Abdallah Frangi:
Der Gesandte.
Mein Leben für Palästina.
Hinter den Kulissen
der Nahost-Politik,
Heyne-Verlag München 2011, 19,80
Euro, ISBN 978-3-453-19354-3
Israels
singende Soldaten: "Wir hoffen,
dass das Dorf niederbrennt"
-
Ein Photoessay
der Internationalen Solidaritӓtsbewegung
aus Nabi Saleh - Am 17. Mai 2013
feuerten israelische Soldaten
die üblichen und enormen Mengen
an Trӓnengas
auf die Demonstranten aus Nabi
Saleh in der besetzten Westbank
mit einer Zugabe ab. Wӓhrend die
Trӓnengaskanister den Boden
unter den Füssen der palӓstinensischen,
internationalen und israelischen
Aktivisten in Brand setzten,
sang die israelische Armee "Wir
hoffen, dass das ganze Dorf
niederbrennt." Der Protestmarsch
aus dem palӓstinensischen Dorf
zu einer wichtigen Quelle, die
sich seit alters her im Besitz
von Dorfbewohnern befindet und
deren Rechte von einem
israelischen Gericht bestӓtigt
wurden, musste angesichts einer
massiven Blockade durch Soldaten
umkehren. Seit Dezember 2009
organisiert Nabi Saleh wӧchentliche
Proteste gegen die schrittweise
Annexion des Landes und der
Quelle durch die Bewohner der
naheliegenden israelischen
Siedlungskolonie Halamish.
Gegen die wӧchentlichen
Proteste der Palӓstinenser in
der Westbank gegen Israels
Besatzung und Kolonialisierung
setzt die israelische Armee
neben Trӓnengas, Schockgranaten
und Gummimantelgeschossen
manchmal auch scharfe Munition
ein, was seit 2004 zu über 20
Todesfӓllen auf Seiten der
Demonstranten führte. Ein
Wasserwerfer, der eine stinkende,
chemische Mischung versprüht,
"Skunk" genannt, wird regelmӓssig
zur kollektiven Bestrafung der
Dӧrfer des friedlichen
Widerstandes eingesetzt. An
diesem Freitag wurden mehrere Hӓuser
des Dorfes mit Skunk eingedeckt.
Auf You Tube dokumentieren
zahlreiche Videos den Einsatz
dieser lange-haftenden
Flüssigkeit und zeigen die
negativen Folgen für die
Bewohner.
Acht
internationale und israelische
Aktivisten wurden von der Armee
festgenommen, die Pӓsse
konfisziert und eine halbe
Stunde spӓter wieder
freigelassen. Am Spӓtnachmittag,
Stunden nach Protestende, fuhren
israelische Armmefahrzeuge in
einer Drohgeste langsam durch
die Strassen von Nabi Saleh.
Scharfe Munition
gegen Demonstranten in Deir
Jarir
-
Seit einem Monat
führt das Dorf Deir Jarir bei
Ramallah wӧchentliche
Freitagsdemonstrationen gegen
den israelischen Zugriff auf
palӓstinensisches Land und die
gewaltsamen Angriffe der Siedler
auf die Dorfbewohner durch. Der
Demonstrationszug am 17. Mai
2013 wurde von einem Bulldozer
begleitet, der eine Woche zuvor
eine landwirtschaftliche Strasse
für die ӧrtlichen Bauern gebaut
hatte und die Arbeit fortsetzen
sollte. Israelische Soldaten
hatten sich auf einem
gegenüberliegenden Hügel
stationiert und feuerten enorme
Mengen Trӓnengas und
Gummimantelgeschossen. Palӓstinenser
und Internationale hӧrten
zeitweise auch das Zischen von
scharfer Munition. Die Trӓnengaskanister
lӧsten einen Brand aus, der sich
im ganzen Tal verbreitete und
auf den Ӓckern und an den
Olivenbӓumen Schaden verursachte.
Die palӓstinensische Feurwehr
wurde von den Soldaten an den Lӧscharbeiten
gehindert. Einige der palӓstinensischen
Jugendlichen bei der
Demonstration stellten sich der
Armee mit ihren Steinen und
verjagten die Soldaten.
Vor ein paar
Wochen haben israelische Siedler
einen Aussenposten auf einem
Hügel auf dem Land der palӓstinensischen
Dӧrfer Deir Jarir und Silwad
errichtet. Nachdem ein Bewohner
aus Siwald von den Kolonialisten
brutal angegriffen wurde, zerstӧrten
die Palӓstinenser
den Aussenposten. Siedler
griffen ihrerseit das Dorf
Silwad an und setzten über zehn
Autos von Dorfbewohnern in
Brand. Vorhergehende Proteste,
bei denen die Dorfbewohner ihr
Land bearbeiten wollten, wurden
mit grosser Gewalt unterdrückt.
Die
Nachrichtenorganisation IMEMC
berichtete am 18. Mai, dass bis
zu 25 Palӓstinenser
in der Umgebung von Ramallah
verletzt wurden, als israelische
Soldaten am 17. Mai in das
Flüchtlingslager Al-Jalazoun und
das Dorf Silwad eindrangen. Bei
dem Angriff auf Al Jalazoun
setzte die Armee vor allem
scharfe Munition ein und
verletzte 12 Palӓstinenser, in
den meisten Fӓllen am Unterkӧrper.
Mehrere palӓstinensische
Reporter wurden ebenfalls
verletzt.
Am 10. Mai 2013
organisierte das Westbankdorf
Azmut bei Nablus die erste
Freitagsdemonstration gegen die
israelische Besatzung und den
systematischen Landraub durch
die illegalen israelischen
Siedlungskolonien. Der Protest
begann im Dorf Khirbat al-‘Aqrabaniyya,
wo die Siedlungskolonie Elon
Moreh 1980 entgegen
internationalem Recht auf einem
der Hügel um das Dorf erbaut
wurde. Vom Dorf aus liefen die
Demonstranten etwa eine Stunde
lang zu einem Landstück, etwa
500 Dunum. das seit kurzem von
den Siedlern von Elon Moreh
illegalerweise beansprucht wird.
Die Protestteilnehmer bauten
einige palӓstinensische
Fahnen auf ihrem Land auf und
liefen dann weiter zu einer
kürzlich Gebauten Strasse, die
von den Siedlern als Zufahrt zu
dem von Azmut gestohlenem Land
benutzt wird.
Die Dorfbewohner
von Al Walaja demonstrierten am
10. Mai 2013 gegen eine neue
Strassenblockade, die von der
israelischen Armee auf einer der
zwei Zugangsstrassen nach
Bethlehem erichtet wurde. Die
Metallsperre ist ein weiterer
Schritt zur Annexion von
Dorfland für die Erweiterung von
zwei illegalen israelischen
Siedlungen, Gilo und Har Gilo.
Al Walaja liegt zwischen der
Grünen Linie und Israels
Annexionsmauer, die das Dorf
umschliesst. Die Palӓstinenser
aus Al Walaja wurden bereits
durch die Nakba im Jahr 1948
vertrieben und infolge der
Annexion von Jerusalem und viele
leben immernoch in
Flüchtlingslagern bei Bethlehem.
Viele Bewohner, die in das
derzeitige Al Walaja
zurückkehrten, erhielten
Demolierungsbefehle für ihre Hӓuser.
25 Palestinians
Injured Near Ramallah, 18. Mai
2013, IMEMC;
http://www.imemc.org/article/65502
Siehe auch
Berichte vom 10. Mai 2013:
Residents of Deir
Jreer and Silwad resist
occupation and settlement
expansion;
palsolidarity.org
Village of ‘Azmut organises
first demonstration against the
Israeli occupation and land
theft -- settler road blocked;
successfully, 10. Mai 2013,
Team Nablus, ISM;
palsolidarity.org
Protest against
new road block in the village of
Al Walaja, Team Khalil. 11. Mai
2013; ISM; palsolidarity.org
„The
General´s Son. Journey of an
Israeli in Palestine“ lautet der
Titel des ersten Buches von Miko
Peled, ehemaliger Soldat der
israelischen Armee, in dem er
die Geschichte seiner Wandlung
von einem glühenden Zionisten zu
einem Menschenrechtsaktivisten
und Anwalt eines bi-nationalen
Staates erzählt.
Rezension von
Ekkehart
Drost -
Miko Peled wurde 1961 als Sohn
einer der bekanntesten
zionistischen Familien in
Jerusalem geboren. Großvater
Avraham Katsnelson war einer der
Unterzeichner der Israelischen
Unabhängigkeitserklärung, und
Vater Matti nahm als junger
Offizier am 1948er Krieg teil.
Brisant für das israelische
Selbstverständnis ist dessen
Rolle als führender General nach
dem Sechs-Tage-Krieg von 1967,
als Israel die West Bank, Gaza,
die Golan Höhen sowie den Sinai
besetzte. In einer Besprechung
mit dem damaligen Kabinett
erklärte Matti Peled, „die
Besatzung der West Bank stünde
im Widerspruch zu Israels
langfristigen Interessen. (...)
Es würde den jüdischen Staat in
eine zunehmend brutale
Besatzungsmacht verwandeln.“
Miko Peled setzt sich im ersten
Teil seines Buches mit den
wichtigsten Mythen des
israelischen Staates
auseinander, Narrative, die auch
heute noch zum Selbstverständnis
Israels gehören, selbst wenn ihr
historisches Fundament längst
durch die „Neuen Historiker“,
allen voran Ilan Pappes „Die
ethnische Säuberung Palästinas“
erschüttert wurde. So lernte
auch der junge Miko, dass „die
Araber“ 1948 freiwillig, zum
Teil auf Anordnung ihrer
arabischen Führer das Land
verlassen hatten, die
Inbesitznahme ihres Landes also
moralisch gerechtfertigt war.
Mikos Mutter erinnerte sich an
die schönen und geräumigen
Häuser der Palästinenser in
West-Jerusalem, von denen eines
auch der Familie Peled angeboten
wurde. „Sie konnte nicht den
Gedanken ertragen, im Haus einer
Familie zu leben, die gezwungen
wurde, ihr Heim zu verlassen und
anschließend in einem
Flüchtlingslager leben musste.
Sie sagte, der Kaffee auf dem
Tisch war noch warm, als die
Soldaten ins Haus kamen und mit
der Plünderung begannen. Ganze
LKW-Ladungen mit Beute wurden
von den Soldaten fort
geschafft.“
Bis heute wird der
Sechs-Tage-Krieg von 1967 in
Israel als heldenhaftes Epos
gefeiert, in dem es wie durch
ein Wunder gelang, den
eindringenden arabischen Armeen,
die dabei waren, Israel
auszulöschen, nicht nur zu
trotzen, sondern drei Armeen zu
vernichten und Land im Norden,
Süden und Osten Palästinas dazu
zu gewinnen. Obwohl in der
neueren Geschichtsschreibung
sowie durch Dokumentarfilme
längst bewiesen wurde, dass
Israel selbst der Aggressor war,
um Land zu erobern, hat sich
Miko Peled, „The General´s Son“,
durch die Archive der IDF
gearbeitet, um die entscheidende
Sitzung zu dokumentieren: „Am 2.
Juni 1967 berichtete mein Vater
General Matti Peled dem Kabinett
unzweideutig, dass Ägypten noch
mindestens anderthalb Jahre
benötige, um für einen Krieg
gerüstet zu sein. Er war der
Meinung, dass es jetzt an der
Zeit sei, einen vernichtenden
Schlag gegen die ägyptische
Armee zu führen, nicht wegen
einer gegenwärtigen
existentiellen Bedrohung für
Israel, sondern weil die
ägyptische Armee für einen Krieg
nicht vorbereitet war. Die
anderen Generäle stimmten zu.“
Die Wandlung des Generals Matti
Peled von einem Verfechter
militärischer Optionen zu einem
Lektor für arabische Sprache
nach seiner Demissionierung bis
hin zu einer Person, der mit der
Bezeichnung „Abu Salam“ – Father
of Peace – bei vielen
Palästinensern höchste Verehrung
erfuhr, blieb der Familie lange
unklar. Auf die oft an ihn
gestellte Frage antwortete Matti
Peled stets: „Wenn Israels
strategisches Ziel Krieg
erforderte, unterstützte ich den
Krieg. Und als Frieden möglich
wurde, unterstützte ich den
Friedensprozess.“ Der Sohn Miko
glaubte nicht an den einen
Moment, das eine Ereignis, das
seinen Vater zum Umdenken
veranlasste, bis er eines Tages,
nach Vaters Tod, Abu Ali Shahin
in Ramallah kennenlernte. Im 15.
Kapitel seines Buches beschreibt
er das Treffen mit dem
ehemaligen Fatah Kommandanten,
einem engen Vertrauten von
Yassir Arafat, der über zwei
Jahrzehnte als politischer
Führer für die palästinensischen
Gefangenen Lernprogramme für
Sprachen, politische Theorie,
Demokratie entwickelte und diese
in die Gefängnisse schmuggelte.
Kein leichtes Unterfangen für
jemanden, der auf Israels Liste
der meist gesuchten
Palästinenser stand. Abu Ali
Shahin berichtete von einem
Massaker, das wenige Tage nach
dem Ende des Krieges im Juni
1967 in Beshshit (Beit Seit)
stattgefunden hat: „Die Israelis
massakrierten meine gesamte
Familie - Zivilisten, keine
Kämpfer. Kaum eine Woche nach
dem Krieg kam ein israelischer
Offizier in Begleitung einer
Kompanie Soldaten und eines
Bulldozers zu uns in die
Nachbarschaft des Rafah
Flüchtlingslagers. Alle sollten
ihre Behausung verlassen, Frauen
und Kinder durften wieder
zurück. Die Männer und Kinder
über 13 Jahre wurden an die Wand
gestellt und erschossen.
Anschließend schoss der Offizier
jeden einzelnen der bereits
Ermordeten eigenhändig in den
Kopf. Mehr als 30 Personen,
darunter ein 13jähriger Junge
und ein 86jähriger Mann, wurden
getötet. Danach wurden die
leblosen Körper in eine Reihe
gelegt, und der Bulldozer begann
sie zu überfahren, vor und
zurück, vor und zurück, bis sie
nicht mehr identifizierbar
waren.“ Durch einen Soldaten
erfuhr General Matti Peled vom
Massaker, fuhr nach Gaza und
besuchte die Familien der Opfer.
Er sprach zu den Erwachsenen und
tröstete die Kinder. Völlig
verstört, so erzählte Abu Ali
Shahin, stand er an der Stätte
des Massakers. „Dein Vater
schrieb einen Bericht an Yitzak
Rabin und Haim Bar-Lev, aber sie
haben nicht geantwortet. Diese
Greueltat hat ihn von einem Mann
des Militärs zu einem Mann
gemacht, der sich dem Frieden
gewidmet hat.“
Seine eigene Wandlung zu einem
entschiedenen Friedensaktivisten
wurde durch ein Unglück
ausgelöst, das die Familie am 4.
September 1997 heimsuchte:
Smadar, 12jährige Tochter von
Mikos Schwester Nurit
Peled-Elhanan, fiel in Jerusalem
einem Selbstmordattentat zum
Opfer, für das die Mutter die
Politik der israelischen
Regierung verantwortlich machte.
Miko, der mit seiner Familie in
San Diego lebte, wo er ein
Karate-Studion betrieb, schloss
sich bald darauf einer
Jüdisch-Palästinensischen
Dialoggruppe in San Diego an.
Eindrucksvoll schreibt er über
seine inneren Kämpfe, die
palästinensische Geschichte, die
ihm so lange unbekannt war, zu
verstehen und – mehr noch – als
großes Leid zu empfinden, das
sein Volk über das andere
gebracht hat. Wie verwurzelt das
Gefühl der Angst vor
„palästinensischen Terroristen“
in ihm war und wie schwer es ihm
fiel, sich davon zu lösen, wird
in einer Passage im 9. Kapitel
(„The Fear Virus“) deutlich, in
der er - längst als
Friedensaktivist unterwegs - zum
ersten Mal allein in einem
öffentlichen Bus von Jerusalem
nach Ramallah sitzt und gegen
seine tief sitzende Angst vor
„Terroristen“ ankämpfen muss.
Dass die allermeisten Israelis
auch heute noch dieses Gefühl
verinnerlicht haben, wird durch
die Studie von Mikos
Schwester, Nurit Peled-Elhanan,
„Palestine in Israeli School
Books“ deutlich. Die großen
roten Schilder im
Westjordanland, die Israelis
davor warnen, palästinensische
Ortschaften zu betreten, weil
dies nicht nur gegen das
israelische Gesetz verstößt,
sondern auch lebensgefährlich
für sie sei, sollen die Einsicht
möglicher israelischer Besucher
in die friedliche
palästinensische Wirklichkeit
verhindern.
Miko Peleds „Journey of an
Israeli in Palestine“ endet mit
einer Diskussion zwischen ihm
und seinem Schwager Rami, eine
Diskussion, die auch auf dieser
Website, immer wieder geführt
wird: „One State, Two States,
Three States“ ist das letzte
Kapitel überschrieben. Während
Miko für einen einzigen
bi-nationalen und demokratischen
Staat plädiert, verweist Rami
als Protagonist eines jüdischen
Staates auf das Problem der
Siedlungen hin. Mikos Antwort
soll am Ende der Besprechung
eines wunderbaren, bewegenden
Buches stehen, dessen Autor sich
gegen große Widerstände als
wahrer Humanist erwiesen hat:
„Aber du weißt doch genau“, sagt
Miko zu Rami, „dass wir alle
Siedler sind und dass das ganze
Israel besetztes Palästina ist.“
Liebe UA-Engagierte, am
14.5. hatte ich eine
Petition zur zehnten
Haftstrafe des
Wehrdienstverweigerers Natan
Blanc
weitergeleitet. Sabine
Isbanner aus unserer Gruppe
hat nun dankenswerterweise
zusammen mit anderen
Menschenrechtsorganisationen
(New Profile, Connection e.
V., War Resisters’
International, Yesh Gvul und
Gush Shalom) einen Aufruf
erstellt, der über
Change.org. verbreitet wird
und einen Appell enthält,
der nur unterschrieben zu
werden braucht.
Das ist die einfachste
und eine effektive
Methode, sich
einzubringen, bitte
beteiligt
euch/beteiligen Sie sich
möglichst zahlreich
daran.
Waltraut Böttger
Mitglied von Amnesty
International
Kogruppe Israel/Besetzte
Gebiete/Pal.
Autonomiegebiete -
http://www.amnesty-koeln-gruppe2415.de/
Am Nakba Tag
auf der Strasse 60 von Al Masara
nach Bethlehem
Wir
verlangen Anerkennung und
Gerechtigkeit
- Joharah Baker - In
dieser/letzter Woche gedenken
die Palästinenser der Nakba, der
Katastrophe, die über das
palästinensische Volk kam, als
Israel gegründet wurde. Jedes
Jahr hängen Palästinenser
Transparente auf, die auf das
Recht der Rückkehr hinweisen;
sie tragen die alten Schlüssel,
die ihre Heimat symbolisieren,
die sie verlassen mussten und zu
der sie nicht zurückkehren
können. Die Schlüssel erinnern
an das Palästina, das sie vor 65
Jahren verloren haben.
Dieses Jahr
wird es nicht anders sein. An
jedem 15. Mai erinnern
Palästinenser an ihre
Katastrophe und verlangen
Gerechtigkeit. Sie verlangen,
dass denen das Recht der
Rückkehr gewährt wird, die
tatsächlich über Nacht zu
Flüchtlingen gemacht und zu
einem Leben verurteilt wurden,
das sie nicht gewählt haben.
Aber mehr als alles andere
verlangen sie die Anerkennung
der Tragödie, der sie ausgesetzt
sind, die aber von Israel
geleugnet wird, dass sie je
geschah oder noch schlimmer,
dass sie sie selbst verschuldet
hätten.
Es sind 65
Jahre her, dass Israel 1948
gegründet wurde, was bedeutet,
dass diejenigen, die ins Exil
geworfen wurden und jetzt
entweder sehr alt sind oder
schon längst verstorben sind. Es
sind nur noch wenige, die die
Nakba durchmachten, und nur noch
wenige, die sich an die wenigen
kostbaren Erinnerungen z.B.
eines kleinen Gartens vor ihrem
Haus in Jaffa klammern oder an
den salzigen Geruch des Meeres
in ihrem Stadtteil in Haifa. Wir
übrigen sind entweder die
Nachkommen dieser Flüchtlinge
oder gewöhnliche Palästinenser,
die das Gefühl haben, dass die
Sache der Flüchtlinge auch ihre
eigene Sache ist, weil sie sich
als ein Volk empfinden.
Die
Palästinenser haben eine Sache
klar gemacht: Das
Flüchtlingsproblem wird auch
nicht mit dem letzten Flüchtling
sterben. Der Verlust, die
Ungerechtigkeit und die
Tatsache, dass die meisten, die
gezwungen wurden, ihre Heimat zu
verlassen, nicht mehr leben,
wird trotzdem von der ganzen
Nation empfunden.
Wir können
die Zeit nicht zurückdrehen. Was
verloren wurde, ist verändert
oder zerstört worden oder
wurde von Israels
Neu-Ankömmlingen übernommen. Was
wir tun können, ist, am Recht
der Anerkennung fest zu halten,
denn die Ungerechtigkeit muss in
Wort und Tat korrigiert werden;
denn Palästina wird weder von
unserm Gedächtnis noch von
unserm Herzen vergessen werden.
Übersetzung und
Zusammenfassung Martina Lauer
Joharah Baker schreibt für
Media and Information
Department at the Palestinian
Initiative for the Promotion of
Global Dialogue and Democracy (Miftah)
http://www.miftah.org
, Mifta, 13. Mai 2013 -
(dt. Ellen Rohlfs)
Das Recht auf Rückkehr ist der
Schlüssel zur Freiheit
-
Am 15. Mai wurde der 65ste
Jahrestag der Vertreibung von
750 000 Palästinensern aus ihren
Häusern und die Zerstörung von
mehr als 500 palästinensischen
Dörfern – in manchen Fällen mit
Massakern- durch zionistische
Streitkräfte im Jahr 1948
begangen, berichtet die
Internationale
Solidaritätsbewegung aus
Ramallah in der von Israel
besetzten Westbank.
Hausdemolierungen,
Landkonfiszierungen,
Siedlungsausbau, militärische
Besatzung, Beschränkungen der
Bewegungsfreiheit und das
systematische Bombardieren des
Gazastreifens zielen auf die
ethnische Säuberung Palästinas,
um den zionistischen Traum eines
Grossisrael zu verwirklichen.
Palästinenser in zahlreichen
Dörfern und Städten in der
Westbank in Jerusalem und Gaza
und in den Flüchtlingslagern in
den benachbarten arabischen
Ländern haben wieder ihre Recht
auf Rückkehr in ihr Land und
ihre historische Heimat
eingefordert.
In Ramallah marschierten etwa
400 Demonstranten für das Recht
auf Rückkehr der fünf Millionen
Palästinenser, die als
Flüchtlinge in der ganzen Welt
leben.
Gegen Mittag liefen
Demonstranten zum militärischen
Gefängnis Ofer. Die israelische
Armee verschoss die üblichen
enormen Mengen an Tränengas und
Gummimantelgeschosse, was bei
vielen Leuten zu
Erstickungsanfällen und Atemnot
führte; einige Teilnehmer wurden
verletzt und ein Demonstrant
erhielt eine Kugel ins Bein.
In Beit Ummar blockierten
Palästinenser und Internationale
die Autobahn Nr. 60 kurzzeitig,
die Hauptverkehrsader zwischen
israelischen Siedlungskolonien
im Norden und Süden der
besetzten Westbank. Israelische
Soldaten warfen Schockgranaten
auf die Demonstranten und
feuerten Gummimantelgeschosse
und Tränengas. Ein Demonstrant
wurde am Kopf getroffen ein
anderer am Bein, und
palästinensische Sanitäter
behandelten beide an der Szene.
65 Jahre nach der Nakba ist das
Recht auf Rückkehr absolut der
Schlüssel im Kampf für
palästinensische Rechte und die
Freiheit der Palästinenser.
Übersetzung und Zusammenfassung
Martina Lauer
Right of Return still key –
Nakba Day demonstrations
violently suppressed by Israeli
forces, Team Ramallah 15.
Mai 2013, International
Solidarity Movement;
http://palsolidarity.org/2013/05/right-of-return-still-key-nakba-day-demonstrations-violently-suppressed-by-israeli-forces/
Duheisha: Widerstand im Zeichen
der Nakba
-
Einen Tag vor dem Jahrestag der
Nakba wurde im Aussenbezirk von
Bethlehem ein Erinnerungsmarsch
vom Flüchtlingslager Duheisha
zum Dorf Al-Khader abgehalten.
Hunderte von Palästinensern aus
Duheisha und der Umgebung, jung
und alt, protestierten im
Gedenken an die Nakba und gegen
die Schliessung einer ihrer
landwirtschaftlichen Strassen,
die von der israelischen Armee
erst vor kurzem vorgenommen
wurde.
Einige der Kinder sprachen von
ihren Vätern, die im Widerstand
gegen die Besatzung von der
israelischen Armee getötet
wurden.
Als während der Demonstration
einige Schulmädchen auf ihrem
Heimweg an den Demonstranten
vorbeiliefen, wurden sie
ebenfalls mit Tränengaskanistern
beschossen. Eine Schülerin wurde
ohnmächtig und musste ins
Krankenhaus eingeliefert werden.
Die nächste Gruppe im Zielfeuer
der israelischen Soldaten war
die örtliche Feuerwehr, die auch
mit einem Hagel von
Tränengaskanistern eingedeckt
wurde, als sie zur Löschung
eines von Tränengaskanistern
verursachten Brandes auf einem
Feld ankam.
Das Flüchtlingslager Duheisha
wurde ursprünglich nur als
temporäre Lösung für
Nakbaflüchtlinge aus 45 Dörfern
westlich von Jerusalem und
Hebron errichtet.
Vortrag ausgefallen: Erfolg für
einen "Privatmann" oder sein
Eigentor?
-
Prof. Dr. Rolf Verleger
-
Für den 15. Mai 2013 war ich zu
einem Vortrag an der
deutschsprachigen Andrássy-Universität in Budapest
eingeladen. Der Titel:
"Weltkrieg um Palästina: Von
Lord Balfour bis John Kerry".
Dabei ging es um die Entstehung
der Balfour-Deklaration aus
britischen Weltmachtinteressen
und um die Diskussionslinien im
Judentum zur damaligen Zeit.
Dies geschah im Rahmen einer
Kolloquiumsreihe der Fakultät
für Internationale Beziehungen.
Am 10. Mai 2013 meldete sich ein
Herr Ilan Mor telefonisch beim
Rektor der Universität. Er
sprach sich scharf gegen meine
Person aus: Ich wolle die
Vernichtung Israels, mit mir
könne man nicht diskutieren etc.
Daher möge der Rektor bitte
diesen Vortrag absagen.
Ansonsten könnte er, der Herr
Ilan Mor, ernsthaft verstimmt
sein. Aber er rufe hier nur als
Privatmann an.
In seinem Berufsleben ist Herr
Ilan Mor der Botschafter Israels
in Ungarn. (In dieser
Eigenschaft hatte ihn übrigens
die Universität vor einigen
Wochen zu einem Vortrag im
Rahmen der Kolloquiumsreihe
eingeladen.)
Die Andrássy-Univesität wird
unter anderem mit Geldern aus
Deutschland finanziert. Der
Rektor liest deutsche Zeitungen
und weiß, wie sie über Ungarn
berichten. Er wollte nicht eine
weitere Vorlage für den Vorwurf
liefern, in Ungarn herrsche der
Antisemitismus. Daher hielt er
es für opportun, den Vortrag
abzusagen.
Was ist der Effekt dieser
Intervention des Privatmanns
Herrn Ilan Mor?
A) Mein Vortragstext wurde an
die interessierten Lehrenden und
die studentischen Teilnehmer
verschickt. Sie haben ihn jetzt
und können sich ein eigenes Bild
machen.
B) Der Rektor verbrachte die
ausgefallene Vortragszeit mit
mir, dem Dekan der Fakultät und
einigen Kollegen beim
Abendessen. Wir hatten angeregte
Gespräche. Ich schenkte ihm mein
Buch "Israels Irrweg. Eine
jüdische Sicht."
C) Alle Beteiligten haben einen
nachhaltigen Eindruck davon
erhalten, wie es manche
israelischen Privatmänner mit
der Meinungsfreiheit halten.
Ich möchte noch an zwei
gleichartige Ereignisse
erinnern:
1) Anfang Februar 2012 sollte am
Brooklyn College (New York
City) eine
Diskussionsveranstaltung zu BDS
(Boykott, Kapitalabzug und
Sanktionen) gegen Israel
stattfinden, mit Omar Barghouti
und Judith Butler.
Es meldeten sich "Israelfreunde"
und forderten, die Veranstaltung
solle abgesagt werden oder
zumindest "ausgewogen" sein. Die
Collegepräsidentin hielt dem
Druck stand und verteidigte das
Recht auf freie Rede und
Debatte. Unterstützt wurde sie
durch den New Yorker
Bürgermeister Michael Bloomberg.
Er sagte den Kritikern "If you
want to go to a university where
the government decides what kind
of subjects are fit for
discussion, I suggest you apply
to a school in North Korea."
http://www.nytimes.com/2013/02/07/nyregion/bloomberg-defends-brooklyn-colleges-right-to-bds-talk.html?_r=0
2) Zwei Tage vor meinem Vortrag
erklärte es das
Verwaltungsgericht Freiburg für
rechtswidrig, dass die
Universität Freiburg im Dezember
2012 ihre Räume einer
Veranstaltung über die
medizinische Versorgung der
Einwohner Gasas nicht zur
Verfügung gestellt hatte. Laut
Urteil stelle eine Universität
schon nach ihrem
Selbstverständnis eine Stätte
der geistigen Auseinandersetzung
und somit auch ein Forum für
kritische und parteiliche
Stellungnahmen dar.
http://vgfreiburg.de/servlet/PB/menu/1284217/index.html?ROOT=1192792
Übrigens schrieb mir am 10. Mai
– als der "Privatmann" den
Rektor anrief - aus heiterem
Himmel jemand:
"I can only pity you for your
bullshit opinions and beliefs.
... Get lost, asshole"
und dann nochmal (da ich
Wiederworte gab) am 11. Mai:
"you are nothing but a
self-hating Jew who cannot
understand that Jews are just
like every other people who have
a state. … Lick the every
Germans' assholes, but it won't
help you."
Als ich diese Person dann auf
die Widersprüche Ihrer
Argumentation hinwies, da konnte
sie am 12. Mai plötzlich deutsch
("Deine Meinungen sind zum
kotzen" etc.)
Die e-mail – Adresse dieses
anonymus ist
dapper98@hotmail.com. Für
Hinweise auf seine Identität
wäre ich dankbar. Er kommt
vermutlich aus dem Umfeld des
Vereins "honestly concerned
e.V.", dessen Vorsitzender in
einem Brief an den Rektor der
Andrássy-Universität über mich
herumpöbelte, am 10. Mai, im
Gleichklang mit dem Anruf des
Privatmanns Mor. Mit besten
Grüßen Rolf Verleger
Siedler zünden palästinensisches
Land und Olivenbäume an
-
Saed Bannoura - Am 13. Mai 2013,
einem Montag zündet eine Gruppe
extremer israelischer Siedler
einen palästinensischen
Olivenhain und
landwirtschaftlich genutztes
Land des Dorfes Qaryout südlich
von Nablus in Brand.
Lokale
Quellen berichten, dass
bewaffnete Siedler die Felder
anzündeten und die Dorfbewohner
daran hinderten, ihr Land zu
erreichen, um das Feuer zu
löschen.
Bashar
Qaryouty, Dorf-Koordinator des
Volkskomitees gegen die Mauer
und die Siedlungen berichtet,
dass auf den verbrannten
Feldern Weizen angebaut war und
Olivenbäumen standen.
Qaryouty
fügte noch hinzu, dass die Größe
der verbrannten Ländereien
nahezu 25 Dunum war.
Die
israelische Armee rief
schließlich ein Feuerwehrauto,
da das Feuer sich der
israelischen illegalen
Shilo-Siedlung näherte, die auf
dem Land des Dorfes erbaut
wurde.
(dt. Ellen Rohlfs ----- kann
man darüber etwas in unsern
Zeitungen lesen ? --- es ist
nämlich längst nicht das erste
Mal, dass Felder und Olivenbäume
zerstört werden. Über 1 Million
pal. Olivenbäume wurden schon
von Israelis zerstört. Und die
palästinensische Behörde kann
anscheinend nichts dagegen tun
????)