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Kommentar des Monats
August - Evelyn Hecht-Galinski
Das Meinungskartell im Abseits
Evelyn Hecht-Galinski
Eine beispiellose Hetzkampagne
wurde zum Rohrkrepierer.
Felicia Langer wurde
für ihr humanitäres
Lebenswerk ausgezeichnet.
Bundespräsident Horst
Köhler verlieh ihr das
Große Bundesverdienstkreuz
1. Klasse, d.h. sie
bekam gleich die zweithöchste
Stufe.
Ich möchte aus dem Brief
von Ministerpräsident
Günther H. Oettinger
an Felicia Langer zitieren:
„Sie haben sich in vielfältiger
Weise für die Mitbürgerinnen
und Mitbürger eingesetzt
und sich um das Gemeinwohl
verdient gemacht. Ich
habe deshalb dem Herrn
Bundespräsidenten vorgeschlagen,
Ihnen den Dank des Staates
für Ihr herausragendes
Engagement mit der Verleihung
des Verdienstordens
der Bundesrepublik Deutschland
zum Ausdruck bringen.
Ich freue mich sehr,
Ihnen mitteilen zu können,
dass der Herr Bundespräsident
Ihnen das Verdienstkreuz
1. Klasse des Verdienstordens
der Bundesrepublik verliehen
hat. Ihre herausragenden
Leistungen für das Gemeinwesen
haben damit die verdiente
öffentliche Anerkennung
gefunden.“ Dem ist eigentlich
nichts hinzuzufügen.
Besonders erfreulich
und wichtig ist in diesem
Zusammenhang die Tatsache,
dass Ministerpräsident
Oettinger und Oberbürgermeister
Palmer aus Tübingen
meinen Vorschlag formal
unterstützten und Bundespräsident
Horst Köhler diesen
in die Tat umsetzte.
Endlich ist die Zeit
gekommen, d.h. der „tolle
Tag“, an dem das höchste
Verfassungsorgan der
Bundesrepublik Deutschland
die Menschenrechtsanwältin
und um Hoffnung kämpfende
Friedensaktivistin ehrt.
Diese Ehrung nach dem
Alternativen Nobelpreis,
dem Bruno Kreisky Preis,
dem Erich Mühsam Preis,
unter vielen anderen
Preisen war dieses Bundesverdienstkreuz
das „Sahnehäubchen“
als späte Anerkennung
für ihr Lebenswerk.
Felicia Langers Eintreten
für die Rechte der Palästinenser,
fördert gerade in Deutschland
das verantwortungsvolle
Nachdenken über die
Werte für Gerechtigkeit
und Menschenrechte,
die UNTEILBAR sind.
DAS sollte Staatsräson
sein! Dies ist
letztendlich auch ein
Sieg für alle Mitstreiterinnen
und Mitstreiter.
Endlich wird diese wichtige
Arbeit zur Kenntnis
genommen. Endlich wird
Felicia Langer nicht
mehr ignoriert, sondern
geehrt: Eine Frau, die
für Gerechtigkeit
in Palästina kämpft
und gegen die
fortgesetzte Vertreibung
und Diskriminierung
des palästinensischen
Volkes eintritt, die
Israel unmissverständlich
als Apartheidstaat bezeichnet,
die ihre „Empörung gegen
die mörderische israelische
Aggression“ zum Ausdruck
bringt und die Tatsache
nicht verschweigt, dass
Israel die Gebiete im
Westjordanland kolonialisiert
hat und Gaza unter Blockade
hält.
Wenn sie von Ghetto
spricht, vergleicht
sie nicht mit dem Nationalsozialismus,
sondern benutzt ein
gebräuchliches Wort,
das es schon längst
vor „Nazideutschland“
gab und damit durchaus
die aktuelle Lage in
Gaza beschreibt.
Liebe Felicia, wie recht
Du hattest, die Verleihung
bis zum Schluss geheim
zu halten. Auch ich
hielt es nicht für möglich,
was dann einsetzte trotz
meiner eigenen Erfahrungen
mit der „Israel-Lobby“.
Eine fürchterliche Hetzkampagne
mit der ganzen Macht
dieses „Professionellen-Medien-Kartells“
überflutete die bundesdeutsche
Landschaft. Man pöbelte
Dich als „Vorzeige-Bundesverdienst
Jüdin“, „angebliche
Menschenrechtsanwältin“
an (Giordano). Gerade
dieser Giordano drohte
mit der Rückgabe seines
eigenen Bundesverdienstkreuzes.
Hatte es ihn jemals
gestört mit der Annahme
seiner Bundesverdienstkreuze
in einer Reihe mit ehemaligen
NSDAP-Mitgliedern oder
Diktatoren zu stehen?
Der gleiche Giordano
erdreistet sich die
Verleihung des Ordens
an Felicia Langer als
Affront gegen die deutsch-jüdischen
Beziehungen darzustellen.
Schlimmer noch - da
er das Verdienstkreuz
wegen seiner Eitelkeit
natürlich behält, hat
er die Unverfrorenheit
eine Aufforderung an
das Baden-Württembergische
Staatsministerium und
das Bundespräsidialamt
aufrecht zu erhalten,
diesen „Fehlgriff“ zurückzunehmen.
Und er verknüpft dies
mit der Hoffnung, Regularien
mit seiner Beteiligung
zu schaffen, die eine
Wiederholung des Skandals
ausschließen.
Der Skandal besteht
einzig und allein darin,
dass sich der Vize des
Zentralrats der Juden
in Deutschland, Dieter
Graumann, quasi sofort
als Sprecher der israelischen
Regierung aufführte
und protestierte – immerhin
ein Vize einer Körperschaft
des Öffentlichen Rechts
in Deutschland. Auch
der Freizeit-Historiker
Arno Lustiger und Deidre
Berger vom Jewish Commitee
drohten mit der Rückgabe
des Bundesverdienstkreuzes.
Im Übrigen: Arno Hamburger
ließ sich in seiner
Wut sogar dazu hinreißen
das Wort „Volksschädling“
zu gebrauchen, also
ein Wort im Jargon des
Stürmers – soviel zu
Nazivergleichen! Außerdem
verunglimpfte
ein Kulturredakteur
des Deutschlandradio-Kultur/Deutschlandfunk,
nämlich Burkhard Müller-Ullrich,
ein verfassungsgemäßes
Symbol, nämlich das
Bundesverdienstkreuz,
als er in einem Artikel
für die „ Achse des
Guten“ dieses
als „Dunbesverderkriestdeunz“,
bezeichnete.
Da hatte ein Börne-
und Hildegard von Bingen
Preisträger mit seiner
Rückrufaktion nicht
den gewünschten Erfolg.
Um mich zu diffamieren
und als Antisemitin
zu bezeichnen, zitierte
man Ed Koch aus New
York in einer überregionalen
deutschen Zeitung. Für
Felicia wurde noch eine
Steigerung gesucht und
gefunden in Form von
Abraham Foxman von der
Anti-Defamation League,
einer „amerikanisch-jüdischen
Liga“, die selbst vor
Diffamierungen nicht
zurückschreckt. Zu dieser
gesellte sich wie immer
Benjamin Weinthal, der
in Berlin akkreditierte
Korrespondent der Jerusalem
Post, der diese Hetzkampagne
mit falschen Behauptungen
nach Israel trug. Er
schreckte auch nicht
davor zurück andere
deutsche Medien unter
Druck zu setzen und
einschüchtern zu wollen.
Liebe Felicia, lass
mich nur eins zu Dir
als Freundin sagen:
Die ganzen „Honestlies“
und Vertreter der „Achse
der Gebrochenen“ haben
sich in ihrer Schmutzkampagne
so verdreckt, dass sie
nie wieder sauber werden.
1970, als Du schon für
verfolgte Palästinenser
eintratest, schrieben
andere noch für Sex
Postillen. Du bist ein
großes Vorbild: Als
wir noch in unserer
mystifizierten Erziehung
gefangen waren, warst
Du schon vorausschauend
tatkräftig in Deiner
Arbeit, gegen das Unrecht
und für die Menschenrechte.
Ich
hoffe durch diesen Tabubruch
wird es in Zukunft auch
in Deutschland möglich
sein, offen über die
israelische Politik
zu diskutieren ohne
sich ständig rechtfertigen
zu müssen. Allerdings
kommen mir da große
Zweifel, da die Israel-Lobby
ihre Beziehungen durch
alle Verbände, Gewerkschaften,
Parteien und Medien,
immer mit der Antisemitismus
Keule schwingend, spielen
lässt.
Solange diese bedenklichen
Tendenzen ohne Widerspruch
in der deutschen Politik
– aus welchen Gründen
auch immer - noch gefördert
werden, sehe ich eine
große Gefahr für Israel
und alle Juden auf der
ganzen Welt zukommen.
Keinem ist damit gedient,
wenn ein Staat bedingungslos
unterstützt wird –
eine Ethnokratie und
ein Staat, dessen Gründung
auf ethnischer Säuberung
basiert, der sich über
Völkerrecht und UNO-Beschlüsse
hinwegsetzt. Ein Staat,
der selbst Atommacht
ist und dank der USA
und unserer Regierung
bis an die Zähne bewaffnet
ist, jedoch gleichzeitig
anderen Staaten mit
Militärschlägen droht
und es nicht bei Drohungen
belässt sondern diese
auch schon in die Tat
umsetzte.
Ich danke Dir, Felicia,
dass Du mir die Augen
geöffnet hast. Ich schäme
mich noch heute dafür,
auch einmal diesem Mythos
der israelischen Propaganda
erlegen gewesen zu sein.
Der 16. Juli 2009 war
ein großer Tag für uns
alle. Freuen wir uns
gemeinsam mit Dir. Herzlichen
Glückwunsch und viel
Kraft und Gesundheit
für Dich und Mieciu!
Wir brauchen Dich!!!
Evelyn Hecht-Galinski,
Publizistin
Bild unten rechts.
Ein Kranz am Grabe
von Heinz Galinski -
Er starb am
19.7.1992, jährlich
wird seines
Todestages gedacht.
In diesem Jahr drei
Tage nach der
Verleihung des
Bundesverdienstkreuzes
an Felicia Langer.
Der Text auf der
rechten Schleife
sollte für alle
Deutsche
verpflichtend sein
und steht sicher
auch für Felicia
Langer und Evelyn
Hecht-Galinski :
"Ich habe Auschwitz
nicht überlebt, um zu
neuem Unrecht zu
schweigen"
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