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Texte von Arn Strohmeyer

Genozid wäre besser gewesen
Deutsche Erinnerungspolitik ohne Palästinenser
Plädoyer Ungleichheit der Menschen
Deutschland eine Bananenrepublik?
Situation derPalaestinenser unter zionistischer Besatzung
Ist Banksy ein Antisemit?
Streit um die Kasseler Documenta
Israel ein Apartheidstaat wie Südafrika?
Streit um die Kasseler Documenta
Rezension - Abraham Melzer-  Ich bin (k)ein Antisemit!
Afghanische Sanndalentraeger besiegten USA
Gemeinsame Werte mit einem Apartheidstaat?
Der Welt droht ein neuer Kalter Krieg
Die Antideutschen
Chefs des Springer-Konzerns Mathias Döpfner
„Apeirogon“ des irischen Autors Colum McCann
Lapid - Imagpflege, neue Einsichten?
„1984“ - israelische Cyber-Software“
BDS -  Hoffnung der Palästinenser“
Das Ende einer Illusion
Kampf gegen Windmühlenflügel
Die grüne Kanzlerkandidatin
Palästina in israelischen Schulbüchern
Die Nakba soll zu Ende gebracht werden
Westliche Propaganda - Aufteilung der Welt in Gut+ Böse
Die Jerusalemer Erklärung - Antwort auf die IHRA
Werder Bremen übernimmt die IHRA-Definition
Joseph Melzer - Ich habe neun Leben gelebt.
Holocaustgedenktag 2021
Inhalt der BDS-Resolution nicht erwähnen
Bücher - Positionen zum israelbezogenen Antisemitismus
Kariere von Sawsan Chebli
Martialisches Erinnern
Das zynische Angebot
Omri Boehms - liberaler und humaner Zionismus!
Omri Bohm - Israel - eine Utopie
Darstellung des Zionismus  für Israels Politik Problem
Zionismus untergräbt Werte des Judentums
Gaza ist Überall!
Israel und das Apartheid-Südafrika
Fall Achille Mbembe kein Einzelfall
Eine deutsche Debatte im Jahr 2020
Achille Mbembe - Eigentor von Felix Klein
Was trägt Israel  zum Judenhass bei?
Antideutsche - Antisemitismus und Nahostkonflikt
Nirit Sommerfeld - Stimme des anderen Israel
Symbol für den Freiheitskampf
Krieg gegen das palästinensische Volk
Treueschwüre für einen Besatzerstaat
Zur Kriegsgefahr im Nahen Osten
Der  ideologische Blick auf Israels Geschichte
Kein Friedensstern über Bethlehem
G. Hanloser - Abgesang auf die Antideutschen
Bundesregierung will Hisbollah verbieten
Jürgen Todenhöfer - Die große Heuchelei
Spiegel - zu Israel-kritischer Positionen kein Wort
Gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“
Hungert sie aus!
Das Beispiel Dr. Dr. Marcus Ermler
Hans-Jürgen Abromeit sagt die Wahrheit
Israel zieht belastende Dokumente aus dem Verkehr
Definiert Israels Regierung was Antisemitismus ist
Der Kushner-Plan -Totgeburt
Israels Politik -  zynisch, autoritär und reaktionär
Bremen verweigert Kritik an Israel
Wahlen ohne Opposition und Alternative…
Man unterscheidet zwischen "guten" und "bösen" Juden
BDS-Aktivisten auf „Krawall“ reduziert
Israel Siedlungen auf dem Mond?
Die Mauer als Symbol des Scheiterns
Wider den Mainstream
Triumph des moralischen Nihilismus
Mythos - Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern
Frieden auf Erden“ –  nicht in Palästina
Zensur der evangelischen Kirche
Lehrer nach Yad Vashem
Evangelische Kirche und Israels Unrechtspolitik
Hysterie bis zur Paranoia
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Bremer Innensenator Mäurer hat Recht
Die „Israelisierung der Welt“
Trumps "Deal" Verrat an Palästina
Wikipedia ist der Manipulation überführt
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Juden und Muslime in Auschwitz
Israels Sanktionen - Iran
Zum Tod von Felicia Langer
„WerteInitiative“  - Schlag gegen Bettina Marx
Stopp gegen Antisemitismus-Hysterie
Palästina - Realität wird zum Tabu
Tom Segevs Ben Gurion-Biographie
Deutschland, Israel + der Antisemitismus:
Präsident Abbas‘ missverständliche Rede
Unterstützung Arbeit Antisemitismus-Beauftragten
Die inszenierte Hysterie
Entstehung Israels als Heldenepos
70 Jahre Israel – 70 Jahre Siedlerkolonialismus
Skandalöse Geschichtsklitterung
Heiko Maas  in Israel
Was für ein Staat!
Heiko Maas - Kniefall nach Israel
Meinungsfreiheit für Palästinenser in Bremen
Rolf Verleger - Hundert Jahre Heimat_Land
Israel hat den Frieden nie gewollt.
Weihnachten 2017
Gefängnisstrafen und Sippenhaft
Nimmt der Antisemitismus zu?
Stramm hinter Trump
Hermann Kuhn demonstriert  Nichtwissen
Deutsche Kampfflieger über Israel
„Sie weichen den wirklichen Problemen aus“
Rezension - Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher
Rezension - Abraham Melzer: Mit Feuer und Blut
Die kopernikanische Wende
Martin Schulz Kotau vor der Israel-Lobby
„1984“ auf israelisch
Rückfall in die Vormoderne
Michael Wolffsohn hat sich disqualifiziert
Rezension - M. Peled - Der Sohn des Generals
Analysen des antizionistischen Isaac Deutscher
Film - Der Hass auf Juden in Europa
14. Dokumenta - Ahlam Shibli
Michael Lüders Buch „Die den Sturm ernten“
Jenseits aller Wirklichkeit
„Im Gefängnis, weil  Palästinenser“
Das Lehrbeispiel BDS
DIG Aufruf gegen Kritiker
Broder - BDS + die Endlösung
Zwischen „Lügen- “ und „Lückenpresse“
Frieden auf Erden... nicht im Heiligen Land
Ist Deutschland eine Bananenrepublik?
Hat Jakob Augstein der Mut verlassen?
Israel-Berichterstattung - doppelte Standards
Propaganda-Lügen gegen den Frieden
Antisemitismus – „Missverständnis der Geschichte“?
Wann ist Kritik an Israels antisemitisch
Die Lobby schlägt zu
Geheimsache Heron TP
Claude Lanzmann -  Palästina-Konflikt
Die Israel-Lobby und die HAWK
Ein Humanist?
„Die Hamas ist an allem schuld“
Ein Krieger und Verächter des Völkerrechts
Proteste und Demonstrationen nicht Antisemitisch
Der Streit um Israels „Existenzrecht“
„Journalismus“ á la Benjamin Weinthal
„Methodisch betriebener Wahnsinn“
Dank an Benjamin Weinthal
Albert Einstein muß als Zeuge herhalten
Wenn Weinthal wieder einmal zuschlägt ...
Rezension von  Kurt O. Wyss
Noch mehr Israel-Kritiker geschafft
Interview mit Abdallah Frangi
Benjamin Weinthal verhindert Vortrag Arn Strohmeyer
„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?
Ein Weihnachtswunsch
Abraham Melzers Buch „Israel vor Gericht“
Rezension - Petra Wild: Die Krise des Zionismus
Gipfel der Absurdität
Daniel Killy diffamierte seinen früheren Arbeitgeber
Rezension - Die Hölle von Gaza - Spiewak
Rote Karte für Israel!
Der Antisemitismus-Vorwurf als Rufmord
Ist Israel ein verrückter Staat?
„Oslo war ein Kapitulationsabkommen“
Rezension - Ilan Pappe -  „Die Idee Israel"
Wenn eine Jüdin den Zionismus kritisiert...
Leseprobe 3 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 2 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 1 - Antisemitismus – Philosemitismus
Inhalt - Antisemitismus – Philosemitismus
Buch - Antisemitismus – Philosemitismus
Kontrolle über Israels Atomwaffen?
Rezension - Sven Severin: Shalom ist nicht Frieden.
Werte der USA und Europas Doppelmoral
Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba
Rezension - Israel – Im permanenten Kriegszustand
Zwischen Doppelmoral und Lebenslügen
Die Herren über Leben und Tod
Dauerbrenner Antisemitismus
Weglassen, vertuschen und manipulieren
Napoleoni - Die Rückkehr des Kalifats.
Presseboykott gegen  Nakba-Ausstellung Bremen?
Der Streit um die historische Wahrheit
Am besten das Völkerrecht abschaffen.
Anschläge Paris - Stunde der Heuchler
Die Legenden von den vertriebenen Juden
Linkspartei und die Verletzer der Völkerrechte
Für Israel Frieden unmöglich.
Zionismus vor seinem historischen Ende?
Antisemitismus-Gefahr als politische Waffe
Eine genau kalkulierte Kampagne
„Ein Massaker schlimmsten Ausmaßes!“
Dieter Graumann und die westlichen Werte
Willkommener Anlass
Die EU als zahnloser Papiertiger
Antisemiten überall
Uri Avnery relativiert die Nakba
H. Baumgarten - Kampf um Palästina
Ein bedeutender Schritt zur Versöhnung
Bremer Evangelische Kirche -  Frieden Nah Ost
„Warum provoziert Ihr Israel immer so?“
Interview mit  Reuven Moskowitz
Israels große Propagandainszenierung
Unkritische Unterstützung Israels.
Tumulte in der Knesset
Rezension - Israel kontrovers
Ariel Sharons brutale Gewaltpolitik
Neuerscheinung Ilan Pappes Buch?
Ilan Pappe - „Eethnische Säuberung Palästinas
Schweigen der Christen im Nahen Osten
Feldmans Film „The Lab“
Mythos - Vertreibung der Juden
Rezension - Viktoria Waltz -  „Monopoly“
Shlomo Sand - Ich steige aus.
Palästinenser Testpersonen für Rüstungsindustrie
Israel steht unter Verdacht
Rezension - Buch Ekkehart Drost
3. Israelkongress in Berlin
Die Angst vor der Wahrheit
Was kommt nach dem Zionismus?
Führt Obama Israels Krieg?
Haben nur Palästinenser „Blut an den Händen“?
Ein Bantustan-Staat für die Palästinenser?
Zionismus + arabischer Antisemitismus
Ethnische Säuberungen
Juden unerwünscht?
Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen!“
Nachruf auf Stéphane Hessel
Streit um Augsteins „Antisemitismus“ geht weiter
Zerstört Israel sich selbst?
Broders taktischer Rückzieher
Solidarität mit Jakob Augstein!
Sollen Patriot-Raketen Israel schützen?
Von der Macht der Denunzianten
Rezension Rudolph Bauer - Wer rettet Israel
Netanjau in Berlin zum völlig falschen Zeitpunkt
Mit der UNO auf Kriegsfuß
Generalangriff auf die Mythen des Zionismus
Gaza - Schweigen die Waffen?
"Sicht der Armee  kein ethisches Problem“
Erwiderung auf Charlotte Knobloch
Atmosphäre der Angst
Keine Chance für die Vernunft?
These vom Mord an Arafat
„Hier wird Israel pauschal diffamiert“
D. Barenboim:„Nur ein Psychiater kann  helfen!“
In Nibelungentreue an Israels Seite?
Merkels abenteuerlicher Kriegskurs
Der Dichter, Israel und die Denkverbote
Genug der Heuchelei! - Günther Grass
Auf Mythen keinen Frieden aufbauen
Brief an Ralph Giordano
Ilan Pappe -  Wissenschaft als Herrschaftsdienst
Nazi-Analogien in Israel
Interview mit Abdallah Frangi
Abdallah Frangi - Der Gesandte
Israeltag 2011 - Bremer Schulen
Ein Akt historischer Gerechtigkeit
Israel-Propaganda an deutschen Schulen ?
„Boykott ist eine absolute Notwendigkeit“
Rezension - Finkelstein „Israels Invasion in Gaza“
Die Partei „Die Linke“ + das Existenzrechts Israels
„Wir wollen die ganze Region befreien“
Ergänzung - Brief Bürgermeister Jens Böhrnsen
Offener Brief - Bürgermeister Jens Böhrnsen
Helmut Schmidt + R. von Weizsäcker Antisemiten?
Sind Boykottaktionen antisemitisch?
Boykott gegen Früchte aus Israel
Stéphane Hessel - Empört Euch!
Todenhöfer - Warum tötest Du, Zaid?
Arabische Aufstände düpieren den Westen + Israel
Verzweifeln an Israel
In der Falle der Stammesideologie
Wer glaubt an Friedensbotschaften
Kotau vor Merkels Nahost-Politik
Wie man Antisemiten produziert
Im Gleichschritt mit Israel?
Was ist Antisemitismus
Gibt es  "neuen" Antisemitismus? - Klug Brian
Was sind "jüdische Gene"? - Thilo Sarrazin
Zionistischer Angriff auf Wikipedia
Moshe Zimmermann: Angst vor Frieden
Verwirrung der Begriffe?
Offener Brief  Weser-Kurier-Artikel - 16. 06. 2010
Iris Hefets gewann Prozess gegen Lala Süsskind
Mordaktion nach Piratenmanier
Israel will keinen Frieden
Solidarität mit Iris Hefets!
Sieg der Spermien und Gebärmütter
Hajo Meyer - Radikale Kritik am Zionismus
Interview mit Norman G. Finkelstein
Gespräch mit Yehuda Shaul
Interview mit Yahav Zohar
Broder - Aufklärung + Untergang
„Israel streut der Welt Sand in die Augen“
„Hitler besiegen“
Interview mit Moshe Zuckermann
Bethlehem 2008
Volk ohne Hoffnung
Brief Präsidium J. G. Bremen
Interview Felicia Langer

 

TRANSLATE  

 „Methodisch betriebener Wahnsinn“

Was Israel zu seinem gnadenlosen Vorgehen gegen Gaza antreibt untersucht Norman G. Finkelstein in seinem neuen Buch

Arn Strohmeyer

Alle paar Jahre schlägt Israels hoch gerüstete Kriegsmaschinerie wieder gegen den Gazastreifen los. In Israel beschreibt man diese grausamen Überfälle, die schon Tausende von Palästinensern das Leben gekostet und das Gebiet zu einem Trümmerfeld und Elendsquartier gemacht haben, mit einer zynisch-poetischen Metapher: „Es ist Zeit, in Gaza wieder mal das Gras zu mähen!“ Die schrecklichen Folgen einer solchen „Gartenarbeit“ sind den Israelis offenbar völlig gleichgültig. Sie, die in jedem kleinen Grenzscharmützel gleich einen neuen Holocaust wittern, empfinden gegenüber den Leiden anderer keiner Empathie. Die Folgen der israelischen Attacken sind strategisch gewollt: den Gazastreifen mit jeder militärischen Aktion ein Stück weiter zerstören und auf diese Weise die Bildung eines palästinensischen Staates verhindern. Dass diese israelische Rechnung wohl aufgehen wird, hat selbst die UNO bestätigt: Spätestens im Jahr 2020 wird dieses größte Freiluftgefängnis der Welt unbewohnbar sein.

Der amerikanisch-jüdische Politologe Norman G. Finkelstein untersucht in seinem neuen Buch „Methode und Wahnsinn. Die Hintergründe der israelischen Angriffe auf Gaza“ das israelische Vorgehen gegen den palästinensischen Küstenstreifen und seine Bewohner. Der Ablauf ist fast immer der gleiche: Selbst wenn mit der Hamas ein Waffenruhe-Abkommen (das auch eingehalten wird) vereinbart wurde, findet Israel einen Vorwand, die Hamas-Führer im Gazastreifen so zu provozieren (etwa durch willkürliche Verhaftungen oder die Ermordung von führenden Hamas-Funktionären), dass eine neue Gewalteskalation beginnt und Israel gegen den Streifen losschlagen, also wieder einmal das „Gras mähen kann.“

Finkelstein begründet, warum Israel gar kein Interesse an einer langfristigen Waffenruhe hat: „Eine solche Waffenruhe würde die Aufmerksamkeit auf den in Worten und Taten zum Ausdruck gekommenen Pragmatismus der Hamas lenken, den internationalen Druck auf das verhandlungsunwillige Israel steigen lassen und somit das strategische Ziel Israels untergraben, sich das Westjordanland einzuverleiben.“ Was bedeutet: Israel muss auch gerade dann losschlagen, wenn es eine ernst gemeint palästinensische Friedensoffensive abzuwehren gilt.

Israel hat noch ein anderes Argument für seine Angriffe auf den Gazastreifen: die Wiederherstellung seiner „Abschreckungsfähigkeit“. Das wurde besonders nach der Schlappe der israelischen Armee im Libanon-Krieg 2006 gegen die Hisbollah deutlich. Mit „Abschreckungsfähigkeit“ ist nicht gemeint, dass Israel in der Lage sein müsse, eine akute tödliche Bedrohung für seine eigene Existenz abzuwenden, sondern „Abschreckung“ bedeutet: Die Araber müssen so eingeschüchtert werden, dass sie niemals –egal, was Israel auch tut – gegen diesen Staat aufbegehren können. Ariel Sharon hat diesen Sachverhalt in dem kurzen klassischen Satz  zusammengefasst: „Die Abschreckung ist unsere wichtigste Waffe – sie müssen Angst vor uns haben!“

Dass die Wiedererlangung der „Abschreckungsfähigkeit“ gegen einen Gegner erzielt wird, der sich gegen Israels militärische Übermacht gar nicht wehren und mit seinen primitiven, selbst gebastelten und deshalb völlig zielungenauen Raketen nur symbolischen Widerstand leisten kann, ohne Israel dabei größere Verluste an Menschen oder materielle Zerstörungen zufügen zu können, interessiert dort nicht. Ganz im Gegenteil: Gaza wurde und wird immer wieder zum Angriffsziel, weil es weitgehend wehrlos ist. Auf diese Weise kann Israel jedem Risiko für die eigenen Armee, die ein konventioneller Krieg bedeuten würde, aus dem Weg gehen. Dass ausgerechnet die durch Israels ständige Überfälle und die seit 2007 andauernde völlige Abriegelung des Gazastreifens (Blockade) in Armut und Elend gestoßene Bevölkerung das Ziel und Opfer abgeben muss, Israels „Abschreckungsfähigkeit“ wiederherzustellen, ist an Zynismus nicht zu übertreffen, den Finkelstein zu Recht als „Rückfall in die Barbarei“ bezeichnet.

Israels Verteidiger bringen gegen den Raketenbeschuss der Hamas (oder anderer islamischer Gruppen) das Argument vor, dass dieser Staat ein „Recht auf Selbstverteidigung“ habe. Finkelstein, der die Raketen der Hamas als bestenfalls „frisierte Feuerwerkskörper“ bezeichnet. antwortet darauf mit einer militärischen und einem völkerrechtrechtlichen Gegenaussage. Sein militärisches Argument, das die eklatante Asymmetrie der Stärken beider Seiten im Jahr 2014 betont, lautet: „Die Hamas hatte keine Raketen in ihrem Arsenal, keine Verbündeten, von denen sie welche hätte beziehen können, [wegen der Blockade] keine Möglichkeit, welche in den Gazastreifen hineinzuschmuggeln, und keine Ressourcen, um selbst welche herzustellen. Von daher gehört die Vorstellung, die Hamas habe Tausende Raketen auf Israel abgefeuert (und weitere Tausende in geheimen Waffenlagern bereitgehalten), während Israel nur dank des wunderbaren [Luftabwehrsystems] Iron Dome von Verwüstung verschont geblieben sei, wohl ins Reich der Fabel.“

Finkelsteins völkerrechtliche Argumentation verdient es, hier ausführlich wiedergegeben zu werden, weil das „Selbstverteidigungs“-Argument gerade auch in Deutschland sehr viele Anhänger hat – sogar die Kanzlerin benutzt es ständig. Der Autor sieht in der Aussage der „Selbstverteidigung“ einen grundsätzlichen Widerspruch: Denn wie kann Israel behaupten, sich selbst zu verteidigen, wenn es die Feindseligkeiten gegen Gaza ja selbst alle vom Zaun gebrochen hat? Finkelstein argumentiert dann folgendermaßen: Nach dem Völkerrecht ist es einer Besatzungsmacht verboten, das Streben nach Selbstbestimmung gewaltsam zu unterdrücken, wohingegen es einem Volk nicht verboten ist, bei seinem Streben nach Selbstbestimmung Gewalt anzuwenden. In einem Rechtsgutachten von 2004 hat der Internationale Gerichtshof das Recht des palästinensischen Volkes auf Selbstbestimmung ausdrücklich bestätigt und Israel dazu verpflichtet, das Selbstbestimmungsrecht dieses Volkes zu respektieren. Folglich kann Israel sich nicht das Recht anmaßen, das palästinensische Streben nach Selbstbestimmung gewaltsam zu unterdrücken.

Auch kann Israel mit Verweis auf die Tatsache, dass sich dieser Kampf um Selbstbestimmung im Rahmen einer Besatzung abspielt, nicht behaupten, ihm als Besatzungsmacht stünde es rechtmäßig zu, der Besatzung, solange sie besteht, Geltung zu verschaffen. Finkelstein verweist in diesem Zusammenhang auf eine Entscheidung des Internationalen Gerichtshofes von 1971, die besagte, dass Südafrika das Recht verwirkt hatte, seine Besatzung Namibias fortzuführen, weil es sich weigerte, in redlicher Absicht über deren Aufhebung zu verhandeln. Daraus folgt: Auch Israel hat es versäumt, in redlicher Absicht über ein Ende der Besatzung der palästinensischen Gebiete zu verhandeln. Gemäß dem Präzedenzfall Namibia ist auch die israelische Besatzung illegal. Sein einziges „Recht“, das Israel geltend machen kann, besteht darin, seine Besatzung unverzüglich zu beenden.

Finkelsteins weitere Argumentation: Zwar behauptet Israel, es habe das Recht, sich gegen den Hamas-Beschuss zu verteidigen, was aber Israel dabei in Wirklichkeit für sich beansprucht, ist das Recht, seine Besatzung fortzuführen. Würde Israel darauf verzichten, das palästinensische Streben nach Selbstbestimmung gewaltsam zu unterdrücken, ließe sich die Besatzung nicht länger aufrechterhalten, und der Beschuss Israels hätte ein Ende. Anders gesagt: Gäbe Israel seine Besatzung auf, würde sich eine Gewaltanwendung erübrigen. Die gebetsmühlenartige Beschwörung des israelischen „Rechts auf Selbstverteidigung“ dient nur der Ablenkung. Die eigentliche Frage ist doch: Hat Israel das Recht, Gewalt anzuwenden, um an seiner illegalen Besatzung festzuhalten zu können? Die Antwort lautet nein.

Argumente, die man sich merken sollte, um der hohlen und stupiden Litanei von dem „Recht auf Selbstverteidigung“ entgegentreten zu können. Finkelstein ist ansonsten was die Lösung des Konflikts angeht, eher pessimistisch. Militärisch ist Israel so überlegen, dass gewaltsamer Widerstand der Palästinenser keine Erfolgsaussichten hat. Auch die diplomatischen Chancen für eine Lösung schätzt er gering ein: „Die Palästinenser können sich von der Diplomatie nicht einmal ein ungerechtes Friedensabkommen erhoffen, geschweige denn ein gerechtes.“ Auch von einer Anklage beim Internationalen Strafgerichtshof hält er nichts, weil die Gesinnung dieses Gerichts eher Israel-freundlich sei.

Was bleibt? Finkelstein schlägt nach dem Vorbild der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung eine gewaltige, aber völlig gewaltlose Demonstration aller Bewohner des Gazastreifens vor den israelischen Grenzabsperrungen vor – die Kinder vorneweg. Auf den Transparenten müssten Losungen stehen wie „Hört auf, uns die Luft abzuschneiden!“ und „Schluss mit der illegalen Gaza-Blockade!“ Eine schöne Idee, aber ob sie Israel zum Einlenken bringen würde, ist doch eher zweifelhaft. Aber dieser Zweifel ist keine Kritik an Finkelsteins sehr wichtigem Buch, das ein unerlässlicher Beitrag zum Verständnis von Israels barbarischer Politik gegenüber den Palästinensern im Allgemeinen und dem Gazastreifen im Besonderen ist.

 

Norman, G. Finkelstein: Methode und Wahnsinn. Die Hintergründe der israelischen Angriffe aus Gaza, Laika Verlag Hamburg, ISBN 978-3-944233-62-8, 19 €

26.03.2016

 

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