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Kommentar des
Monats Juli 2010
Monatskolumne aus
dem hinteren
Kandertal
von Evelyn
Hecht-Galinski,
Publizistin
Die Welt als Israels
„Tanzbär am Nasenring“
Verfolgt man die
Chronologie der
Ereignisse seit dem
31. Mai bis heute,
kann man in
erschreckender Weise
feststellen, wie gut
die Hasbara, die
israelische
Propaganda wieder
Gehirnwäsche
betrieben hat. Es
waren 700 friedliche
Aktivisten, die die
Blockade des
Gazastreifens
durchbrechen
wollten. Sie wollten
darauf aufmerksam
machen, dass diese
unmenschliche und
völkerrechtswidrige
Blockade 1,5
Millionen
unschuldige Menschen
in kollektiver
Kerkerhaft hält.
Vergessen wir auch
die unwahre
Propaganda Israels
über die Gefahr aus
dem Gazastreifen
durch die Hamas. Die
bewusste
Abschneidung des
Gazastreifens vom
Westjordanland ist
eine gezielte
Maßnahme zur
Verhinderung eines
Palästinenserstaates.

Schon im Jahr 1991,
vor Beginn des
Golfkrieges, wurde
ein Trennzaun um den
Gazastreifen
gezogen, und die
Bewohner konnten
nicht mehr frei ein-
und ausreisen.
Vergessen wir nicht
– das war vor dem so
genannten
Oslo-Friedensprozess
und vor der Welle
der ersten
palästinensischen
Anschläge. Als in
einem
Interimsabkommen
1993 die Einheit
zwischen den
besetzten Gebieten,
also dem
Westjordanland und
dem Gazastreifen,
festgelegt wurde,
hat Israel auch das
bewusst negiert.
Nach Beginn der
zweiten Intifada im
Jahr 2000 wurden die
Übergänge zwischen
dem Westjordanland
und Gaza
geschlossen. Seit
damals – also seit
10 Jahren – ist der
Gazastreifen von der
Außenwelt hermetisch
abgeriegelt.
Familien wurden
auseinandergerissen
und Studenten, die
im Westjordanland
studierten, wurden
deportiert. Man
sollte also nicht
allein die
Aufmerksamkeit auf
die Lieferung der
Waren konzentrieren,
sondern auch auf die
Verweigerung des
Rechts und die
Vereitelung des
Wunsches der Gaza
Bewohner hinweisen,
ein aktiver,
dauernder und
natürlicher Teil der
palästinensischen
Gesellschaft zu
sein. Diese
Ausgrenzung des
sozialen
Miteinander, der
zwischenmenschlichen
Beziehungen und des
Rechts auf Bildung
verfolgt die
israelische Politik
seit Gründung des
Staates Israel mit
der Unterdrückung,
Vertreibung und
Ermordung des
palästinensischen
Volkes. Das ist Teil
der unmenschlichen
Apartheidpolitik
Israels.
Daher ist es ja sehr
erfreulich, wenn der
Deutschen Bundestag
endlich eine
Aufhebung der Gaza
Blockade fordert.
Aber auf diese
Aufforderung müssen
Druck und Taten
folgen, die Israel
in Zugzwang setzt.
Dem kann ich nur
skeptisch
entgegensehen, da
mir scheint, dass
nach dieser
Erklärung der
Bundestag
überparteilich seine
Pflicht getan hat
und nun wieder zur
Tagesordnung
übergeht.
Israel führt die
Welt wie immer als
„Nasenbär“ in seinem
Zirkus vor. Da wird
jetzt eine „schwarze
Liste“ für Gaza
vorgelegt, die
vorsieht, dass das
Kontingent der
Waren, die verwehrt
werden, erweitert
wird. D.h.
Stahlkabel, Eisen
und Beton dürfen
weiterhin nicht
unkontrolliert in
den Gazastreifen –
genau wie
Jagdmesser,
Nachtsichtgeräte,
bestimmte
Computertechnik und
Düngemittel (man
merke!), die zur
Herstellung von
Sprengstoffen
genutzt werden
können. Aber
Limonade,
Süßigkeiten und
Ketchup zum „Dickmachen“
sind erlaubt. Dank
unserer aller Hilfe
geht also die
unmenschliche und
verbrecherische
israelische Willkür-
und
Strangulationspolitik
weiter.
Immerhin dürfen wir
nicht vergessen,
dass die ganzen
Hilfsgüter von
uns allen, von
internationalen
Hilfsorganisationen
und der UNO bezahlt
werden. Ich vermisse
also weiter den
Aufschrei und den
Protest gegen diese
israelische Politik.
Wir brauchen also
anstatt unwirksamer
Resolutionen
wirksame Zeichen,
d.h. die
Verhinderung der
Mitgliedschaft
Israels in der OECD,
Eureka. Und anstatt
die
Militärzusammenarbeit
zu vertiefen,
brauchen wir einen
sofortigen Stopp
aller
Militärgeschäfte und
Geschenke an und mit
Israel.
Lieber Bundestag,
liebe Parteien: Das
wäre ein Zeichen!
Auch unsere Medien
sind unrühmlicher
Teil in diesem
Trauerspiel. War man
nach der
völkerrechtswidrigen
Erstürmung der Gaza
Flotte noch entsetzt
und verurteilte die
Tat Israels von 9
Ermordeten und über
48 Verletzten,
änderte sich die
Berichterstattung
zusehends. Die 700
Aktivisten mutierten
zu „so genannten“
Friedensaktivisten,“
nützlichen Idioten“
(Focus) und sind
inzwischen, wie
heute Morgen im DLF
(O-Ton) schon zur „
Hamas Flotte“
umbenannt. Diese
erschreckende
Hirnwäsche hat die
israelische
Propaganda im
Schatten der Fußball
WM schon erreicht.
Hoffen wir, dass
wenigstens die
Türkei standhaft
bleibt und - solange
Israel sich nicht
für dieses Massaker
entschuldigt und
eine internationale
Untersuchungskommission
erlaubt – mit dem
Abbruch der Kontakte
zu Israel droht. Die
Türkei sagte
wenigstens schon
eine geplante
gemeinsame Seeübung
ab. Der türkische
Luftraum bleibt für
israelische
Militärflugzeuge
gesperrt, und die
Türkei hat ihren
Botschafter aus
Israel
zurückgerufen.
Angesichts des
heutigen Besuchs
Netanjahus beim
US-Präsidenten ist
Obama vor allen
Dingen an der
Sicherheit der
25.000 US-Soldaten
im Nahen Osten,
Mittleren Osten und
der Golfregion
gelegen. Da stört es
natürlich, wenn das
Verhältnis zwischen
der Türkei und
Israel zerrüttet
ist. Auch wenn die
Obama Regierung so
tut, als ob sie die
Siedlungspolitik
verurteilt, sind die
Palästinenser in
Wirklichkeit außen
vor, egal ob im
amerikanisch-israelischen
Terminus gemäßigt
oder terroristisch =
Hamas. Machen wir
uns nichts vor, was
in den USA nur
zählt, sind Israel,
der Jüdische Staat
und die einzige
Demokratie im Nahen
Osten und die Israel
Lobby im Senat und
Kongress.
Es hilft nur
Widerstand und das
Boykottieren dieser
unheilvollen Politik
Israels mit den USA
gegen den Rest der
Welt, d.h. besonders
natürlich gegen die
muslimische Welt.
Daher erscheint mir
auch der Slogan „um
Hoffnung kämpfen“
ein falscher Ansatz.
Kämpfen kann man nur
für ein freies
Palästina – darin
liegt eine Hoffnung.
Aber die
Wirklichkeit ist
alles andere als
hoffnungsvoll. Laut
Betselem
kontrollieren die
Siedler 42% des
Palästinensergebietes.
Die Zahl der Siedler
liegt heute lt.
Haaretz bei über
300.000. Man plant
nach dem Auslaufen
des Moratoriums 2700
neue Wohneinheiten.
Die Judaisierung,
Vertreibung und
Deportation aus
Ost-Jerusalem
schreitet täglich
voran. Die
Menschenrechtsgruppen
und NGO’s in Israel
werden massiv
angegriffen – d.h.
sie sollen sogar
z.T. verboten bzw.
ihnen jeder legale
Status genommen
werden.
Wo bleibt da der
Protest des
Deutschen
Bundestages? Solange
das nicht geschieht
und solange Israel
hier weiterhin jeden
Freibrief für seine
mörderische
Unterdrückungspolitik
hat, habe ich keine
Hoffnung auf
Besserung. Zumal wie
immer die gleichen
Protagonisten,´- wie
z.B. der
Pornoverfasser im
Spiegel - gegen den
Bundestag
opponieren. Aus
diesem Grund ist
auch die Kritik des
Zentralrates nur mit
mildem Lächeln zu
betrachten. Mit
diesem
Generalsekretär
Stephan Kramer, der
trotz seiner
Rundumschläge gegen
die Medien
(„antisemitisch“!)
immer wieder Platz
für seine Tiraden
bekommt. Wie sagt
Kramer in der TAZ:
weil für ihn das
Judentum nach „einer
Phase der
Identitätssuche ein
Stück weit Heimat
und Familie geboten
hat.“ Bedauerlich,
dass er nicht
katholisch wurde und
im Vatikan gelandet
ist – so einen
„Wadenbeißer“ hätte
der Papst gebraucht.
Aber Spaß beiseite –
sagt Kramer nicht
sehr richtig auch in
diesem Interview,
dass der Holocaust
von einzelnen
Mitgliedern der
israelischen
Regierung und Teilen
der israelischen
Gesellschaft für
politische Zwecke
benutzt wird und
bemängelt auch: „Das
geht nicht“, dass
Ahmadinedschad nicht
vor dem Tor von
Auschwitz gezeigt
werden dürfte, um
die atomare
Bedrohung des armen
kleinen Israels
durch den Iran zu
demonstrieren. Sehr
schön, Herr Kramer,
aber liest man Ihre
letzten
Propagandareden
anlässlich von
Demonstrationen
gegen die
Gaza-Flotte in
Berlin, wird man
eines Besseren
belehrt. Sie und der
Zentralrat machen
bewusst Politik mit
der falschen Angst
mit Vergleichen
Holocaust – Iran,
Holocaust,
Antisemitismus und
Antizionismus, d.h.
wieder mit der
unsäglichen
Vermischung und dem
Totschlagen jeder
Israel-Kritik. So
sieht die traurige
Wirklichkeit im
Jahre 2010 aus. Da
wird bewusst ein
nicht erfolgter
Besuch des
Konzentrationslagers
Buchenwald durch
eine iranische
Delegation als
antisemitisch
aufgeputscht. Ich
frage Sie: Würde
eine deutsche
Besucherdelegation
aus Weimar der
300.000 Getöteten
aus den Kriegen im
Iran gedenken? Und
warum muss jeder
Politiker bei jedem
Israel Besuch nach
Yad Vaschem? Das
nenne ich eine
gefährliche
Instrumentalisierung
des Holocaust durch
Israel und den
Zentralrat. Ebenso
wird der
bedauerliche Vorfall
in Hannover gegen
eine jüdische
Tanzgruppe unsäglich
benutzt, d.h.
Kinder, die
Kieselsteine
geworfen und dumme
Parolen gerufen
haben, werden als
Antisemiten
kriminalisiert. Ist
nicht der wirkliche
Hintergrund dieser
Vorfälle die
israelische
Unrechtspolitik
gegenüber den
Palästinensern, die
hier die Gemüter der
Muslime erhitzt –
zumal sich die
Jüdische Gemeinde in
Deutschland als Teil
dieser israelischen
Politik begreift:
Wenn sie z.B. die
Hatikva, also die
israelische
Nationalhymne singen
und
Davidsternflaggen
schwenken? Das ist
eine Provokation,
die genau dieses
Klima erzeugt, das
dann von
israelischen und
Zentralratskreisen
benutzt wird, um
Angst vor
angeblichen, neuem
Antisemitismus zu
erzeugen, der schon
in der “ Mitte der
Gesellschaft“
angekommen ist.
In der Tat ist es
immer wichtiger,
darauf hinzuweisen:
Die heutigen
Feindseligkeiten
zwischen Muslimen
und Juden, zwischen
Israelkritikern und
so genannten
Zionisten und
Israelunterstützern
dürfen nicht in die
antisemitische Ecke
gedrängt werden.
Dagegen müssen wir
uns alle gemeinsam
als deutsche
Demokraten wehren.
Den wirklichen
Antisemiten, die es
natürlich immer gibt
und geben wird,
macht man es durch
diese falsche
Vermischung immer
leichter. Die echten
Antisemiten werden
durch die
inflationären
Antisemitismusanschuldigungen
immer sicherer in
ihrem braunen Dreck.
Lassen wir es nicht
mehr zu, dass Israel
den Gazastreifen und
das besetzte
Palästina aus
unserem Bewusstsein
verdrängt. Die Gaza
Flotte war nur ein
Anfang. Sanktionen
und Boykott sollten
die Fortsetzung
sein. Solange die
autistische
israelische
Gesellschaft
Regierungen wählt,
die alle – egal, ob
Likud, Kadima,
Arbeiterpartei oder
rechtsradikale
Splitterparteien –
eine faschistische
Unrechts- und
Unterdrückungspolitik
betreiben. Wie lange
wollen wir uns durch
Duldung und
Hinnehmen dieser
Politik noch
schuldig machen?
Schluss mit dem
Zirkus und mit der
Vorstellung des
„Bären am
Nasenring“, an der
Leine und an der
Kette von Israel.
Genug ist genug!
Wenn Tausende
Israelis mit einem
Marsch für einen
Soldaten nach
Jerusalem unterwegs
sind, wie viele
Millionen
Palästinenser
müssten dann für
ihre Zivilisten -
die über 11.000 in
Gefängnissen
inhaftierten Männer,
Frauen und Kinder
-marschieren?
©
Evelyn
Hecht-Galinski -
6.7.2010
Collage
©
Erhard Arendt
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