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Texte von Arn Strohmeyer

Genozid wäre besser gewesen
Deutsche Erinnerungspolitik ohne Palästinenser
Plädoyer Ungleichheit der Menschen
Deutschland eine Bananenrepublik?
Situation derPalaestinenser unter zionistischer Besatzung
Ist Banksy ein Antisemit?
Streit um die Kasseler Documenta
Israel ein Apartheidstaat wie Südafrika?
Streit um die Kasseler Documenta
Rezension - Abraham Melzer-  Ich bin (k)ein Antisemit!
Afghanische Sanndalentraeger besiegten USA
Gemeinsame Werte mit einem Apartheidstaat?
Der Welt droht ein neuer Kalter Krieg
Die Antideutschen
Chefs des Springer-Konzerns Mathias Döpfner
„Apeirogon“ des irischen Autors Colum McCann
Lapid - Imagpflege, neue Einsichten?
„1984“ - israelische Cyber-Software“
BDS -  Hoffnung der Palästinenser“
Das Ende einer Illusion
Kampf gegen Windmühlenflügel
Die grüne Kanzlerkandidatin
Palästina in israelischen Schulbüchern
Die Nakba soll zu Ende gebracht werden
Westliche Propaganda - Aufteilung der Welt in Gut+ Böse
Die Jerusalemer Erklärung - Antwort auf die IHRA
Werder Bremen übernimmt die IHRA-Definition
Joseph Melzer - Ich habe neun Leben gelebt.
Holocaustgedenktag 2021
Inhalt der BDS-Resolution nicht erwähnen
Bücher - Positionen zum israelbezogenen Antisemitismus
Kariere von Sawsan Chebli
Martialisches Erinnern
Das zynische Angebot
Omri Boehms - liberaler und humaner Zionismus!
Omri Bohm - Israel - eine Utopie
Darstellung des Zionismus  für Israels Politik Problem
Zionismus untergräbt Werte des Judentums
Gaza ist Überall!
Israel und das Apartheid-Südafrika
Fall Achille Mbembe kein Einzelfall
Eine deutsche Debatte im Jahr 2020
Achille Mbembe - Eigentor von Felix Klein
Was trägt Israel  zum Judenhass bei?
Antideutsche - Antisemitismus und Nahostkonflikt
Nirit Sommerfeld - Stimme des anderen Israel
Symbol für den Freiheitskampf
Krieg gegen das palästinensische Volk
Treueschwüre für einen Besatzerstaat
Zur Kriegsgefahr im Nahen Osten
Der  ideologische Blick auf Israels Geschichte
Kein Friedensstern über Bethlehem
G. Hanloser - Abgesang auf die Antideutschen
Bundesregierung will Hisbollah verbieten
Jürgen Todenhöfer - Die große Heuchelei
Spiegel - zu Israel-kritischer Positionen kein Wort
Gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“
Hungert sie aus!
Das Beispiel Dr. Dr. Marcus Ermler
Hans-Jürgen Abromeit sagt die Wahrheit
Israel zieht belastende Dokumente aus dem Verkehr
Definiert Israels Regierung was Antisemitismus ist
Der Kushner-Plan -Totgeburt
Israels Politik -  zynisch, autoritär und reaktionär
Bremen verweigert Kritik an Israel
Wahlen ohne Opposition und Alternative…
Man unterscheidet zwischen "guten" und "bösen" Juden
BDS-Aktivisten auf „Krawall“ reduziert
Israel Siedlungen auf dem Mond?
Die Mauer als Symbol des Scheiterns
Wider den Mainstream
Triumph des moralischen Nihilismus
Mythos - Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern
Frieden auf Erden“ –  nicht in Palästina
Zensur der evangelischen Kirche
Lehrer nach Yad Vashem
Evangelische Kirche und Israels Unrechtspolitik
Hysterie bis zur Paranoia
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Bremer Innensenator Mäurer hat Recht
Die „Israelisierung der Welt“
Trumps "Deal" Verrat an Palästina
Wikipedia ist der Manipulation überführt
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Juden und Muslime in Auschwitz
Israels Sanktionen - Iran
Zum Tod von Felicia Langer
„WerteInitiative“  - Schlag gegen Bettina Marx
Stopp gegen Antisemitismus-Hysterie
Palästina - Realität wird zum Tabu
Tom Segevs Ben Gurion-Biographie
Deutschland, Israel + der Antisemitismus:
Präsident Abbas‘ missverständliche Rede
Unterstützung Arbeit Antisemitismus-Beauftragten
Die inszenierte Hysterie
Entstehung Israels als Heldenepos
70 Jahre Israel – 70 Jahre Siedlerkolonialismus
Skandalöse Geschichtsklitterung
Heiko Maas  in Israel
Was für ein Staat!
Heiko Maas - Kniefall nach Israel
Meinungsfreiheit für Palästinenser in Bremen
Rolf Verleger - Hundert Jahre Heimat_Land
Israel hat den Frieden nie gewollt.
Weihnachten 2017
Gefängnisstrafen und Sippenhaft
Nimmt der Antisemitismus zu?
Stramm hinter Trump
Hermann Kuhn demonstriert  Nichtwissen
Deutsche Kampfflieger über Israel
„Sie weichen den wirklichen Problemen aus“
Rezension - Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher
Rezension - Abraham Melzer: Mit Feuer und Blut
Die kopernikanische Wende
Martin Schulz Kotau vor der Israel-Lobby
„1984“ auf israelisch
Rückfall in die Vormoderne
Michael Wolffsohn hat sich disqualifiziert
Rezension - M. Peled - Der Sohn des Generals
Analysen des antizionistischen Isaac Deutscher
Film - Der Hass auf Juden in Europa
14. Dokumenta - Ahlam Shibli
Michael Lüders Buch „Die den Sturm ernten“
Jenseits aller Wirklichkeit
„Im Gefängnis, weil  Palästinenser“
Das Lehrbeispiel BDS
DIG Aufruf gegen Kritiker
Broder - BDS + die Endlösung
Zwischen „Lügen- “ und „Lückenpresse“
Frieden auf Erden... nicht im Heiligen Land
Ist Deutschland eine Bananenrepublik?
Hat Jakob Augstein der Mut verlassen?
Israel-Berichterstattung - doppelte Standards
Propaganda-Lügen gegen den Frieden
Antisemitismus – „Missverständnis der Geschichte“?
Wann ist Kritik an Israels antisemitisch
Die Lobby schlägt zu
Geheimsache Heron TP
Claude Lanzmann -  Palästina-Konflikt
Die Israel-Lobby und die HAWK
Ein Humanist?
„Die Hamas ist an allem schuld“
Ein Krieger und Verächter des Völkerrechts
Proteste und Demonstrationen nicht Antisemitisch
Der Streit um Israels „Existenzrecht“
„Journalismus“ á la Benjamin Weinthal
„Methodisch betriebener Wahnsinn“
Dank an Benjamin Weinthal
Albert Einstein muß als Zeuge herhalten
Wenn Weinthal wieder einmal zuschlägt ...
Rezension von  Kurt O. Wyss
Noch mehr Israel-Kritiker geschafft
Interview mit Abdallah Frangi
Benjamin Weinthal verhindert Vortrag Arn Strohmeyer
„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?
Ein Weihnachtswunsch
Abraham Melzers Buch „Israel vor Gericht“
Rezension - Petra Wild: Die Krise des Zionismus
Gipfel der Absurdität
Daniel Killy diffamierte seinen früheren Arbeitgeber
Rezension - Die Hölle von Gaza - Spiewak
Rote Karte für Israel!
Der Antisemitismus-Vorwurf als Rufmord
Ist Israel ein verrückter Staat?
„Oslo war ein Kapitulationsabkommen“
Rezension - Ilan Pappe -  „Die Idee Israel"
Wenn eine Jüdin den Zionismus kritisiert...
Leseprobe 3 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 2 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 1 - Antisemitismus – Philosemitismus
Inhalt - Antisemitismus – Philosemitismus
Buch - Antisemitismus – Philosemitismus
Kontrolle über Israels Atomwaffen?
Rezension - Sven Severin: Shalom ist nicht Frieden.
Werte der USA und Europas Doppelmoral
Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba
Rezension - Israel – Im permanenten Kriegszustand
Zwischen Doppelmoral und Lebenslügen
Die Herren über Leben und Tod
Dauerbrenner Antisemitismus
Weglassen, vertuschen und manipulieren
Napoleoni - Die Rückkehr des Kalifats.
Presseboykott gegen  Nakba-Ausstellung Bremen?
Der Streit um die historische Wahrheit
Am besten das Völkerrecht abschaffen.
Anschläge Paris - Stunde der Heuchler
Die Legenden von den vertriebenen Juden
Linkspartei und die Verletzer der Völkerrechte
Für Israel Frieden unmöglich.
Zionismus vor seinem historischen Ende?
Antisemitismus-Gefahr als politische Waffe
Eine genau kalkulierte Kampagne
„Ein Massaker schlimmsten Ausmaßes!“
Dieter Graumann und die westlichen Werte
Willkommener Anlass
Die EU als zahnloser Papiertiger
Antisemiten überall
Uri Avnery relativiert die Nakba
H. Baumgarten - Kampf um Palästina
Ein bedeutender Schritt zur Versöhnung
Bremer Evangelische Kirche -  Frieden Nah Ost
„Warum provoziert Ihr Israel immer so?“
Interview mit  Reuven Moskowitz
Israels große Propagandainszenierung
Unkritische Unterstützung Israels.
Tumulte in der Knesset
Rezension - Israel kontrovers
Ariel Sharons brutale Gewaltpolitik
Neuerscheinung Ilan Pappes Buch?
Ilan Pappe - „Eethnische Säuberung Palästinas
Schweigen der Christen im Nahen Osten
Feldmans Film „The Lab“
Mythos - Vertreibung der Juden
Rezension - Viktoria Waltz -  „Monopoly“
Shlomo Sand - Ich steige aus.
Palästinenser Testpersonen für Rüstungsindustrie
Israel steht unter Verdacht
Rezension - Buch Ekkehart Drost
3. Israelkongress in Berlin
Die Angst vor der Wahrheit
Was kommt nach dem Zionismus?
Führt Obama Israels Krieg?
Haben nur Palästinenser „Blut an den Händen“?
Ein Bantustan-Staat für die Palästinenser?
Zionismus + arabischer Antisemitismus
Ethnische Säuberungen
Juden unerwünscht?
Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen!“
Nachruf auf Stéphane Hessel
Streit um Augsteins „Antisemitismus“ geht weiter
Zerstört Israel sich selbst?
Broders taktischer Rückzieher
Solidarität mit Jakob Augstein!
Sollen Patriot-Raketen Israel schützen?
Von der Macht der Denunzianten
Rezension Rudolph Bauer - Wer rettet Israel
Netanjau in Berlin zum völlig falschen Zeitpunkt
Mit der UNO auf Kriegsfuß
Generalangriff auf die Mythen des Zionismus
Gaza - Schweigen die Waffen?
"Sicht der Armee  kein ethisches Problem“
Erwiderung auf Charlotte Knobloch
Atmosphäre der Angst
Keine Chance für die Vernunft?
These vom Mord an Arafat
„Hier wird Israel pauschal diffamiert“
D. Barenboim:„Nur ein Psychiater kann  helfen!“
In Nibelungentreue an Israels Seite?
Merkels abenteuerlicher Kriegskurs
Der Dichter, Israel und die Denkverbote
Genug der Heuchelei! - Günther Grass
Auf Mythen keinen Frieden aufbauen
Brief an Ralph Giordano
Ilan Pappe -  Wissenschaft als Herrschaftsdienst
Nazi-Analogien in Israel
Interview mit Abdallah Frangi
Abdallah Frangi - Der Gesandte
Israeltag 2011 - Bremer Schulen
Ein Akt historischer Gerechtigkeit
Israel-Propaganda an deutschen Schulen ?
„Boykott ist eine absolute Notwendigkeit“
Rezension - Finkelstein „Israels Invasion in Gaza“
Die Partei „Die Linke“ + das Existenzrechts Israels
„Wir wollen die ganze Region befreien“
Ergänzung - Brief Bürgermeister Jens Böhrnsen
Offener Brief - Bürgermeister Jens Böhrnsen
Helmut Schmidt + R. von Weizsäcker Antisemiten?
Sind Boykottaktionen antisemitisch?
Boykott gegen Früchte aus Israel
Stéphane Hessel - Empört Euch!
Todenhöfer - Warum tötest Du, Zaid?
Arabische Aufstände düpieren den Westen + Israel
Verzweifeln an Israel
In der Falle der Stammesideologie
Wer glaubt an Friedensbotschaften
Kotau vor Merkels Nahost-Politik
Wie man Antisemiten produziert
Im Gleichschritt mit Israel?
Was ist Antisemitismus
Gibt es  "neuen" Antisemitismus? - Klug Brian
Was sind "jüdische Gene"? - Thilo Sarrazin
Zionistischer Angriff auf Wikipedia
Moshe Zimmermann: Angst vor Frieden
Verwirrung der Begriffe?
Offener Brief  Weser-Kurier-Artikel - 16. 06. 2010
Iris Hefets gewann Prozess gegen Lala Süsskind
Mordaktion nach Piratenmanier
Israel will keinen Frieden
Solidarität mit Iris Hefets!
Sieg der Spermien und Gebärmütter
Hajo Meyer - Radikale Kritik am Zionismus
Interview mit Norman G. Finkelstein
Gespräch mit Yehuda Shaul
Interview mit Yahav Zohar
Broder - Aufklärung + Untergang
„Israel streut der Welt Sand in die Augen“
„Hitler besiegen“
Interview mit Moshe Zuckermann
Bethlehem 2008
Volk ohne Hoffnung
Brief Präsidium J. G. Bremen
Interview Felicia Langer

 

 

 

Ist Israel ein Apartheidstaat ähnlich wie Südafrika?

Ein Blick zurück in die Geschichte belegt die Identifizierung des Zionismus mit dieser Staatsform

Arn Strohmeyer

Benjamin Beit-Hallahmi ist ein (inzwischen emeritierter) Psychologie-Professor der Universität Haifa. Er ist ein vielseitiger Gelehrter, der seinen wissenschaftlichen Blick nicht nur auf sein Fachgebiet richtet, so hat er neben Texten zu religionspsychologischen Fragen auch Bücher über politische Themen geschrieben. 1987 hat er das Buch The Israeli Connection herausgebracht, das zwei Jahre später in der Bundesrepublik unter dem Titel Schmutzige Allianzen. Die geheimen Geschäfte Israels erschien. Es hat damals in Deutschland viel Aufsehen erregt, so hat etwa Der Spiegel eine ausführliche Besprechung gebracht. (Heute wäre eine solche Rezension wohl kaum noch möglich, weil das Magazin sofort unter den Antisemitismus-Verdacht geraten würde.) Es lohnt sich, dieses Buch in Erinnerung zu rufen, weil es heute viele Antworten auf die Frage gibt: Ist Israel ein Apartheid-Staat?

Beit-Hallahmi sieht die gesamte globale Politik nach 1945 unter dem Aspekt der Entkolonialisierung. Die einstigen Kolonien der Großmächte England und Frankreich und dann auch die unter der Hegemonie der USA stehenden Staaten strebten in dieser Zeit nach Selbstbestimmung und Souveränität, was diese Mächte natürlich mit allen Mitteln zu verhindern suchten. Israel stand in diesem Prozess – mit dem Rückhalt dieser Mächte – stets auf der Seite der reaktionären, antirevolutionären und antiemanzipatorischen Kräfte, also gegen die nationalen Befreiungsbewegungen überall auf der Welt. Es unterstützte politisch, wirtschaftlich und militärisch die grausamsten Systeme, die es damals gab: das Regime des Schah im Iran, die Diktaturen in Mittel- und Südamerika (darunter Somoza in Nicaragua, Stroessner in Paraguay und Pinochet in Chile), Mobutu in Zaire und Marcos auf den Philippinen, um nur einige zu nennen. Eine ganz besondere Allianz verband Israel aber mit Südafrika. Auf dieses Bündnis geht Beit-Hallahmi ausführlich ein, und seine Ausführungen sind, obwohl sie nur bis in das Jahr 1987 reichen, von höchster Aktualität.

Beit-Hallahmis Schlüsselerlebnis, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, war der Staatsbesuch des südafrikanischen Premierministers Johannes (John) Vorster im April 1967 in Israel. Beit-Hallahmi saß vor dem Fernsehapparat und sah, wie der höchste politische Repräsentant des Apartheidstaates in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem einen Kranz niederlegte. Er nennt das Ereignis „bizarr und surreal“: „Dass das israelische Außenministerium die Taktlosigkeit besaß, einen aktenkundigen Nazi-Kollaborateur zu einer Gedenkstätte für die Opfer des Nazismus zu führen und ihm dann auch noch einen Vortrag über die Nazis anhören zu lassen…“

Bei-Hallahmi begriff: „Vorster in der Holocaust-Gedenkstätte! Was für eine Selbstdarstellung Israels! Vielleicht zeigte das Land hier sein wahres Gesicht! Keinem Filmregisseur, der nach einer exemplarischen antiisraelischen Einstellung suchte, hätte etwas Besseres einfallen können.“ Für den Psychologie-Professor aus Haifa war es der Anlass, Israels Beziehungen zur Dritten Welt zu erforschen – mit besonderem Blick auf Südafrika. Um das Ergebnis seiner Recherchen vorwegzunehmen, warum der zionistische Staat Israel überall auf der Welt auf der Seite der „weißen Herrenmenschen“ stand und sich in Südafrika mit allen Mitteln für die Apartheid eingesetzt hat: „Israel befindet sich in permanenter Frontstellung zu den arabischen Völkern des Nahen Ostens (und damit zur Dritten Welt als ganzer), genau wie die zionistische Bewegung, aus der Israel hervorgegangen ist, sich von Anfang an in Frontstellung zu den Arabern im allgemeinen und den Palästinensern im Besonderen befunden hat. In den Kriegen der Dritten Welt, an denen Israel sich so aktiv beteiligt, geht es um das Recht ‚eingeborener‘ Bevölkerungen, in ihrer angestammten Heimat zu leben – so in Südafrika, Namibia, Guatemala. Hier bestehen natürlich unmittelbare Parallelen zu den Ansprüchen der arabische Palästinenser auf ihre eigene Heimat, Ansprüche, die lange Zeit geleugnet und ignoriert wurden. In Israel reproduziert sich der Kampf zwischen Erster und Dritter Welt dank eines politischen Systems, das dafür sorgt, dass die Vorrechte der Juden erhalten bleiben und dass den Arabern die politische Gleichberechtigung verwehr bleibt.“

An andere Stelle schreibt Beit-Hallahmi: „Das Unrecht, das den Palästinenser angetan wird, liegt so klar auf der Hand, dass man, um es nicht zur Kenntnis nehmen zu müssen, das Thema als solches tabuisieren muss. Da aber jede Diskussion darüber, was Israel in der Dritten Welt anstellt, zwangsläufig in die Frage nach den Rechten der Palästinenser münden würde, muss auch die Dritte-Welt-Problematik tabuisiert werden. Man kann nicht über Gleichberechtigung, Freiheit und Selbstbestimmung im Allgemeinen reden, ohne irgendwann auch das Verhältnis zwischen Israelis und Palästinensern an der Elle dieser hehren Ideale zu messen. Was Wunder, dass Israel nicht für die Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt Partei ergreift.“

Und: „Kaum jemand würde sich darüber wundern, dass weiße Südafrikaner in der Regel nichts für solche Befreiungsbewegungen übrighaben. In Israel ist die politische Diskussion, wie in Südafrika auch, von vornherein verkrüppelt, weil das Anlegen moralischer Maßstäbe tabu ist. Wenn in Israel eine solche Diskussion, und sei es anhand eines so fern liegenden Themas wie Apartheid, einsetzen würde, liefe das am Ende immer auf die Gretchenfrage nach der moralischen Berechtigung des Zionismus hinaus. (...) Gäbe man zu, dass dort [in der Dritten Welt] Unrecht geschieht, so würde man sich selbst mit dem Makel der Komplizenschaft belegen; daher werden die Fragen nach der moralischen Seite dessen, was man dort tut, erst gar nicht gestellt.“

Beit-Hallahmi geht dann ausführlich auf Israels enge Allianz mit dem Apartheidstaat Südafrika ein, und nennt sie eine Partnerschaft, die auf der Erde ihresgleichen sucht. Israel habe sich dort mit Haut und Haaren engagiert, mit höherem Einsatz und Aufwand als irgendwo sonst. Vor allem habe es sich zu einer unentbehrlichen Stütze des Apartheidregimes gemacht. Die Geschichte des Staates Israel kenne keine vergleichbare Liaison von solcher Intimität und Dauer. Aber nicht alles war der Öffentlichkeit über diese Beziehung bekannt, wie es der südafrikanische Außenminister Botha zugegeben hat: „In den israelisch-südafrikanischen Beziehungen gibt es viel mehr Verborgenes als Bekanntes.“

Ein verborgener Punkt in den Beziehungen war es, dass Israel Südafrika mit seinen Erfahrungen, Methoden und Techniken, die es bei der Bekämpfung der Palästinenser gewonnen hat, versorgt hat. Denn beide Staaten hatten ja nach Ansicht des südafrikanischen Premiers Vorster dasselbe Problem: „Israel steht nunmehr vor einem eigenen Apartheidproblem – im Umgang mit seinen arabischen Einwohnern. Beide Völker sind gewillt, eher zu kämpfen als ihre Zukunft ganz in die Hände einer sie umschließenden Mehrheit zu legen.“

Eine sehr enge Zusammenarbeit gab es deshalb auf militärischem Gebiet, wobei darüber natürlich wenig bekannt wurde, weil die israelische Militärzensur jegliche Berichterstattung zu dem Thema unterband. Und die Südafrikaner schwiegen natürlich auch. 1963 verabschiedete die UNO ein Waffenembargo gegen Südafrika. Israel befolgte das Embargo nicht, es lieferte an die weißen Herren am Kap weiter Waffen aller Art: Nachrichten- und Spionagetechnik, Ersatzteile und Munition. Außerdem gab es eine enge Kooperation bei der Entwicklung neuer Waffensysteme. Israel schickte auch Offiziere an das Kap, die den weißen Soldaten des Apartheidregimes beibringen sollten, wie man mit aus Israel importierten Methoden, die man „zu Hause“ im Kampf gegen die Palästinenser erprobt hatte, schwarze Terroristen bekämpft. Gemeint war hier natürlich vor allem die Befreiungsbewegung ANC.

Da es beiden Staaten in ihrer Ideologie in erster Linie um das „Überleben“ ging, gaben die Israelis moralische Unterstützung im „Überlebenskrieg“, aber auch direkte praktische militärische Hilfe. So wirkten israelische Berater an der Planung und Vorbereitung der südafrikanischen Invasion in Angola mit und waren seit 1975 auch in Namibia aktiv. Ziel war, diese schwarzafrikanischen Nachbarn zu destabilisieren. Die Israelis wandten dabei Strategien an, die sie erfolgreich gegen die PLO und die benachbarten arabischen Staaten. eingesetzt hatten: Präventivschläge, Überfälle und Kommandoaktionen. Israel lieferte Südafrikas Luftwaffe auch Tankflugzeuge, sodass deren Aktionsbereich beträchtlich erweitert wurde.

Israel unterstützte Südafrika auch bei der Grenzsicherung. Hierbei brachten die Israelis ihre Erfahrungen und Mittel ein, die sie im Kampf gegen die Palästinenser entwickelt hatten: Sicherungs- und Detektionssysteme, um das Einsickern von „terroristischen“ Guerillakämpfern zu verhindern. Die Israelis bauten an Südafrikas Grenzen eine „elektronische Mauer“ und legten einen Teppich aus elektronischen Sensoren. Zu den Sicherungssystemen gehörten auch Mikrowellen-Detektoren, Radaranlagen und Minenfelder.

Natürlich arbeiteten auch die Nachrichten- und Geheimdienste eng zusammen. Bet-Hallahmi schreibt über die Kooperation: „Die geheime Sicherheitspolizei SHABAK [heute: Shin Bet] unterhält in Südafrika eine ständige Mission. Die dort stationierten israelischen Spezialisten helfen ihren südafrikanischen Amtskollegen bei der täglichen Durchsetzung des Apartheidsystems. Die SHABAK hält sich viel auf ihre Repressionsmaßnahmen gegen die Palästinenser zugute, auf die Spitzel, die sie in die palästinensischen Organisationen eingeschleust hat, auf ihre Erfolge bei der Überwachung, Schikanierung und Festsetzung verdächtiger Elemente. Die SHABAK-Leute sind sich sicher, dass sie den Südafrikanern (und nicht nur ihnen) das eine oder andere über den Umgang mit ‚Eingeborenen‘ erzählen können, und sie haben es ausgiebig getan. Viele Maßnahmen, die die südafrikanische Sicherheitspolizei in letzter Zeit ergriffen hat, tragen unübersehbar den Stempel israelischer Ratgeber.“

Die Zusammenarbeit auf atomarem Gebiet war das bestgehütete Geheimnis der israelisch-südafrikanischen Allianz. Die Entwicklung nuklearer Waffentechnik war dabei ein Wesenselement der Überlebensstrategie beider Länder. Südafrika spielte eine wichtige Rolle für das südafrikanische Atomprogramm, da es über reiche Uranvorräte verfügt. Beide Staaten haben zusammen verschiedene Atombombentests unternommen. Israel lieferte Südafrika auch Jericho-Raketen, die Atomsprengköpfe transportieren können. Aus strategischen Gründen waren beide Staaten weniger an im Langstreckenbereich einsetzbaren „Bomben“ interessiert, sondern eher an taktischen Atomwaffen mit kurzer Reichweite und entwickelten daher eine Granate mit einem „kleinen“ Atomsprengsatz.

Beit-Hallahmi merkt zu diesem Punkt an: „Es ist möglich, dass das israelisch-südafrikanische Atomprogramm darüber hinaus noch andere Errungenschaften hervorgebracht hat, die die verwegensten Träume oder Alpträume übersteigen. Angeblich sind im Rahmen dieses Programms bei der Suche nach Lösungen für die spezifischen Probleme und Bedingungen beider Länder beim Einsatz von Atomwaffen bemerkenswerte technologische Durchbrüche erzielt worden.“ Es versteht sich von selbst, dass es zwischen beiden Staaten auch intensive Wirtschafts- und Handelsbeziehungen gab. Interessant ist dabei, dass auch sich sozialistisch nennende Kibuzzim, die eigentlich den Ideen der Gleichheit und Freiheit von Ausbeutung verpflichtet sind, intensive Geschäfte mit Südafrika pflegten.

Die Homelands oder Bantustans waren ein integraler Bestandteil des Apartheidsystems. Diese „Staaten“ wurden geschaffen, um die Schwarzen auszusperren und zu Ausländern im eigenen Land zu machen – sie durften sich selbst verwalten, aber natürlich nur unter totaler südafrikanischer Kontrolle. Israel hat dieses System voll unterstützt und pflegte intensive „formelle“ Kontakte zu den Bantustans, ohne sie aber politisch und völkerrechtlich anzuerkennen. So tätigten Israelis Investitionen in den Homelands, man konnte dort gute steuerfreie Gewinne erzielen. Der Herrscher des Bantustans Ciskey galt als besonders blutrünstiger Tyrann, was aber die Freundschaft Israels mit ihm nicht ausschloss. Mit seiner Bereitschaft, mit den Bantustans eng zusammenzuarbeiten, signalisierte Israel, wie ernst es die Parteinahme für die Apartheid nahm. Die Bantustan-Lösung praktiziert Israel ja auch inzwischen mit den Palästinensern.

Interessant ist, dass die meisten Israelis (auch die Politiker) trotz dieser engen Allianz beider Staaten ihre Sympathie für die Apartheid nicht gern offen zugaben. Sollte sich da doch so etwas wie ein schlechtes Gewissen gerührt haben? Zugleich empfanden sie das Bündnis mit Südafrika als völlig „normal“, was sich auch darin ausdrückte, dass es einen intensiven Austausch von Experten aller Art mit Südafrika gab. Auch bei israelischen Touristen war das Land äußerst beliebt. Es überwogen eben die Gemeinsamkeiten: „Israel hat den Südafrikanern gezeigt, wie ein kleines, von Feinden umringtes Land sich mit Hilfe überlegener Technik erfolgreich behaupten und eine Befreiungsbewegung im eigenen Land niederhalten kann“, sagte Premier Vorster.

Beit-Hallahmi stellt am Ende seiner Betrachtungen auch die Frage, aus welchen Gründen Israel eine so skrupellose Außenpolitik betreibt. Er beantwortet die Frage mit einer eindeutigen Aussage zur Ideologie dieses Staates: „Der Zionismus ist zu keiner Zeit eine humanistische Philosophie gewesen.“ Sein programmatisches Konzept, einen souveränen jüdischen Staat in Palästina zu gründen, habe von Anfang an die Vergewaltigung der eingeborenen Bevölkerung [der Palästinenser] beinhaltet. Die Konfrontation Israels mit der Dritten Welt habe also nicht in Mittelamerika oder Südafrika begonnen, sondern mit dem Bau der ersten zionistischen Siedlungen auf palästinensischem Boden. Dieser Siedlerkolonialismus mit der gleichzeitigen Bekämpfung der seit Jahrhunderten dort lebenden indigenen Bevölkerung habe Israel als außenpolitisches Konzept dann auf die Dritte Welt übertragen: „Wie hätten die Israelis aus ihrer kolonialistischen Haut schlüpfen und sich in der Welt draußen anders verhalten können als ‚zu Hause‘?“ fragt Beit-Hallahmi.

An der siedlerkolonialistischen Ideologie Israels hat sich bis zum heutigen Tag nichts geändert. Der jüdische Staat ist der letzte auf der Welt, der diese anachronistische Weltanschauung noch vertritt und sie auch praktisch durchführt. Die meisten undemokratischen oder diktatorischen Verbündeten in der Dritten Welt, für deren Überleben sich der zionistische Staat mit allen Mitteln engagiert hat, sind von der Bühne der Weltpolitik verschwunden: der Apartheidstaat Südafrika, der Iran des Schah, Marcos auf den Philippinen, Mobutu in Zaire, Stroessner in Paraguay und Pinochet in Chile und andere.

Israels außenpolitisches Konzept, das mit dem Export von Demokratie, Freiheit und Selbstbestimmung nichts zu tun hatte, war also nicht gerade ein Erfolgsmodell. Auch wenn rechtspopulistische Strömungen Israel zurzeit die Stange halten, mit seinem im eigenen Machtbereich praktizierten Apartheidsystem, steht der zionistische Staat ziemlich einsam und isoliert da. Das Apartheidmodell ist gegen den Strom der Geschichte gerichtet und hat keine Überlebenschance, wie das System Südafrikas bewiesen hat. Es bleibt die Erkenntnis: Israel ist heute nicht von außen bedroht, sondern durch sein anachronisches Apartheidsystem nur von innen.

18.04.2019

Benjamin Beit-Hallahmi: Schmutzige Allianzen. Die geheimen Geschäfte Israels, München 1989 (Das Buch ist in den Intenet-Antiquariaten noch zu haben.)

 

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