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Eine Seite für Tom Hurndall

geboren 1981 - angeschossen am 11. April 2003 gestorben 13. Januar 2004
 

Nach 8 Monaten im Koma erlag der 22jährige britische ISM-Aktivist Tom Hurndall am 13. Januar. seinen Verletzungen. Er war von einem israelischen Scharfschützen in den Kopf geschossen worden, als er versuchte, zwei kleine palästinensische Kinder aus der Schusslinie zu retten.


 

Foto: Indy UK
 

Wir trauern mit der
Familie Tom Hurndalls

Freunde und Freundinnen Palästinas

Zeuge

(für Tom Hurndall)

(Al Faraby)

 

Du bist gegangen

An einen Ort

Zu dem mir der Zugang verwehrt ist

Du hast mir zugerufen:

 

„Hier

Ist alles besetzt

Das Land

Die Stadt

Das Dorf

Das Haus

Das Feld

Der Hügel

Die Kirche

Die Moschee

Die Fabrik

Die Werkstatt

Die Schule

Die Universität

Der Himmel...“

 

Die Leitung ist tot

 

Ich gebe nicht auf

Ich brülle

Ich rufe

Ich heule:

„Tom, Tom...

Bist du da?

Antworte mir!“

 

Die Leitung ist tot.

...für immer.

 

Er hat als Zeuge ausgesagt

sie haben ihn getötet

 

Andere werden hingehen müssen

An den Ort

Zu dem mir der Zugang verwehrt ist

Und sei es auch nur

Um weiter

Nach mir zu rufen.

 

Übersetzung: Michael Schiffmann
 

Links

Eltern Tom Hurndalls von Israelis beschossen

Augenzeugenbericht von Tom Hurndalls Ermordung

Nicht schon wieder -  von Joe Smith

ISM-Aktivist Tom Hurndall ist tot

Israels Vorwürfe gegen Friedensaktivisten gezielt unwahr - von Paul Burrows

The Thomas Hurndall Fund

Internationale Friedensaktivisten unter Feuer Peter Schäfer 13.04.2003 - Telepolis

Tom Hurndall: Honouring a legacy

Ausländer unerwünscht in Israel
Nach Powell-Besuch erneute Verschärfung gegenüber Palästinensern

 

Bitte nicht noch einmal. Wir hörten die Schüsse - wir hören ständig Schüsse - aber wiederholtes Scharfschützenfeuer wie dieses ist besonders beunruhigend. Ich hörte den Schuß, ich hörte einen Schrei, drehte mich um und sah einen floureszierenden, orangefarbenen Klumpen am Boden liegen, aus dessen Kopf Blut floß. Ich schwankte vor und zurück, unschlüssig, was ich tun sollte bis nach einigen Sekunden mein medizinisches Training die Oberhand gewann. Die Palästinenser hoben ihn auf, um ihn aus der Gefahrenzone zu bringen. 'Legt ihn hin!' schrien Alice, die andere Medizinerin, und ich.

Schließlich lag er auf dem Asphalt und ich versuchte die Blutung zu stillen. In Momenten wie diesem denkt man nicht an Gummihandschuhe. Blut lief aus seinem Hinterkopf, ich konnte es nicht verhindern. Sekunden später wurde er wieder angehoben und in ein Taxi gezogen. 'Wartet auf den Krankenwagen!' versuchten wir sie zu überzeugen, aber sie waren hysterisch und er wurde weggezogen und in einem braunen Mercedes ins Krankenhaus gebracht. Der Krankenwagen kam nur Minuten später, aber es war zu spät, er war weg.

Er war für mich in dem Moment tot, als er auf den Boden gelegt wurde damit wir ihn versorgen. Alice versuchte eine Mund-zu-Mund-Beatmung und ich hielt es für sinnlos. Er war für mich tot als man ihn von uns zog und in das Auto brachte. Selbst als man ihn aus dem Al-Najjar Krankenhaus in das Europa Krankenhaus in Khan Younis brachte lebte er in meinen Gedanken immer noch nicht.

Jetzt wird er im Saroka Krankenhaus in B'ersheva künstlich am Leben gehalten. Er ist hirntot aber atmet. Egal, wie regelmäßig sein Herz schlägt, ich spreche von ihm weiterhin in der Vergangenheit. Ich brauchte eine Weile um zu akzeptieren, daß Rachel tatsächlich gestorben war und ich denke, mein Verstand versucht auf diese Weise sich auf einen weiteren Verlust vorzubereiten.

Sein Name war Thomas Hurndall und er kam aus London. Als er ankam, gab es schon einen Engländer mit dem Namen Tom und so entschied er sich für den Spitznamen 'Tab', und unter dem Namen kannte ich ihn. Tab war unglaublich leidenschaftlich wenn es darum ging, Menschen zu schützen wenn sie es am meisten brauchten. Wir waren in Yibna, ein Flüchtlingscamp in Rafah nah der ägyptischen Grenze, weil er wußte, daß die Menschen dort ständigen israelischen Beschuß erdulden mußten.....

Quelle

Was kosten ein Leben?

Die israelische Armee hat meinen Sohn erschossen und die Zahl der
Toten steigt weiter


Jocelyn Hurndall - Saturday January 10, 2004 - The Guardian

In den nachdenklichen Stunden der Nacht machen mich die unterschiedlichen Werte, die die Menschheit dem Leben beimißt, betroffen, genau, wie es meinem Sohn Tom ging. Anfang des Monats las ich mit gemischten Gefühlen die Nachricht, daß eine örtliche palästinensische Miliz einen Wachtturm der israelischen Streitkräfte in der Stadt Rafah im Gaza-Streifen gesprengt hatte. Es war dieser Wachtturm, der für unzähliges Leid in vielen unschuldigen Familien in Rafah verantwortlich war, von dem aus Tom im vergangenen April in den  Kopf geschossen worden war. Zu der Zeit versuchte er, palästinensische Kinder in Sicherheit zu bringen. Jetzt liegt er klinisch tot in einem Krankenhaus in London ohne daß es eine Hoffnung auf Genesung gäbe.

Diese Woche erfuhren wir, daß der Soldat, der wegen der Schüsse verhaftet wurde, beschuldigt wird, Cannabis mit seinem Bataillon geraucht zu haben. Als sich das letzte Jahr seinem Ende neigte, informierte mich ein Anruf des britischen Außenministeriums, daß dieser Soldat im Verhör zugegeben hatte, auf meinen Sohn geschossen zu haben, wissend, daß es sich um einen unbewaffneten Zivilisten handelte. Er behauptete, der Schuß sollte als "Abschreckung" dienen. Vor was? Davor, Kinder zu retten? Ist er derartig konditioniert worden, daß ein Akt der Menschlichkeit ihn nur zu einer so gewalttätigen Reaktion bringen konnte?

Ich fühlte damals keine Erleichterung aber zum ersten Mal erlaubte ich mir, wachsende Wut zu empfinden. Die Unfähigkeit der israelischen Armee zwischen Freund und Feind, zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden und sich selbst so zu sehen, wie andere sie sehen, ist für alle offensichtlich.

Ich habe die in Toms Tagebüchern aus dem Nahen Osten aufgezeichneten Beobachtungen gelesen. Sie zeigen einen jungen Mann, entschlossen, vorurteilsfrei zu sein, zu verstehen und vor allem, etwas zu verändern. Er war gekommen, um die gewöhnlich illegale, unmenschliche Vergeltung, die von der israelischen Armee von genau diesem Wachtturm aus der örtlichen Gemeinschaft abgefordert wurde, zu verstehen, wie wir es jetzt tun, ohne wirklich zu merken, wie nah ihn das dem Tod brachte.

Es scheint, daß ein Leben in den besetzten Gebieten billig ist. Der unterschiedliche Wert des Lebens hängt davon ab, ob das Opfer Israeli, Ausländer oder Palästinenser ist. Ein Beispiel hierfür war kürzlich die Erschießung eines israelischen Friedensaktivisten, der, kurz nachdem er seinen dreijährigen Dienst bei der Militärpolizei beendet hatte, gegen den illegalen "Sicherheitszaun" demonstrierte. Zwei Tage später wurde bekanntgegeben, daß es eine Untersuchung des Vorfalls durch die Militärpolizei geben würde. In der Knesset wurden Fragen gestellt. Dies steht in krassem Gegensatz zu der sechs Monate dauernden Kampagne, die nötig war, um eine Untersuchung der Schüsse auf Tom auszulösen.

Seit Beginn der Intifada gab es Tausende von Tötungen in Palästina und nur eine Handvoll wurden untersucht. Nun hat eine dreiwöchige Besetzung von Nablus (der größten Stadt in Palästina) zum Tod von weiteren 19 Menschen und der Zerstörung von Dutzenden von Häusern geführt, wodurch eine große Zahl von Menschen obdachlos wurden, alles unter dem Vorwand, einen Terrorismus-Verdächtigen zu suchen.

Wann werden die Verantwortlichen akzeptieren, daß es illegal ist, kollektiv und obsessiv eine ganze Gemeinschaft zu bestrafen? Hat die rücksichtslose Sharon-Regierung Verbindungen zwischen dem Grauen des Holocausts und den derzeitigen brutalen Einfällen in palästinensisches Gebiet gezogen? Unzählige einsichtige Israelis, Palästinenser und Menschen überall auf der Welt haben es getan. Ist es überraschend, daß Israel in einer kürzlichen Umfrage der Europäischen Gemeinschaft zur größten Bedrohung für den Weltfrieden gewählt wurde?

Es verletzt mich, die ohrenbetäubende Stille unserer eigenen Regierung zu hören. Wie kann es keine Erklärung der Verurteilung oder des Beileids für die unschuldigen Opfer von Israels sinnloser Gewalt durch unseren eigenen Premierminister, Tony Blair, geben? Die Stille wurde nur durchbrochen, als zu Weihnachten der Präsident der Vereinigten Staaten die Handlungen der Selbstmordbomber, die für den Tod von vier israelischen Soldaten an einer Bushaltestelle am Rande von Tel Aviv verantwortlich waren, "scharf verurteilte." Unterstreicht diese Doppelmoral nicht den Mangel an Beachtung, die sowohl die britische als auch die US-Regierung palästinensischem Leben schenken?

Und so habe ich einige Fragen an Tony Blair. Betrachtet er die Kinder Palästinas als Kinder eines unbedeutenderen Gottes? Akzeptiert er, daß derartige Untätigkeit gleichbedeutend mit einer Mittäterschaft an dem Vorgang ist, jede Friedensinitiative im Nahen Osten zu zerstören? Herr Blair, Sie wissen jetzt, daß ein israelischer Soldat gestanden hat, auf einen unbewaffneten britischen Bürger geschossen zu haben, der versuchte, Kinder in Sicherheit zu bringen. Wann werden Sie bereit sein, diese Handlungen öffentlich zu verurteilen?

Jocelyn Hurndall ist Mitglied des Komitees der Tom Hurndall-Stiftung, ie sich für Gerechtigkeit für die palästinensischen Menschen einsetzt.

die deutsche version des guardian-artikels, den norman kuehl, der macher von www.freace.de übersetzt hat
http://www.guardian.co.uk/comment/story/0,3604,1119995,00.html
 

 

22.01.04 -
Der Versuch einen Toten zu Ehren
Merkwürdigkeiten - Die Wahrheit darf nicht gesagt werden.
 

nach anfänglicher zusage durch das nzeigenbüro der Frankfurter Rundschau am 16.1. und nach nochmaliger telefonischer bestätigung der anzeigenannahme am 19.1. kamen dem FR-Angestellten offensichtlich bedenken: erst wolle er sich „wegen des politischen inhalts“ bei seinen vorgesetzten absichern.

 

Auf telefonische nachfrage teilte die Anzeigenannahme der FR heute mit, dass eine veröffentlichung der anzeige wegen des „politischen Inhalts“ nur als „allgemeiner Text“ möglich wäre, die dann allerdings 2.407,50 Euro kosten sollte. Auf die bitte, dies schriftlich zu formulieren, kam ein fax mit dem og. druckangebot, jedoch ohne begründung.

 

Mittlerweile signalisierte eine erste telefonische anfrage bei der FAZ einverständnis für einen abdruck, wenn eine Name verantwortlich zeichnet und ein okay der Familie Tom Hurndal vorliegt. Die anzeige sollte ca. 900 euro kosten. norman kuehl (www.freace.de) hatte sich bereit erklärt, eine website mit der namensliste der unterzeichnerInnen ins netz zu stellen und ggf. die einverständniserklärung der familie Hurndall einzuholen.

 

aufgrund der absage der FR ein neuerlicher anruf heute nachmittag bei der FAZ: eine website mit der namensliste wird nicht akzeptiert. Des weiteren wurde nun eine „Eidesstattliche Erklärung der Familie Tom Hurndalls“ verlangt.

 

Meine E-mail an die Frankfurter Rundschau ist rechts angefügt.

Mit herzlichen grüßen

Claudia Karas + Elisabeth Schneider


 

----- Original Message -----

From: "CLAUDIA KARAS" To: <S.R(at)fr-aktuell.de>Sent: Wednesday, February 04, 2004 6:14 PMSubject: Re: Anzeige/Nachruf für Tom Hurndall


 sehr geehrter Herr R.,

> vielen dank für Ihre antwort.
>
> allerdings überrascht uns Ihr angebot, unsere anzeige im "allgemeinen text"
> zum preis von 960 Euro zzgl. MwSt. abzudrucken.  Herr Reuter hatte uns für
> eine Todesanzeige den Preis von 597 Euro genannt. Für eine anzeige im
> "allgemeinen Text" faxte er uns mit Datum vom 22.1.04 ("150 3 Sp") einen
> Preis von 2.407,50 Euro, den wir nicht aufbringen konnten.
>
> Da die FR einen weit größeren Kreis von LeserInnen erreicht, bedauern wir
> sehr, dass uns Ihr Angebot erst jetzt bekannt wird. Mittlerweile haben wir
> die anzeige bei der "junge Welt" geschaltet, weil wir nicht noch länger
> warten wollten.
>
> Uns verwundert auch, dass Sie "politische Äußerungen" in Todesanzeigen
> "nicht akzeptieren" können.
> die anzeigen für Mustafa Badawi, die letztes Jahr in der FR erschienen,
> hatten u.E. durchaus auch einen politischen Inhalt, sie sind in der anlage
> beigefügt.
>
> Mit freundlichen Grüßen
> Claudia Karas + Elisabeth Schneider
>


>
> ----- Original Message ----- > From: <S.R(at)fr-aktuell.de>> To: <C.k.> Sent: Tuesday, February 03, 2004 10:57 AM> Subject: Anzeige/Nachruf für Tom Hurndall
>
> Sehr geehrte Frau Karas,
>
> Ihre Mail vom 22.01.04 und 02.02.04 wurde zur Beantwortung an mich
> weitergeleitet. Bitte entschuldigen Sie die verzögerte Beantwortung.
> Natürlich möchten wir Ihnen auf Ihre Mail gerne antworten.
>
> Leider können wir politische Äußerungen (erster Absatz Ihres
> Anzeigentextes) in Traueranzeigen nicht akzeptieren. Wir bitten hierfür um
> Ihr Verständnis.
>
> Wie Ihnen unser Anzeigenverkäufer Herr Reuter bereits mitteilte, bieten wir
> Ihnen jedoch an, Ihre Anzeige als allgemeinen Text abzudrucken.
>
> Der Millimeterpreis pro Anzeigenspalte beträgt hierfür: 4,80 Euro zzgl.
> MwSt.
>
> Anzeigenformat - Bsp. 100mm hoch / 2spaltig: 960,- Euro zzgl. MwSt.
>
> Für Ihre Rückfragen steht Ihnen gerne unser Anzeigenverkaufsleiter Herr
> Weidling zur Verfügung: Telefon 069/2199-3815.
>
> Mit freundlichen Grüßen
> S. T.
>
> FRANKFURTER RUNDSCHAU
> Stellvertr. Verlagsleiter
> 60266 Frankfurt
> Tel.: 069/2199-3331
> Fax: 069/2199-3680
>
>

 

----- Original Message -----

Sent: Monday, February 02, 2004 7:21 PM

Subject: Fw: Anzeige/Nachruf für Tom Hurndall


 

sehr geehrte damen und herren,

 

natürlich besteht kein rechtsanspruch auf eine antwort,

ganz offensichtlich hat es die FR nicht nötig, ihren

abonnenten zu antworten. soviel an höflichkeit und

kundenorientierung ist anscheinend zuviel verlangt.

 

mit dennoch freundlichen grüßen

claudia karas

 

 

 

 

----- Original Message -----

From: C.k.

Sent: Sunday, February 01, 2004 4:47 PM

Subject: Re: Anzeige/Nachruf für Tom Hurndall


 

sehr geehrte damen und herren,
 

darf ich Sie an die beantwortung meiner anfrage erinnern ?

 

mit freundlichen grüßen

 

Claudia Karas

 

 

 

 

Sehr geehrte damen und herren,

 

ich bin eine der initiatorInnen für einen nachruf für Tom Hurndall, den Sie nach einer früheren telefonischen zusage aus Ihrer anzeigenannahme an elisabeth schneider, „wegen des politischen inhalts“ nun doch nicht abdrucken wollen. gleichwohl sind Sie jedoch bereit, ihn als „allgemeinen Text“ für eine wesentlich höhere Gebühr abzudrucken.

 

der nachruf beinhaltet die todesursache Tom Hurndalls, die ja nun eine unbestreitbare tatsache ist, und ein gedicht, eine hommage an den friedensaktivisten Tom Hurndall. Eine todesanzeige gehört nach meinem verständnis auf die entsprechende nachrufseite.

 

deshalb kann ich Ihre erklärung nicht nachvollziehen und bitte Sie, Ihre entscheidung nochmals zu überdenken bzw. um begründung, warum Sie den abdruck des nachrufs ablehnen. diese begründung werde ich dann an die unterzeichnerInnen des nachrufs (darunter wie ich eine beträchtliche anzahl FR-AbonnentInnen !) weiterleiten.

 

 

Vielen dank im voraus

Mit freundlichen grüßen

 

Claudia Karas

 

Sent: Thursday, January 22, 2004 6:34 PM  - Subject: Anzeige/Nachruf für Tom Hurndall To: anzeigen(at)fr-aktuell.de ; redaktion(at)fr-aktuell.de

 

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