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Texte von Evelyn Hecht-Galinski

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02. 2010 - Die Schleimspur der Unterwürfigkeit
01. 2010 - Peres will deutsche Juden  befreien
01. 2010 - Der ummaurte Staat
12. 2009 - Der „Lügenbaron“
11. 2009 - Wahre Freunde Israels
10. 2009 - Zentralrat Broder verdient
09. 2009 - Modest + die Koinzidenz
08. 2009 - Meinungskartell im Abseits
07. 2009 - Vergleichbarkeit

 

Kommentar des Monats August - Evelyn Hecht-Galinski


 Das Meinungskartell im Abseits
Evelyn Hecht-Galinski

 

Eine beispiellose Hetzkampagne wurde zum Rohrkrepierer. Felicia Langer wurde für ihr humanitäres Lebenswerk ausgezeichnet. Bundespräsident Horst Köhler verlieh ihr das Große Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, d.h. sie bekam gleich die zweithöchste Stufe.

 

Ich möchte aus dem Brief von Ministerpräsident Günther H. Oettinger an Felicia Langer zitieren: „Sie haben sich in vielfältiger Weise für die Mitbürgerinnen und Mitbürger eingesetzt und sich um das Gemeinwohl verdient gemacht. Ich habe deshalb dem Herrn Bundespräsidenten vorgeschlagen, Ihnen den Dank des Staates für Ihr herausragendes Engagement mit der Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland zum Ausdruck bringen. Ich freue mich sehr, Ihnen mitteilen zu können, dass der Herr Bundespräsident Ihnen das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik verliehen hat. Ihre herausragenden Leistungen für das Gemeinwesen haben damit die verdiente öffentliche Anerkennung gefunden.“ Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Besonders erfreulich und wichtig ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass Ministerpräsident Oettinger und Oberbürgermeister Palmer aus Tübingen meinen Vorschlag formal unterstützten und Bundespräsident Horst Köhler diesen in die Tat umsetzte.

 

Endlich ist die Zeit gekommen, d.h. der „tolle Tag“, an dem das höchste Verfassungsorgan der Bundesrepublik Deutschland die Menschenrechtsanwältin und um Hoffnung kämpfende Friedensaktivistin ehrt. Diese Ehrung nach dem Alternativen Nobelpreis, dem Bruno Kreisky Preis, dem Erich Mühsam Preis, unter vielen anderen Preisen war dieses Bundesverdienstkreuz das „Sahnehäubchen“ als späte Anerkennung für ihr Lebenswerk. Felicia Langers Eintreten für die Rechte der Palästinenser, fördert gerade in Deutschland das verantwortungsvolle Nachdenken über die Werte für Gerechtigkeit und Menschenrechte, die UNTEILBAR sind. DAS sollte Staatsräson sein!  Dies ist letztendlich auch ein Sieg für alle Mitstreiterinnen und Mitstreiter.  Endlich wird diese wichtige Arbeit zur Kenntnis genommen. Endlich wird Felicia Langer nicht mehr ignoriert, sondern geehrt: Eine Frau, die für  Gerechtigkeit in Palästina kämpft und  gegen die fortgesetzte Vertreibung und Diskriminierung des palästinensischen Volkes eintritt, die Israel unmissverständlich als Apartheidstaat bezeichnet, die ihre „Empörung gegen die mörderische israelische Aggression“ zum Ausdruck bringt und die Tatsache nicht verschweigt, dass Israel die Gebiete im Westjordanland kolonialisiert hat und Gaza unter Blockade hält.

 

Wenn sie von Ghetto spricht, vergleicht sie nicht mit dem Nationalsozialismus, sondern benutzt ein gebräuchliches Wort, das es schon längst vor  „Nazideutschland“ gab und damit durchaus die aktuelle Lage in Gaza beschreibt.

 

Liebe Felicia, wie recht Du hattest, die Verleihung bis zum Schluss geheim zu halten. Auch ich hielt es nicht für möglich, was dann einsetzte trotz meiner eigenen Erfahrungen mit der „Israel-Lobby“. Eine fürchterliche Hetzkampagne mit der ganzen Macht dieses „Professionellen-Medien-Kartells“ überflutete die bundesdeutsche Landschaft. Man pöbelte Dich als „Vorzeige-Bundesverdienst Jüdin“, „angebliche Menschenrechtsanwältin“ an (Giordano). Gerade dieser Giordano drohte mit der Rückgabe seines eigenen Bundesverdienstkreuzes. Hatte es ihn jemals gestört mit der Annahme seiner Bundesverdienstkreuze in einer Reihe mit ehemaligen NSDAP-Mitgliedern oder Diktatoren zu stehen? Der gleiche Giordano erdreistet sich die Verleihung des Ordens an Felicia Langer als Affront gegen die deutsch-jüdischen Beziehungen darzustellen. Schlimmer noch - da er das Verdienstkreuz wegen seiner Eitelkeit natürlich behält, hat er die Unverfrorenheit eine Aufforderung an das Baden-Württembergische Staatsministerium und das Bundespräsidialamt aufrecht zu erhalten, diesen „Fehlgriff“ zurückzunehmen. Und er verknüpft dies mit der Hoffnung, Regularien mit seiner Beteiligung zu schaffen, die eine Wiederholung des Skandals ausschließen.

 

Der Skandal besteht einzig und allein darin, dass sich der Vize des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, quasi sofort als Sprecher der israelischen Regierung aufführte und protestierte – immerhin ein Vize einer Körperschaft des Öffentlichen Rechts in Deutschland. Auch der Freizeit-Historiker Arno Lustiger und Deidre Berger vom Jewish Commitee drohten mit der Rückgabe des Bundesverdienstkreuzes. Im Übrigen: Arno Hamburger ließ sich in seiner Wut sogar dazu hinreißen das Wort „Volksschädling“ zu gebrauchen, also ein Wort im Jargon des Stürmers – soviel zu Nazivergleichen! Außerdem verunglimpfte  ein Kulturredakteur des Deutschlandradio-Kultur/Deutschlandfunk, nämlich Burkhard Müller-Ullrich, ein verfassungsgemäßes Symbol, nämlich das Bundesverdienstkreuz,  als er in einem Artikel für die „ Achse des Guten“  dieses als „Dunbesverderkriestdeunz“, bezeichnete. 

 

Da hatte ein Börne- und Hildegard von Bingen Preisträger mit seiner Rückrufaktion nicht den gewünschten Erfolg.     Um mich zu diffamieren und als Antisemitin zu bezeichnen, zitierte man Ed Koch aus New York in einer überregionalen deutschen Zeitung. Für Felicia wurde noch eine Steigerung gesucht und gefunden in Form von Abraham Foxman von der Anti-Defamation League, einer „amerikanisch-jüdischen Liga“, die selbst vor Diffamierungen nicht zurückschreckt. Zu dieser gesellte sich wie immer Benjamin Weinthal, der in Berlin akkreditierte Korrespondent der Jerusalem Post, der diese Hetzkampagne mit falschen Behauptungen nach Israel trug. Er schreckte auch nicht davor zurück andere deutsche Medien unter Druck zu setzen und einschüchtern zu wollen.

 

Liebe Felicia, lass mich nur eins zu Dir als Freundin sagen: Die ganzen „Honestlies“ und Vertreter der „Achse der Gebrochenen“ haben sich in ihrer Schmutzkampagne so verdreckt, dass sie nie wieder sauber werden. 1970, als Du schon für verfolgte Palästinenser eintratest, schrieben andere noch für Sex Postillen. Du bist ein großes Vorbild: Als wir noch in unserer mystifizierten Erziehung gefangen waren, warst Du schon vorausschauend tatkräftig in Deiner Arbeit, gegen das Unrecht und für die Menschenrechte.

 

Ich hoffe durch diesen Tabubruch wird es in Zukunft auch in Deutschland möglich sein, offen über die israelische Politik zu diskutieren ohne sich ständig rechtfertigen zu müssen. Allerdings kommen mir da große Zweifel, da die Israel-Lobby ihre Beziehungen durch alle Verbände, Gewerkschaften, Parteien und Medien, immer mit der Antisemitismus Keule schwingend, spielen lässt.

 

Solange diese bedenklichen Tendenzen ohne Widerspruch in der deutschen Politik – aus welchen Gründen auch immer - noch gefördert werden, sehe ich eine große Gefahr für Israel und alle Juden auf der ganzen Welt zukommen. Keinem ist damit gedient, wenn ein Staat bedingungslos unterstützt wird –  eine Ethnokratie und ein Staat, dessen Gründung auf ethnischer Säuberung basiert, der sich über Völkerrecht und UNO-Beschlüsse hinwegsetzt. Ein Staat, der selbst Atommacht ist und dank der USA und unserer Regierung bis an die Zähne bewaffnet ist, jedoch gleichzeitig anderen Staaten mit Militärschlägen droht und es nicht bei Drohungen belässt sondern diese auch schon in die Tat umsetzte.

 

Ich danke Dir, Felicia, dass Du mir die Augen geöffnet hast. Ich schäme mich noch heute dafür, auch einmal diesem Mythos der israelischen Propaganda erlegen gewesen zu sein.

 

Der 16. Juli 2009 war ein großer Tag für uns alle. Freuen wir uns gemeinsam mit Dir. Herzlichen Glückwunsch und viel Kraft und Gesundheit für Dich und Mieciu! Wir brauchen Dich!!!

Evelyn Hecht-Galinski, Publizistin
 

 

Bild unten rechts. Ein Kranz am Grabe von Heinz Galinski - Er starb am 19.7.1992, jährlich wird seines Todestages gedacht. In diesem Jahr drei Tage nach der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Felicia Langer.
Der Text auf der rechten Schleife sollte für alle Deutsche verpflichtend sein und steht sicher auch für Felicia Langer und Evelyn Hecht-Galinski : "Ich habe Auschwitz nicht überlebt, um zu neuem Unrecht zu schweigen"


 

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