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Das Palästina Portal

Täglich neu - Nachrichten, Texte aus dem besetzen Palästina die in den deutschen Medien fehlen.

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Texte von Arn Strohmeyer

Genozid wäre besser gewesen
Deutsche Erinnerungspolitik ohne Palästinenser
Plädoyer Ungleichheit der Menschen
Deutschland eine Bananenrepublik?
Situation derPalaestinenser unter zionistischer Besatzung
Ist Banksy ein Antisemit?
Streit um die Kasseler Documenta
Israel ein Apartheidstaat wie Südafrika?
Streit um die Kasseler Documenta
Rezension - Abraham Melzer-  Ich bin (k)ein Antisemit!
Afghanische Sanndalentraeger besiegten USA
Gemeinsame Werte mit einem Apartheidstaat?
Der Welt droht ein neuer Kalter Krieg
Die Antideutschen
Chefs des Springer-Konzerns Mathias Döpfner
„Apeirogon“ des irischen Autors Colum McCann
Lapid - Imagpflege, neue Einsichten?
„1984“ - israelische Cyber-Software“
BDS -  Hoffnung der Palästinenser“
Das Ende einer Illusion
Kampf gegen Windmühlenflügel
Die grüne Kanzlerkandidatin
Palästina in israelischen Schulbüchern
Die Nakba soll zu Ende gebracht werden
Westliche Propaganda - Aufteilung der Welt in Gut+ Böse
Die Jerusalemer Erklärung - Antwort auf die IHRA
Werder Bremen übernimmt die IHRA-Definition
Joseph Melzer - Ich habe neun Leben gelebt.
Holocaustgedenktag 2021
Inhalt der BDS-Resolution nicht erwähnen
Bücher - Positionen zum israelbezogenen Antisemitismus
Kariere von Sawsan Chebli
Martialisches Erinnern
Das zynische Angebot
Omri Boehms - liberaler und humaner Zionismus!
Omri Bohm - Israel - eine Utopie
Darstellung des Zionismus  für Israels Politik Problem
Zionismus untergräbt Werte des Judentums
Gaza ist Überall!
Israel und das Apartheid-Südafrika
Fall Achille Mbembe kein Einzelfall
Eine deutsche Debatte im Jahr 2020
Achille Mbembe - Eigentor von Felix Klein
Was trägt Israel  zum Judenhass bei?
Antideutsche - Antisemitismus und Nahostkonflikt
Nirit Sommerfeld - Stimme des anderen Israel
Symbol für den Freiheitskampf
Krieg gegen das palästinensische Volk
Treueschwüre für einen Besatzerstaat
Zur Kriegsgefahr im Nahen Osten
Der  ideologische Blick auf Israels Geschichte
Kein Friedensstern über Bethlehem
G. Hanloser - Abgesang auf die Antideutschen
Bundesregierung will Hisbollah verbieten
Jürgen Todenhöfer - Die große Heuchelei
Spiegel - zu Israel-kritischer Positionen kein Wort
Gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“
Hungert sie aus!
Das Beispiel Dr. Dr. Marcus Ermler
Hans-Jürgen Abromeit sagt die Wahrheit
Israel zieht belastende Dokumente aus dem Verkehr
Definiert Israels Regierung was Antisemitismus ist
Der Kushner-Plan -Totgeburt
Israels Politik -  zynisch, autoritär und reaktionär
Bremen verweigert Kritik an Israel
Wahlen ohne Opposition und Alternative…
Man unterscheidet zwischen "guten" und "bösen" Juden
BDS-Aktivisten auf „Krawall“ reduziert
Israel Siedlungen auf dem Mond?
Die Mauer als Symbol des Scheiterns
Wider den Mainstream
Triumph des moralischen Nihilismus
Mythos - Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern
Frieden auf Erden“ –  nicht in Palästina
Zensur der evangelischen Kirche
Lehrer nach Yad Vashem
Evangelische Kirche und Israels Unrechtspolitik
Hysterie bis zur Paranoia
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Bremer Innensenator Mäurer hat Recht
Die „Israelisierung der Welt“
Trumps "Deal" Verrat an Palästina
Wikipedia ist der Manipulation überführt
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Juden und Muslime in Auschwitz
Israels Sanktionen - Iran
Zum Tod von Felicia Langer
„WerteInitiative“  - Schlag gegen Bettina Marx
Stopp gegen Antisemitismus-Hysterie
Palästina - Realität wird zum Tabu
Tom Segevs Ben Gurion-Biographie
Deutschland, Israel + der Antisemitismus:
Präsident Abbas‘ missverständliche Rede
Unterstützung Arbeit Antisemitismus-Beauftragten
Die inszenierte Hysterie
Entstehung Israels als Heldenepos
70 Jahre Israel – 70 Jahre Siedlerkolonialismus
Skandalöse Geschichtsklitterung
Heiko Maas  in Israel
Was für ein Staat!
Heiko Maas - Kniefall nach Israel
Meinungsfreiheit für Palästinenser in Bremen
Rolf Verleger - Hundert Jahre Heimat_Land
Israel hat den Frieden nie gewollt.
Weihnachten 2017
Gefängnisstrafen und Sippenhaft
Nimmt der Antisemitismus zu?
Stramm hinter Trump
Hermann Kuhn demonstriert  Nichtwissen
Deutsche Kampfflieger über Israel
„Sie weichen den wirklichen Problemen aus“
Rezension - Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher
Rezension - Abraham Melzer: Mit Feuer und Blut
Die kopernikanische Wende
Martin Schulz Kotau vor der Israel-Lobby
„1984“ auf israelisch
Rückfall in die Vormoderne
Michael Wolffsohn hat sich disqualifiziert
Rezension - M. Peled - Der Sohn des Generals
Analysen des antizionistischen Isaac Deutscher
Film - Der Hass auf Juden in Europa
14. Dokumenta - Ahlam Shibli
Michael Lüders Buch „Die den Sturm ernten“
Jenseits aller Wirklichkeit
„Im Gefängnis, weil  Palästinenser“
Das Lehrbeispiel BDS
DIG Aufruf gegen Kritiker
Broder - BDS + die Endlösung
Zwischen „Lügen- “ und „Lückenpresse“
Frieden auf Erden... nicht im Heiligen Land
Ist Deutschland eine Bananenrepublik?
Hat Jakob Augstein der Mut verlassen?
Israel-Berichterstattung - doppelte Standards
Propaganda-Lügen gegen den Frieden
Antisemitismus – „Missverständnis der Geschichte“?
Wann ist Kritik an Israels antisemitisch
Die Lobby schlägt zu
Geheimsache Heron TP
Claude Lanzmann -  Palästina-Konflikt
Die Israel-Lobby und die HAWK
Ein Humanist?
„Die Hamas ist an allem schuld“
Ein Krieger und Verächter des Völkerrechts
Proteste und Demonstrationen nicht Antisemitisch
Der Streit um Israels „Existenzrecht“
„Journalismus“ á la Benjamin Weinthal
„Methodisch betriebener Wahnsinn“
Dank an Benjamin Weinthal
Albert Einstein muß als Zeuge herhalten
Wenn Weinthal wieder einmal zuschlägt ...
Rezension von  Kurt O. Wyss
Noch mehr Israel-Kritiker geschafft
Interview mit Abdallah Frangi
Benjamin Weinthal verhindert Vortrag Arn Strohmeyer
„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?
Ein Weihnachtswunsch
Abraham Melzers Buch „Israel vor Gericht“
Rezension - Petra Wild: Die Krise des Zionismus
Gipfel der Absurdität
Daniel Killy diffamierte seinen früheren Arbeitgeber
Rezension - Die Hölle von Gaza - Spiewak
Rote Karte für Israel!
Der Antisemitismus-Vorwurf als Rufmord
Ist Israel ein verrückter Staat?
„Oslo war ein Kapitulationsabkommen“
Rezension - Ilan Pappe -  „Die Idee Israel"
Wenn eine Jüdin den Zionismus kritisiert...
Leseprobe 3 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 2 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 1 - Antisemitismus – Philosemitismus
Inhalt - Antisemitismus – Philosemitismus
Buch - Antisemitismus – Philosemitismus
Kontrolle über Israels Atomwaffen?
Rezension - Sven Severin: Shalom ist nicht Frieden.
Werte der USA und Europas Doppelmoral
Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba
Rezension - Israel – Im permanenten Kriegszustand
Zwischen Doppelmoral und Lebenslügen
Die Herren über Leben und Tod
Dauerbrenner Antisemitismus
Weglassen, vertuschen und manipulieren
Napoleoni - Die Rückkehr des Kalifats.
Presseboykott gegen  Nakba-Ausstellung Bremen?
Der Streit um die historische Wahrheit
Am besten das Völkerrecht abschaffen.
Anschläge Paris - Stunde der Heuchler
Die Legenden von den vertriebenen Juden
Linkspartei und die Verletzer der Völkerrechte
Für Israel Frieden unmöglich.
Zionismus vor seinem historischen Ende?
Antisemitismus-Gefahr als politische Waffe
Eine genau kalkulierte Kampagne
„Ein Massaker schlimmsten Ausmaßes!“
Dieter Graumann und die westlichen Werte
Willkommener Anlass
Die EU als zahnloser Papiertiger
Antisemiten überall
Uri Avnery relativiert die Nakba
H. Baumgarten - Kampf um Palästina
Ein bedeutender Schritt zur Versöhnung
Bremer Evangelische Kirche -  Frieden Nah Ost
„Warum provoziert Ihr Israel immer so?“
Interview mit  Reuven Moskowitz
Israels große Propagandainszenierung
Unkritische Unterstützung Israels.
Tumulte in der Knesset
Rezension - Israel kontrovers
Ariel Sharons brutale Gewaltpolitik
Neuerscheinung Ilan Pappes Buch?
Ilan Pappe - „Eethnische Säuberung Palästinas
Schweigen der Christen im Nahen Osten
Feldmans Film „The Lab“
Mythos - Vertreibung der Juden
Rezension - Viktoria Waltz -  „Monopoly“
Shlomo Sand - Ich steige aus.
Palästinenser Testpersonen für Rüstungsindustrie
Israel steht unter Verdacht
Rezension - Buch Ekkehart Drost
3. Israelkongress in Berlin
Die Angst vor der Wahrheit
Was kommt nach dem Zionismus?
Führt Obama Israels Krieg?
Haben nur Palästinenser „Blut an den Händen“?
Ein Bantustan-Staat für die Palästinenser?
Zionismus + arabischer Antisemitismus
Ethnische Säuberungen
Juden unerwünscht?
Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen!“
Nachruf auf Stéphane Hessel
Streit um Augsteins „Antisemitismus“ geht weiter
Zerstört Israel sich selbst?
Broders taktischer Rückzieher
Solidarität mit Jakob Augstein!
Sollen Patriot-Raketen Israel schützen?
Von der Macht der Denunzianten
Rezension Rudolph Bauer - Wer rettet Israel
Netanjau in Berlin zum völlig falschen Zeitpunkt
Mit der UNO auf Kriegsfuß
Generalangriff auf die Mythen des Zionismus
Gaza - Schweigen die Waffen?
"Sicht der Armee  kein ethisches Problem“
Erwiderung auf Charlotte Knobloch
Atmosphäre der Angst
Keine Chance für die Vernunft?
These vom Mord an Arafat
„Hier wird Israel pauschal diffamiert“
D. Barenboim:„Nur ein Psychiater kann  helfen!“
In Nibelungentreue an Israels Seite?
Merkels abenteuerlicher Kriegskurs
Der Dichter, Israel und die Denkverbote
Genug der Heuchelei! - Günther Grass
Auf Mythen keinen Frieden aufbauen
Brief an Ralph Giordano
Ilan Pappe -  Wissenschaft als Herrschaftsdienst
Nazi-Analogien in Israel
Interview mit Abdallah Frangi
Abdallah Frangi - Der Gesandte
Israeltag 2011 - Bremer Schulen
Ein Akt historischer Gerechtigkeit
Israel-Propaganda an deutschen Schulen ?
„Boykott ist eine absolute Notwendigkeit“
Rezension - Finkelstein „Israels Invasion in Gaza“
Die Partei „Die Linke“ + das Existenzrechts Israels
„Wir wollen die ganze Region befreien“
Ergänzung - Brief Bürgermeister Jens Böhrnsen
Offener Brief - Bürgermeister Jens Böhrnsen
Helmut Schmidt + R. von Weizsäcker Antisemiten?
Sind Boykottaktionen antisemitisch?
Boykott gegen Früchte aus Israel
Stéphane Hessel - Empört Euch!
Todenhöfer - Warum tötest Du, Zaid?
Arabische Aufstände düpieren den Westen + Israel
Verzweifeln an Israel
In der Falle der Stammesideologie
Wer glaubt an Friedensbotschaften
Kotau vor Merkels Nahost-Politik
Wie man Antisemiten produziert
Im Gleichschritt mit Israel?
Was ist Antisemitismus
Gibt es  "neuen" Antisemitismus? - Klug Brian
Was sind "jüdische Gene"? - Thilo Sarrazin
Zionistischer Angriff auf Wikipedia
Moshe Zimmermann: Angst vor Frieden
Verwirrung der Begriffe?
Offener Brief  Weser-Kurier-Artikel - 16. 06. 2010
Iris Hefets gewann Prozess gegen Lala Süsskind
Mordaktion nach Piratenmanier
Israel will keinen Frieden
Solidarität mit Iris Hefets!
Sieg der Spermien und Gebärmütter
Hajo Meyer - Radikale Kritik am Zionismus
Interview mit Norman G. Finkelstein
Gespräch mit Yehuda Shaul
Interview mit Yahav Zohar
Broder - Aufklärung + Untergang
„Israel streut der Welt Sand in die Augen“
„Hitler besiegen“
Interview mit Moshe Zuckermann
Bethlehem 2008
Volk ohne Hoffnung
Brief Präsidium J. G. Bremen
Interview Felicia Langer

 

 

 

Präsident Abbas‘ missverständliche Rede war für Israel und seine Freunde ein gefundenes Fressen

Arn Strohmeyer

Es war in Teilen eine wirre, unausgegorene und deshalb verunglückte Rede, die Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas in der vergangenen Woche auf dem palästinensischen Nationalkongress in Ramallah gehalten hat. Dass westliche Medien und Politiker (vor allem die Israels) nur darauf gelauert hatten, dass Abbas ein falsches Wort entwischen würde, das also als „Antisemitismus“ oder „Holocaustleugnung“ ausgelegt werden konnte, war klar. Und der alte Palästinenserführer war unvorsichtig genug, sich auf dieses politische Glatteis zu begeben. Und so tappte er in die von ihm selbst gestellte Falle, weil seine Worte so vage, nicht eindeutig und streckenweise so missverständlich waren.

Und die Öffentlichkeitsarbeit der palästinensischen Autonomiebehörde (PA) war obendrein so schlecht, dass man vergeblich auf eine Klarstellung des Gesagten wartete. Lange Zeit konnte man von offizieller Seite nicht erfahren, was er denn nun wirklich gesagt hatte und war auf fragwürdige Agenturtexte und Übersetzungen seiner Rede von Privatleuten angewiesen. Die wichtigste Frage, die sich stellte, war: War diese Rede wirklich „antisemitisch“ und hatte Abbas den Holocaust geleugnet?

Den Übersetzungen zufolge hat Abbas sich auf drei jüdische Autoren bezogen: Karl Marx, Arthur Koestler und Isaac Deutscher, die konstatiert hätten, dass der Judenhass keine religiösen Gründe gehabt, sondern im Geld- und Finanzgebaren der Juden seine Wurzeln gehabt habe. Ohne im Einzelnen auf diese drei Autoren eingehen zu können, ist diese Aussage historisch nicht korrekt, denn im ganzen Mittelalter hat es sehr wohl einen religiösen Judenhass gegeben, weil die Juden als Jesus-Mörder angesehen wurden und die Kirche das Judentum als religiöse Konkurrenz empfand. Man denke nur an Martin Luthers fanatischen Judenhass. Der Reformator rief sogar dazu auf, sie umzubringen. Ein weiteres Beispiel: Unter dem spanischen Königspaar Ferdinand und Isabella mussten die Juden im 15. Jahrhundert ihrer Religion abschwören und wurden selbst dann noch von der Inquisition verfolgt, weil diese behauptete, dass die Juden ihre Religion im Geheimen weiter ausübten. Es gibt noch viele Beispiele für Judenhass aus religiösen Gründen.

Bei der Aussage von Abbas (wieder mit Bezug auf die drei genannten Autoren), dass der Hass auf Juden mit ihrer Rolle im Geldwesen zusammenhänge, liegt er ja nicht ganz falsch. Wer da gleich „Antisemitismus“ schreit, zeigt nur historische Unkenntnis. Allerdings muss man an dieser Stelle berücksichtigen, dass es zwei grundverschiedene Definitionen von Antisemitismus gibt. Die eine Richtung erklärt ihn aus der Geschichte heraus. Danach sind Juden nicht wegen ihrer „Rasse“, ihrer Kultur oder ihrer Position als Minderheit primär verfolgt worden, sondern aufgrund ökonomischer Bedingungen. So schreibt der deutsche Soziologe Walter Hollstein: „Bis zum Aufkommen des Kapitalismus war den Juden eine Vorrangstellung in der Zirkulations- und Handelssphäre eingeräumt. In der feudalistischen Epoche hatte das jüdische ‚Handels- und Wucherkapital große Ausdehnungsmöglichkeiten‘“.

Was ja auch nicht verwundert und eher aus der Not geboren war, weil den Juden der Zugang zu den meisten Berufen versagt war – etwa Landwirtschaft, Handwerk usw. Hollstein schreibt weiter: „Die Juden erfüllten in der Zirkulationssphäre konkrete Funktionen zur Aufrechterhaltung der mittelalterlichen Gesellschaft und wurden deshalb nicht umsonst von Königen und Adel beschützt. Das Aufkommen des Kapitalismus und die damit verbundene Verwandlung aller Klassen in Produzenten von Tauschwerten (und nicht mehr nur Gebrauchswerten) und Geldbesitzer beendigte notwendigerweise die Vorrangstellung der Juden in der Zirkulationssphäre. Durch die Entwicklung der Städte und einer einheimischen Handelsklasse werden die Juden völlig aus dem Handel verdrängt. Sie werden zu Wucherern, deren hauptsächliche Kundschaft Adelige und Könige sind.“

Und weiter: „Der relative Überfluss an Geld erlaubt es, dem Adel, das Joch der Wucherer abzuschütteln. Die Juden werden nach und nach aus allen Ländern vertrieben. Einige assimilieren sich und gehen in der einheimischen Bourgeoisie auf. In einigen Städten, vor allem in Deutschland und Italien, beschäftigen sich die Juden hauptsächlich damit, dem Volk, vor allem Bauern und Handwerkern, Kredite zu geben. Zu kleinen Wucherern abgesunken, (…) werden die Juden oft zu Opfern blutiger Aufstände. Im Allgemeinen ist der mittelalterliche Kapitalismus die Periode der grausamsten Judenverfolgungen.“ In Osteuropa, schreibt Hollstein weiter, habe der mittelalterliche Kapitalismus so gut wie nicht existiert, weil es dort keine Trennung zwischen Kaufmanns- und Wucherkapital gegeben habe. Dort seien die Juden vor allem Kaufleute und Zwischenhändler gewesen. Während sie aus Westeuropa verdrängt worden seien, hätten sie im Osten Europas ihre Position festigen können. Das sind historische Fakten zum Verständnis des Antisemitismus, wenn auch keine Gründe für Antisemitismus.

Den hier genannten historischen Gründen für Antisemitismus steht die Auffassung der Zionisten gegenüber: Der Antisemitismus habe nichts mit historischen Umständen zu tun: Er ist ewig, unvergänglich und geschichtslos, er ist ein beständiges Charakteristikum der menschlichen Natur. Der Zionist Leo Pinsker ging so weit, den Antisemitismus für eine Psychose zu halten, die er für unheilbar und sogar für vererbbar erklärte. Die Zionisten leiten aus diesem Antisemitismus-Begriff ihre Absicht ab, in Palästina ihren eigenen Nationalstaat zu schaffen, weil nur so der Judenhass umgangen werden könne. Dass Zionismus und Antisemitismus sich komplementär ergänzen, ist auch kein Geheimnis: Denn der Judenhass des letzteren fördert den Nationalismus und Zusammenhalt des ersteren. Zudem sorgt Antisemitismus dafür, dass mehr Juden nach Israel auswandern.

Für die israelische Politik hat dieser ahistorische Antisemitismus-Begriff den Vorteil, dass sie sich bei allem, was sie tut, aus der Verantwortung stehlen kann. Denn schuld sind ja immer die „anderen“, eben die „Antisemiten“. Ein solcher Antisemitismus-Begriff entlastet Israel auch davon, (darauf weist der israelische Journalist Gideon Levy in einer Reaktion auf die Abbas-Rede hin), sich für seine Verbrechen an den Palästinensern zu entschuldigen. Immerhin hat sich Abbas für seine halbwahren und missverständlichen Äußerungen entschuldigt.

Gideon Levy schreibt über Israel wörtlich: „Eine Nation, die nicht aufgehört hat zu besetzen, zu zerstören und zu töten, und nie daran gedacht hat, sich für irgendetwas zu entschuldigen, bringt ihre Opfer dazu, sich für einen miesen Satz ihres Anführers zu entschuldigen. (…) Abbas ist viel weniger ein Holocaust-Leugner als Israel ein Leugner der Nakba ist. Aber es ist erlaubt, die Nakba zu leugnen, in der Tat ist es ein Muss in Israel, und es ist zu Recht verboten, den Holocaust zu leugnen. Die Tatsache, dass der Holocaust viel schrecklicher war als die Nakba, legitimiert nicht die Leugnung der Katastrophe des anderen, die niemals endet.“

Auch dass die israelische Politik gegenüber den Palästinensern heute selbst eine der Hauptursachen für Hass auf Juden in der Welt ist, kann man mit diesem Antisemitismus-Begriff von sich weisen und eben auf den „ewigen Antisemitismus“ der anderen verweisen. Dieser zionistische und völlig undifferenzierte Antisemitismusbegriff wird in der westlichen Welt kritiklos übernommen und vertreten, und nur so kann man ihn bei jeder Kritik an der israelischen Politik als Vorwurf erheben, auch und gerade gegenüber Abbas und den Palästinensern.

Der Antisemitismus-Begriff der NS-Ideologie hatte beides zum Inhalt: eine pseudowissenschaftliche Rassenlehre und Verschwörungstheorien von einem die „Welt beherrschenden Finanzjudentum“. Man muss Abbas vorwerfen, sich gerade angesichts dieser gefährlichen Begriffssprache ungenau und missverständlich ausgedrückt zu haben. Hier hätte es einer klaren und eindeutigen Distanzierung bedurft, um nicht in den Verdacht schlimmer ideologischer Abgründe zu geraten. Dass er den Holocaust geleugnet hat, ist unsinnig, er hat offenbar (so ganz klar wird das aus den Übersetzungen nicht) nicht exakt die korrekten Ursachen für dieses Mega-Verbrechen genannt oder es in einen historisch unkorrekten Zusammenhang gestellt. Aber das ist ja keine Leugnung.

Die Vorwürfe, die man Abbas machen kann, gelten umgekehrt auch für die westlichen Medien und die westliche Politik – speziell die Israels. Da reicht eine ungenaue und in der Tat zu vage Aussage zu dem Themenkomplex Antisemitismus und Holocaust, und schon spult die proisraelische Propagandamaschine ihre immer gleichen Stereotypen ab: Hier die Guten und dort die Bösen. Differenzierung, Gebrauch einer exakten Begriffssprache sowie ein korrekter Blick auf die Geschichte sind dabei nicht gefragt. Israel kamen die unglückliche Aussagen von Abbas zudem gerade recht, um von seinen Massakern an friedlichen und unbewaffneten Demonstranten an der Grenze zum Gazastreifen abzulenken, die inzwischen über 50 Tote und Tausende von Verletzten gefordert haben. Ja, Abbas unglückliche Rede ist sogar geeignet, diese Massaker noch zu rechtfertigen, sind die Palästinenser doch alle „Antisemiten“ und „Terroristen“.

Der ganze Vorgang erinnert stark an Ausführungen des früheren iranischen Präsidenten Ahmadinejad vor einigen Jahren. Er hatte auf einer Pressekonferenz einen Blick in die Geschichte geworfen und angemerkt, dass das zionistische Regime, das Millionen Palästinenser unterdrücke, „genauso aus den Büchern der Geschichte verschwinden“ werde wie das Apartheidregime in Südafrika und die Sowjetunion. Ahmadinejad hat weder gesagt, wie das geschehen soll noch hat er ein Subjekt genannt, wer hier angeblich vernichten will. Westliche Medien machten aus seiner Aussage aber sofort: Der Iran will Israel vernichten! Sie behaupten das bis heute. Dass der Iran gar nicht die militärischen Kapazitäten besitzt, das zu tun, und dass Israels Ministerpräsident umgekehrt ständig mit einem Präventionskrieg auf den Iran droht – wen interessiert das schon? Das ist ein sehr schöner Beleg für die ideologische Einseitigkeit der westlichen Mainstream-Medien – Lückenpresse eben.  6.05.2018

 

 

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