|
|
|
Anis Hamadeh
zu taz Ruhr 28.02.05, S. 1: „Westbank am Rheinufer. Die Veranstaltung
‚Deutschland, Israel und Palästina’ im Düsseldorfer Museum Kunstpalast
ließ keinen rationalen Umgang mit der Nahost-Krise zu. Im Gegenteil:
Gestern eskalierte die Diskussion.„ von Holger Elfes.
Die taz-Berichterstattung über die
Veranstaltung am Wochenende, an der ich teilgenommen habe, lässt keinen
rationalen Umgang mit der Nahost-Krise zu. Die Überschrift "Westbank am
Rheinufer" ist offenbar dazu gedacht, Palästinenser generell zu
diffamieren. Was soll so eine Überschrift sonst bedeuten? Sie hatte
nichts mit dem Symposion zu tun. Die taz wirft der Veranstaltung in
obszöner Weise vor, dass keine Friedensgegner aufgetreten sind (!).
„Unausgewogen“ nennt sie das. Offensichtlich hat sich Herr Elfes nicht
einmal die Mühe gemacht, der Veranstaltung beizuwohnen (!), da er zum
Beispiel nicht gemerkt hat, dass Herr Watzal gar nicht dabei gewesen
ist. Die „zahlreichen kritischen Anrufe und Bitten im Vorfeld“, die im
taz-Artikel genannt werden, stammen von extremen Gruppen, die polemisch
und einschüchternd waren (Entsprechende Mails liegen mir vor). Dies ist
ein gutes Beispiel dafür, dass die deutsche Presse kein echtes Interesse
an einem Dialog hat. Die Veranstaltung war nämlich ein Dialog und ein
guter dazu. Es ist eine falsche und unaufrichtige Aussage, dass es
„keinen Platz für jüdische Opfer“ gab. Der Vorwurf einer fehlenden
Dialogkultur ist also der taz vorzuwerfen, nicht der Veranstaltung. Ein
gerechter Frieden in Nahost ist mit der taz nicht zu machen. Man sollte
das im Kopf behalten, um sich keinen Illusionen hinzugeben.
|
mailto:briefe(at)taz.de
Westbank am Rheinufer
Die Veranstaltung "Deutschland, Israel und
Palästina" im Düsseldorfer Museum Kunstpalast ließ keinen rationalen
Umgang mit der Nahost-Krise zu. Im Gegenteil: Gestern eskalierte die
Diskussion
AUS DÜSSELDORF HOLGER ELFES
Die Stimmung auf der Veranstaltung
"Deutschland, Israel und Palästina - Geschichte und Gegenwart
kollektiver Verdrängung" am Wochenende im Düsseldorfer Museum
Kunstpalast war aufgeheizt: Der fraktionslose Landtagsabgeordnete und
ehemalige Möllemann-Intimus Jamal Karsli verteilte fleißig sein neues
Buch "Maulkorb für Deutschland", andere aus unterschiedlichen
anti-israelischen Gruppierungen bekannte Gesichter betätigten sich als
Zwischenrufer. Auf der anderen Seite saß ein Grüppchen jüdischer
Diskussionsteilnehmer, das nicht weniger emotional erregt seine Sicht
der Dinge kundtat.
Die Veranstalter des zweitägigen Symposiums
hatten ihr Podium einseitig besetzt: Es sprachen der Palästinenser Anis
Hamadeh, Ludwig Watzal von der Bundeszentrale für politische Bildung
sowie Fanny-Michaela Reisin von der Organisation "Jüdische Stimme für
einen gerechten Frieden". Die israelische und auch deutsch-jüdische
Mehrheitsposition, die dem Friedensprozess skeptisch gegenüber steht,
vertrat in diesem Dialog keiner.
"Das Podium ist total einseitig besetzt",
kritisierte Patrick Pallade von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, "ich
finde es unmöglich, dass so etwas mit Steuermitteln bezahlt wird." Mehr
als 5.000 Euro hatte die Veranstaltung gekostet, auf der zwar jeder
lebhaft seine Meinung kundtat, man aber doch kaum miteinander sprach.
Veranstalterin Marie Luise Syring verteidigte
ihren Versuch, den Nahost-Konflikt in Düsseldorf erörtern zu lassen: "Es
ist doch schon Pluralismus, wenn Juden und Palästinenser gemeinsam auf
der Bühne sind", sagte sie der taz. Die zahlreichen kritischen Anrufe
und Bitten im Vorfeld um eine ausgewogenere Expertenrunde wies sie
zurück.
Von Dialogkultur war auch am Samstag keine
Spur. Dilettantisch führte Symposiumsleiter Wolfgang Dreßen, Politologe
an der Düsseldorfer FH, durch die Auftaktveranstaltung. Gezeigt wurde
der umstrittene Dokumentarfilm "Route 181" des
israelisch-palästinensischen Regisseurteams Eyal Sivan und Michel
Khleifi. Der Film aus dem Jahr 2002 zeigt erschreckende Interviews, die
an der imaginären Route 181, der 1947 von der UNO festgelegten Grenze
zwischen Israel und Palästina, geführt wurden: Hysterische Juden fluchen
darin auf Palästinenser, Vokabeln wie "Tiere" und "Krebsgeschwür"
belegen ihre extremistische Gesinnung. Israelische Palästinenser treten
nur als Opfer und Ankläger gegen Armee- und Behördenwillkür auf. Für
Zwischentöne ist kaum Platz, der Extremismus der anderen Seite kommt
nicht vor, die jüdischen Opfer ebenso wenig.
Statt anderthalb Stunden wie angekündigt,
dauerte die Vorführung vier Stunden. Regisseur Sivan kam ohne weitere
Angabe von Gründen nicht. Die dringend nötige Diskussion fiel aus. Eine
vertane Chance.
taz Ruhr Nr. 7602 vom 28.2.2005, Seite 1, 97 Zeilen (TAZ-Bericht),
HOLGER ELFES - Dipl.-Journalist, M.A. freier Autor, Bochum
|
siehe auch:
Viel Effekt: Antizionistische
Veranstaltungen
Pr. Dressen - »›Antideutsche‹ kennen keine
Argumente«
Weitere
Leserbriefe die in der Taz veröffentlich wurden:
Kein rationaler Umgang möglich
betr.:
"Westbank am Rheinufer", taz vom 28.2.05
Mit Verwunderung musste ich
aus der taz erfahren, dass ich auf einer Veranstaltung gesprochen
habe, an der ich gar nicht zugegen war [...] Dem Verfasser gelang es
noch nicht einmal, das Programm richtig abzuschreiben. Dort war ich
nur namentlich unter Angabe eines eventuellen Vortragstitels
angekündigt. Im Unterscheid zum Autor, der sich über den Ablauf der
Veranstaltung eine Meinung gebildet hat, ohne vielleicht gar nicht
dort gewesen zu sein, würde ich mir aufgrund von Zweitberichten
keine solche Meinungsbildung anmaßen. LUDWIG WATZAL,
Bonn
Mir ist unklar, auf welcher Veranstaltung Sie waren, wenn sie
von "Westbank am Rheinufer" berichten? [...] Wieso überhaupt
Westbank am Rheinufer? Es gibt in Düsseldorf keine Trennmauer und
auch keine illegalen jüdischen Siedlungen, keine Vertreibungen und
auch keine Kontrollpunkte. Die Provokationen gerade von jüdischer
Seite (hinter mir wurden dauernde Zischgeräusche und
Zwischenkommentare abgegeben, die ich hier besser nicht zitiere),
die ständigen Parallelen der Nazis zum Großmufti von Jerusalem
(einmal hätte durchaus gereicht um die Palästinenser als Nazis
dastehen zu lassen), sagen einiges über den Geisteszustand
derartiger Individuen aus. Die Veranstaltung, eine objektive und vor
allem vernünftige Diskussion war nicht möglich, aber nicht, weil die
Störungen von anti-israelischer Seite kamen, es war umgekehrt.
ANDREAS FRIEDRICH, Düsseldorf
Die Überschrift "Westbank am Rheinufer" ist offenbar dazu
gedacht, Palästinenser generell zu diffamieren. [...] Sie hatte
nichts mit dem Symposion zu tun. Die taz wirft der Veranstaltung in
obszöner Weise vor, dass keine Friedensgegner aufgetreten sind.
"Unausgewogen" nennt sie das. [...]. Die "zahlreichen kritischen
Anrufe und Bitten im Vorfeld" stammen von extremen Gruppen, die
polemisch und einschüchternd waren. Dies ist ein gutes Beispiel
dafür, dass die deutsche Presse kein Interesse an einem Dialog hat.
Die Veranstaltung war ein Dialog und ein guter dazu. Es ist eine
falsche und unaufrichtige Aussage, dass es "keinen Platz für
jüdische Opfer« gab [...]
ANIS HAMADEH, Kiel
Als ich den Bericht gelesen habe, kam mir der Verdacht, dass der
Autor vom anderen Rheinufer aus berichtet hat: Er hat Redebeiträge
aus dem Publikum zitiert, aber aus den Inhalten der Vorträge nichts
erwähnt! [...]
GERTRUD NEHLS, Hagen
taz Ruhr Nr. 7603 vom
1.3.2005, Seite 4, 40 Zeilen (LeserInnenbrief) |
| Hier der vollständige Leserbrief
von Dr. Ludwig Watzal: Liebe
Kolleginnen und Kollegen,
ich bitte um Abdruck des folgenden Leserbriefes:
mit Verwunderung musste ich aus Ihrer Zeitung erfahren, dass ich auf
einer Veranstaltung gesprochen habe, an der ich gar nicht
zugegen war. Zu Gunsten des Verfassers könnte man sagen, es
sei höchst unprofessionell recherchiert worden, näher liegt
allerdings die Vermutung, dass Herr Elfes absichtlich eine
Falschmeldung verbreiten wollte, um meine Person zu
diskreditieren. Dem Verfasser gelang es noch nicht einmal, das
Programm richtig abzuschreiben. Dort war ich nur namentlich
unter Angabe eines eventuellen Vortagstitels angekündigt . Im
Unterscheid zu Herrn Elfes, der sich über den Ablauf der
Veranstaltung eine Meinung gebildet hat, ohne vielleicht gar
nicht dort gewesen zu sein, würde ich mir aufgrund von
Zweitberichten keine solche Meinungsbildung anmaßen. Das
offenkundige Fabulieren gehört eigentlich eher dem Genre der
Regenbogenpresse an.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Ludwig Watzal
53173 Bonn |
|
Mailingliste von Honestly Concerned: Die Quelle aller
Verleumdungen:
http://groups.yahoo.com/group/Honestly-Concerned-Mailingliste/message/1216
Eine Meldung in der Mailingliste vom 1.3.05:
Guten Morgen,
Ich war mit einem "harten Kern" sowohl am Samstag abend,
der ohne Diskussion - weil zu spät - zu ende ging, wie auch den
gesamten Sonntag dort. Was hier nicht -vielleicht aber am
Donnerstag in der Allgemeinen (hoffentlich) erwähnt wird, ist die
Tatsache, dass im Verlaufe des Sonntages sowohl Leute aus der jüd.
Gemeinde D'dorf wie auch Kölner Linke dazukamen.
Zwischen den Vorträgen meldeten wir uns wiederholt zu Wort -
fundierte Wortbeiträge und Fragen, die keinesfalls nur emotional
waren und die die Redner vorne, Watzal war übrigens nicht da,
schon irritierte, wie z.B. Ralf Balkes fundiertes Wissen über
Antisemitismus in Arabischen Ländern und seine Aúseinandersetzung
mit Dr. Wildangel, die sich bis in die Pause zog.
Frau Syring, die Veranstalterin, fand offensichtlich die
von uns z.T. initiierte Diskussion wohl Klasse, weil wir die
Veranstaltung in ihren Augen interessant machten. Dem haben wir
dann um 18Uhr in dem Moment als Fanny M. Reisin mit ihrem Vortrag
begann durch gemeinsames ostentatives Verlassen des Saales ein
Ende gesetzt.
Insgesamt glaube ich, dass man einer Veranstaltung, mit einem so
großen Panel und so wenig Zuhörern (man war unter sich, anders,
als wir erwartet hatten nach der Ankündigung) nicht die "Ehre"
unserer klugen Einlassungen geben sollte. In dem Moment, wo
deutlich wird, dass es sich nicht "lohnt" solte man sich die Mühe
nicht machen. Aber das sieht man erst dann. Beim nächsten mal kann
man früher gehen, wenn abzusehen ist, dass da nicht viel draus
wird.
Richtig schlimm war der Film "Route 181",der in kleinerem Rahmen
mit aber doch ungef. 60 Leuten vorgeführt wurde. Danach hätte ich
sehr gerne diskutiert, aber darüber gab es keine Aussprache. An
dem Abend war ich nach vier Stunden Film völlig fertig, da ich
auch nichts mehr öffentlich dazu sagen konnte, was meiner
Psychohygiene gut getan hätte
Gruß, N. |
|
|
|
|
|