Dieses Mal ist der Protest nicht gewaltsam.

Israel sieht auch das nicht. Es sieht nicht das Weisse in den Augen der Demonstranten, es sieht sie nicht als menschliche Wesen, es sieht nicht ihre Verzweiflung; es sieht nicht die Bitterkeit ihres Schicksals. Wenn die nächste Naturkatastrophe irgendwo passiert, wird Israel wieder ein Hilfsteam schicken, und alle werden Israels "jüdisches" Mitgefühl und seine Menschlichkeit rühmen. Aber niemand kann die Hartherzigkeit leugnen, die es befallen hat, die so hart ist, dass sie Menschlichkeit und Mitgefühl daran hindert, das Herz zu erreichen, das ganz vernarbt und permanent blockiert ist.        Quelle               Übersetzung: K. Nebauer

 


Dokumentation -  2018 -  Gaza - 2018 - Gaza - Der "Große Rückkehrmarsch"    >>>

 

 

Brief aus Gaza - Prof. Abed Schokry - Sehr geehrte Damen und Herrn - Liebe Freundinnen und Liebe Freunde, Gaza am 8. April, 2018 Ich bin verzweifelt und ich bin auch wütend.

Gaza wehrt sich gegen die unmenschlichen Lebensbedingungen, gegen die völkerrechtliche Abriegelung, die den Gazastreifen zu einem Gefängnis für zwei Millionen Menschen macht. Initiiert wurden die Proteste von verzweifelten Menschen, an denen an beiden Wochenenden jeweils 20 000 - 30 000 teilnahmen.

Einer der Initiatoren ist der 43 Jahre alte Lehrer AI-Kurd, der anlässlich der alljährlichen Erinnerung an Flucht und Vertreibung der Palästinenser durch die Israelis bzw. wegen der Staatsgründung Israels auf die desaströse Situation der eingesperrten Menschen im Gazastreifen aufmerksam machen will. Das Aufbegehren der Bewohner in diesem abgeriegelten Küstenstreifen kam aus der Mitte der Gesellschaft.

In einem friedlichen Protest zogen die Menschen Richtung Grenze, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, um die Welt wachzurütteln. Fahnen der Hamas (oder anderen politischen Gruppen) waren weit und breit nicht zu sehen, wenn sich auch Mitglieder der Hamas (und Fatah) dem Protest angeschlossen haben. Die Weltpresse, ganz besonders auch in Deutschland verdreht diese Tatsache und beschuldigt die Hamas, die Proteste initiiert und gesteuert zu haben. Die Medien behaupten die Hamas habe die Jugendlichen mit Steinen und brennenden Autoreifen an den Zaun geschickt, um in dieser geradezu lächerlichen Unterlegenheit gegen eine der am höchsten gerüsteten Armee der Welt vorzugehen.

Übrigens, die Hamas, deren Politik auch von Menschen in Gaza kritisiert wird, wird in den deutschen Medien dämonisiert, indem ihr immer das Etikett „radikal islamisch oder islamistisch" angehängt wird. Ich habe in Deutschland gelebt und weiß, dass mit dem Wort „radikal" nichts Gutes verbunden wird. Und viele Menschen wittern beim Wort „islamisch" oder „Islam" schon so etwas wie Gefahr. Mit dieser Etikettierung werden wir alle in Gaza zu latent gefährlichen Menschen. So funktioniert die Sprache, denke ich.

Ich bin wirklich erstaunt, dass die Menschen in Deutschland und anderswo glauben, dass wir die Existenz Israels bedrohen könnten. Opfer und Täter werden absichtlich verwechselt. Heute sind WIR die Opfer. Ich glaube, das will man in der Welt nicht sehen, weil die historische Schuld, die die Welt und ganz besonders Deutschland zu tragen hat, es nicht erlaubt zu sehen, dass heute uns Palästinensern großes Unrecht zugefügt wird. UNS wurde das Land geraubt, WIR wurden vertrieben, WIR leben eingezäunt wie „wilde Tiere" unter menschenunwürdigen Bedingungen.

Ich bin realistisch, was uns genommen wurde, werden wir wahrscheinlich nicht zurückbekommen. Aber warum betrachtet die Welt unseren Wunsch nach 70 Jahren in unser Land zurückzukehren als unerhört und unverschämt, den Anspruch der Israelis nach 2000 Jahren dahin zurückzukehren, wo sie einst gelebt haben aber als völlig legitim? Wie kann es sein, dass übersehen wird, dass sich innerhalb von 2000 Jahren die territorialen Verhältnisse geändert haben? Wie kann es sein, dass die Vertreibung und Flucht der Palästinenser aus ihren Häusern, von ihren Grundstücken, aus ihrer Heimat, in der sie Jahrhunderte gelebt haben, nicht einmal thematisiert wird. Und wie kann es sein, dass die Welt der Landenteignung durch die Siedler meist stumm zuschaut oder sie sogar akzeptiert? Mit welchem Recht geschieht mir und uns das alles?

Wenn wir heute auch nur ein menschenwürdiges Leben fordern, wird auf uns in Gaza geschossen, werden wir in der Welt als Terroristen bezeichnet, können die israelischen Soldaten auf uns schießen, ohne dass es einen Aufschrei in der Welt gibt. Das Vorgehen der israelischen Soldaten wird gebilligt, einmal abgesehen, von kaum hörbaren Ermahnungen, die die Israelische Regierung sowieso nicht interessieren, ganz egal, ob laut oder leise vorgetragen.

Um diesen völkerrechtswidrigen und unmenschlichen Zustand zu erhalten, schießen die Scharfschützen nach Angaben der israelischen Armee gezielt auf Palästinenser, die angeblich versuchen, den Grenzzaun zu beschädigen. Man muss es sich einmal vorstellen, die Beschädigung eines Zaunes berechtigt zum Schusswaffengebrauch. Eine nationale Grenze besteht nicht zwischen dem Gazastreifen und Israel, denn Grenzen in diesem Sinn bestehen nur zwischen souveränen Staaten. Israel hat eine lückenlose Sperranlage mit einem Zaun, Pfosten, Sensoren und Pufferzonen um den Gazastreifen gelegt. Eine von Israel angelegte sogenannte Sicherheitszone ist 300 Meter breit. Hier herrscht Schießbefehl wie früher an der Berliner Mauer. Dieser Bereich ist nicht deutlich markiert. Auf bzw. hinter einem aufgeschütteten Sandwall liegend haben die Soldaten an den vergangenen Freitagen in die Menge der Protestierenden geschossen, die sich mindesten 300 Meter entfernt dem Zaun auf dem Gebiet des Gazastreifens befanden. Offenbar konnten sie aus dieser Entfernung genau erkennen, wer ein Terrorist war, der möglicherweise einen Stein 300 Meter weit werfen und sie in Gefahr bringen könnte. (Entschuldigen Sie meine Ironie!) Eine unterirdische Mauer befindet sich übrigens im Bau. Gut beschrieben finden Sie die Situation bei Wikipedia unter dem Stichwort ,,Sperranlage um den Gazastreifen".

Am Karfreitag, den 30. März und am Freitag, den 6. April wurden zusammen mindestens 31 Palästinenser getötet und mehr als 2800 verletzt, sehr viele von ihnen erlitten Schussverletzungen. Allein am vergangenen Freitag, den 6.4. wurden 491 Menschen durch gezielte Schüsse verletzt, darunter auch Frauen und Kinder. Einige schweben in Lebensgefahr, viele der Überlebenden mussten an ihren Extremitäten amputiert werden. Kaum können die Verletzten angemessen versorgt werden, weil es an medizinischem Material fehlt. Verletzungen erlitten sehr viele Menschen durch Tränengasbomben, die von Drohnen abgeworfen wurden.

Was war das „Verbrechen", auf das Israel mit ihrer militärischen Übermacht reagierte? Ist es ein „Verbrechen", wenn 30 000 und mehr Menschen gegen die unerträglichen Lebensverhältnisse protestieren?

Sollen wir schweigen, wenn wir seit mehr als 10 Jahren in einem Gefängnis leben müssen?  >>>

 

 

 

 

Schriftsteller und Künstler im Gaza-Krieg - Verlorene Sprache - Krieg verändert Gesellschaften und Kultur ist einer der Gradmesser. So auch im Nahen Osten, wo Künstler und Intellektuelle derzeit zwischen Resignation, innerer Emigration, Kritik, Wut, Trauer und Hoffnung schwanken. Ulrike Schleicher informiert.

So radikal wie Sayed Kashuas Haltung hat bislang niemand reagiert: Vor rund zwei Wochen verließ der israelisch-arabische Schriftsteller und Kolumnist der Zeitung "Haaretz" seine Heimat. Was als befristeter Aufenthalt in den USA gedacht war, wurde zum Abschied für immer. Ein Grund ist der Krieg, den Israel gegen die Hamas in Gaza führt. Dieses Mal mit einer Härte, die den Tod vieler unschuldiger Menschen in Kauf nimmt. Aber mehr noch ist es die hasserfüllte Stimmung im eigenen Land, die ihn nach 25 Jahren Schreiben "in der Hoffnung, dass eine Koexistenz möglich ist", schließlich zur Aufgabe seines Traumes zwang. "Wenn jüdische Jugendliche durch die Straßen ziehen und den Tod von Arabern fordern, nur weil sie Araber sind, dann habe ich meinen eigenen kleinen Kampf verloren", beschreibt der 39-Jährige seine Gefühle in einer Kolumne.

Kein Mitleid mehr möglich?
- Nicht nur Kashua ist überzeugt, dass dieser Krieg tiefer in die Gesellschaft eingreift als jene zuvor. Viele machen die Ermordung der drei jüdischen Jugendlichen und des 16-jährigen Palästinensers dafür verantwortlich. Angesichts dieser Brutalität habe sich die Atmosphäre aufgeladen und "es kommt zum Tabubruch", sagt der israelische Schriftsteller Assaf Gavron ("Auf fremdem Land"), der wie seine Freunde "Trauer, Angst und Frustration" empfindet. Um nicht von diesen negativen Gefühlen verschlungen zu werden, lebt der 45-Jährige derzeit in zwei Welten: "Ich trenne Arbeit und Alltag völlig, so geht es einigermaßen."   >>>

 

Dokumentation -  2018 -  Gaza - 2018 - Gaza - Der "Große Rückkehrmarsch"    >>>


Ein Lied wird geboren
Uri Avnery
7. April 2018

Ein Freund aus Übersee sandte mir die Aufnahme eines Liedes. Ein arabisches Lied, mit einer sanften Melodie, von einem arabischen Mädchenchor gesungen und von einer Flöte begleitet.

Es geht, wie folgt:

Ahed /

Du bist das Versprechen und der Ruhm /
der so hoch wie ein Olivenbaum steht /
von der Wiege bis zur Gegenwart /
Deine Ehre wird nicht verletzt werden /
Palästina ist in uns gepflanzt worden/
wie ein Landungssteg für jedes Schiff /
Wir sind das Land und du bist das Wasser /

du bist mit blonden Haaren bedeckt /
du bist so rein wie Jerusalem /
Du lehrtest unsere Generation,
wie das vergessene Volk sich wehren sollte /
Sie dachten, die Palästinenser fürchteten sie,
weil sie eine Rüstung tragen und eine Waffe halten? /
Palästina ist in uns gepflanzt worden /
wie ein Landungssteg für jedes Schiff /
Unsere Nation muss vereint sein und sich widersetzen,
für die Freiheit Palästinas und der Gefangenen. /

Deine blauen Augen sind ein Leuchtturm /
für ein Land, das alle Religionen hat /
Du hast die Menschen vereint, fern und nah /
Du hast den Funken in all unseren Herzen entzündet/
Dein Kopf ist hoch erhoben und ermutigt uns /
Du hast das Licht in unserer Dunkelheit entzündet/

Trotz der Sanftheit deiner Hände /
haben deine Hände die Welt erschüttert /
Deine Hände gaben dem Besetzer den Schlag zurück /
und gaben der Nation die Wertschätzung zurück /
Palästina ist in uns gepflanzt worden/
wie ein Landungssteg für jedes Schiff /
Wir sind das Land und du bist das Wasser.
 

WENN ich ein Anhänger der Besetzung wäre, würde mich dieser Song zutiefst erschrecken, weil die Kraft von Liedern stärker ist als die von Waffen. Ein Gewehr nutzt sich ab, aber ein Lied bleibt für immer. In den frühen Tagen der israelischen Armee gab es einen Slogan, der in unserer Kantine hing: „ Eine Armee, die singt, ist eine siegreiche Armee!“ Die heutige palästinensische Generation hat entschieden, ihren Kopf zu senken und zu warten, bis der Sturm vorüber ist. Die kommende palästinensische Generation könnte völlig anders handeln.

Am Vorabend meines 15. Geburtstags schloss ich mich einer Untergrund- (oder „Terroristen“-)gruppe an, die gegen das britische Kolonialregime kämpfte. Fast 80 Jahre danach erinnere ich mich immer noch an jedes Lied aus dieser Zeit, Wort für Wort. Lieder wie: „We are unknown soldiers without uniforms...“ (Wir sind unbekannte Soldaten ohne Uniform) und viele andere. Danach schrieb ich eine Hymne für meine Kompanie.

Ich bin kein Poet, weit davon entfernt. Aber ich habe einige Lieder in meiner Zeit geschrieben, darunter „Samsons Füchse“, eine Hymne für meine Kommandoeinheit der israelischen Armee. Daher kenne ich die Kraft eines Liedes, vor allem eines Liedes über die Heldentat eines 16jähriges Kind.

IN DEM AUGENBLICK, als ich das Szenario sah, in dem Ahed al Tamimi einem israelischen Captain der Armee ins Gesicht schlug, wusste ich, dass sich etwas Bedeutendes ereignet hatte. (...)

IM MOMENT, wo ich die Szene im TV sah, als sie ihm ins Gesicht boxte, wusste ich, etwas Großes war geschehen. Nun hat das palästinensische Volk eine Nationalheldin. Die palästinensische Jugend hat nun ein Vorbild zum Nacheifern.

Die israelische Öffentlichkeit hat sich an die Besetzung gewöhnt. Sie glauben, dass das eine ganz normale Situation ist, dass die Besetzung für immer weitergehen kann. Aber die Besetzung ist keine natürliche Situation und eines Tages wird sie beendet werden.  (...)

Sie wird in drei Monaten entlassen. Aber das ist zu spät: das Bild von Ahed ist bereits im Gedächtnis von jedem palästinensischen Jungen oder Mädchen eingraviert. Ahed, das Mädel mit dem blonden Haar, ihre blauen Augen, die wie ein Leuchtturm leuchten. Ahed, die Heilige, Ahed die Retterin.

Die palästinensische Jeanne d’Arc, das Nationalsymbol.

DIE GESCHICHTE von Ahed al-Tamimi spielte sich in der Westbank ab. Aber sie hallte wider bis in den Gazastreifen.   >>>


 

Tania Maria Sakkal - Ahed, you are the promise and the glory
(ENGLISH SUBTITLES)   >>>


 


Reden ist Silber, Schweigen aber Gold
- 8. April 2018 - Abi Melzer - Oft wird von der „Israelisierung“ Deutschlands gesprochen und geschrieben, wenn man den Druck der israelischen Behörden auf deutsche Gerichte und Behörden meint. In Irland ist vor wenigen Tagen der israelische Botschafter zur persona non grata erklärt und ausgewiesen worden, nachdem Israel Druck auf irische Banken ausgeübt hat, damit diese Konten von BDS-Sympathisanten kündigen. In Deutschland hat sich die Regierung noch nie eingemischt, geschweige denn einen israelischen Botschafter ausgewiesen.

Bei uns ist das schon mehrmals passiert, auch mir, als die Commerzbank mein Konto kündigte und ich es aus der Jerusalem Post erfuhr. Diese rechtsradikale israelische Zeitung, die man wegen ihrer permanenten Hetze durchaus mit dem Stürmer und deren Mitarbeiter Benjamin Weinthal mit Julius Streicher vergleichen kann, ist informiert worden, noch bevor ich die Kündigung in Händen hielt. Ich vermute, dass diese israelische Version des Stürmers hinter der Kündigung stand.  >>>
 


frühere texte UND TAGE finden sie im chronologischen Archiv >>>

 

 

 

 

 

Israels Luftwaffe greift Hamas-Ziel im Gazastreifen an   >>>

 

Syrien- Russland wirft Israel Angriff auf Militärflugplatz vor   >>>
 


Palästina fordert Rückzug der Hamas aus dem Gazastreifen
Palästinas Präsident Abbas hat sich aus der Verantwortung für die Ereignisse im Gazastreifen gezogen – solange die Hamas die Region besetzen.  >>>

 

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